Kunst
Ausstellung zu Hans Purrmann der Pfalzgalerie Kaiserslautern
Hans Marsilius Purrmann kennt sie alle: Matisse, Picasso, Klee, Kandinsky und was der Berühmtheiten mehr sind im noch jungen 20. Jahrhundert. Mit einigen von ihnen verbindet den Pfälzer eine enge Freundschaft. Er trifft sie in München, Paris, Berlin, Florenz – Stationen eines spannenden Künstlerlebens, das sich weitgehend frei von finanziellen Einschränkungen entfalten kann.
Schon bald verlässt der 1880 in Speyer Geborene seine Pfälzer Heimat, lässt sich zuerst an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe und bereits als 17-Jähriger an der Münchner Kunstakademie ausbilden. Mit 25 wird er Mitglied der Berliner Sezession, lernt in der Hauptstadt den Pfälzer Malerfürsten Slevogt kennen, ein Jahr später zieht es ihn nach Paris, unter anderem trifft er dort auf den späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss.
Absage an die Abstraktion
In der Seinemetropole geht es für den jungen Pfälzer Schlag auf Schlag weiter: Mit Henri Matisse baut er die „Academie Matisse“ auf, ist für den Franzosen so etwas wie ein Betriebsdirektor, zuständig für Organisation und Verwaltung. Im Gegenzug bekommt er den letzten künstlerischen Schliff durch den Postimpressionisten, der seinerseits den Schritt zum Fauvismus vollzog, also die Loslösung von der illusionistischen Darstellung hin zur Arbeit mit Farbflächen. Doch Purrmann wollte sich – anders als das Gros der mit ihm befreundeten Avantgardisten – nicht aufmachen in Richtung Abstraktion.
Obwohl in seinem Werk durchaus Anregungen der Zeit zu finden sind, blieb er seinem gegenständlichen Stil treu. Vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb der Pfälzer es nicht in die „künstlerische Championsleague“ des 20. Jahrhunderts schaffte. Warum seine Bilder von den Nazis allerdings als „entartet“ eingestuft wurden, erschließt sich bei der stilistischen Betrachtung weniger. Der Vorwurf des „Französlings“, den ihm die braunen Kulturbanausen angesichts seiner Aktivitäten im Nachbarland machten, scheint ebenso aus der Luft gegriffen, gaben sie sich doch andererseits alle Mühe, Künstler zu „germanisieren“, etwa den Komponisten Hector Berlioz. Wie auch immer überstand Purrmann die dunklen Jahre des Nationalsozialismus unbeschadet zunächst in Italien und danach in der Schweiz.
Mehr als eine Ausstellung
Nach Deutschland kehrte er erst in den 1950er-Jahren zurück und wurde dort Mitglied nicht nur des Deutschen Künstlerbundes, sondern auch der Pfälzischen Sezession. Sein für die nationale Kunstszene beträchtliches Wirken in den 50er-Jahren, gerade auch in dem Pfälzer Künstlerbund, ist Ansatzpunkt des jüngsten Ausstellungsprojekts der Pfalzgalerie – wobei Ausstellung das Vorhaben der Kuratoren Sören Fischer und Annette Reich nur unzulänglich umreißt.
Vielmehr hat sich Fischer seit zwei Jahren in einen Briefwechsel hineingekniet, den er bei seinem „Amtsantritt“ als Leiter der Grafischen Sammlung vorfand. Purrmanns Austausch mit dem damaligen Geschäftsführer der Pfälzischen Sezession, dem SPD-Landtagsabgeordneten und Bad Bergzaberner Schuhhändler Willibald Gänger, der vor allem ein großer Förderer der Kunstszene war, entpuppte sich dabei rasch als wertvolles Zeitdokument. Die Schriftstücke beleuchten das Wiedererwachen der Nachkriegsszene, die Bildung von Netzwerken und sprechen ganz nebenbei von höchster persönlicher Wertschätzung – und von einer spätestens in unseren Tagen digitaler Kürzelkommunikation weitgehend verloren gegangenen Briefkultur. Insofern ist der Band „Hans Purrmann und Willibald Gänger – ein Briefwechsel über die Kunst und Kultur der 1950er-Jahre“, den Pfalzgalerie-Kurator Sören Fischer nun herausgebracht hat, mehr als „nur“ ein wichtiger Beitrag zur Purrmann-Forschung.
Die Kunstwelt ist ein Dorf
Die neue Ausstellung bringt nun ausgewählte Beiträge des Briefwechsels nicht nur mit drei bedeutenden Ölbildern Purrmanns zusammen, sondern bezieht obendrein noch die Arbeiten anderer Mitglieder der Pfälzischen Sezession ein, die fast alle irgendwie miteinander zusammenhängen. Ein Beispiel einer solchen Verkettung, die die Pfalzgalerie-Kuratoren in ihrer Kabinettsausstellung inszenieren: Ausgehend von der Beziehung Purrmann-Gänger führt dessen Schenkung eines Bildes von Rolf Müller-Landau direkt zur Pfalzgalerie. Müller-Landau wiederum ist außer seinen Bildern – neben der Schenkung „Parade der Drachen“ vor allem dem beeindruckenden Spätwerk „Herbstlied“ – mit einer Bildnismaske vertreten, die der Haßlocher Theo Siegle von ihm fertigte. Als Müller-Landau 1956 stirbt, schreibt Gänger an Purrmann: „Er hat sich wohl überarbeitet, sich zuviel vorgenommen.“ Ein Kreis schließt sich, die Kunstwelt ist an dieser Stelle auch nur ein Dorf.
Prominent gehängt sind in der Ausstellung die drei Ölbilder Purrmanns aus dem 21 Arbeiten starken Bestand des Museums: neben einem Selbstbildnis eine für ihn so typische Bodensee-Landschaft (Purrmann hatte vor dem Krieg ein Fischerhaus am „Schwäbischen Meer“ gekauft und mehrere glückliche Sommer dort verbracht) und eine Ansicht der Insel Ischia, die der Pfälzer in den 1950er-Jahren regelmäßig aufsuchte.
Spurensuche im Museum
Wer sich also auf Spurensuche machen möchte in Sachen Hans Purrmann oder (Pfälzer) Kunstszene der 50er-Jahre, liegt mit der Ausstellung und Sören Fischers neuer Buchpublikation richtig. Dem spartenübergreifenden Projekt der Pfalzgaleristen entspricht übrigens auch die Eröffnung am 6. Dezember: Sie verknüpft Buchvorstellung mit Vernissage und einem Konzertteil und lohnt sicherlich den Besuch.
Die Ausstellung
„Hans Purrmann – mit der Pfalz verbunden“, bis 5. März, dienstags 11 bis 20 Uhr, mittwochs bis sonntags 10 bis 17 Uhr. Buchpublikation: Sören Fischer: „Hans Purrmann und Willibald Gänger – ein Briefwechsel über die Kunst und Kultur der 1950er-Jahre“, Deutscher Kunstverlag, 18 Euro. Eröffnung: 6. Dezember, 19 Uhr, mit einer Lesung von Madeleine Giese und Rainer Furch sowie dem Duo IC-Strings mit Stücken von Bach bis Led Zeppelin, Eintritt frei.