Ramstein-Miesenbach
Ausstellung: Kommt Supermans Braut Lois Lane aus der Pfalz?
Es ist ein für pfälzische und amerikanische Patrioten gleichermaßen bedeutsames Problem. Natürlich ist Superman eine erfundene Comicfigur, die seit 85 Jahren ihre Sprechblasen-Abenteuer im Kampf gegen Schurken aller Art besteht. Dabei setzt er übermenschliche Fähigkeiten ein. Er hat einen edlen Charakter und enorm großen Mut.
Deshalb kommt niemand auf die Idee, dass sich hinter dem Superhelden der linkisch-scheue Zeitungsjournalist Clark Kent verbirgt. Seine Freundin Lois Lane hat denselben Beruf. Womit wir beim Thema wären. Es geht um Lois Lane.
Die von den Superman-Erfindern Joe Shuster und Jerry Siegel erfundene Lois war schon in der allerersten Geschichte vom Helden mit dem roten Umhang dabei, die im Frühjahr 1938 in der amerikanischen Zeitschrift „Action Comics“ erschien. Als die Bild-Strips immer erfolgreicher und immer phantastischer wurden, wollten die Fans mehr über die gezeichneten Figuren wissen. So kamen Clark und seine Freundin zu fiktiven Lebensläufen.
Die Schwester heißt Lucy
Lois’ angebliche Biografie listet eine Masern-Infektion mit zwei und den Keuchhusten mit drei Jahren auf. Ihre jüngere Schwester heißt Lucy. Eine angriffslustige Klapperschlange kann schon in ihrer Kindheit durch den späteren Superman, der eigentlich Kal-El heißt und von seinen menschlichen Pflegeeltern Kent genannt wird, abgewehrt werden.
Zunächst besagten die von den Herausgebern gestreuten „Hintergrundberichte“, Lois sei die Tochter von Landwirten. Als das nicht mehr heroisch genug erschien, ersannen die Autoren des New Yorker Verlagshauses DC einen anderen Lebenslauf.
Dazu schreibt die 2021 erschienene „DC Comics Encyclopedia“: „Lois ist die Tochter von Ellen (oder Ella) und Sam Lane. In den frühen Comics waren ihre Eltern Farmer in einem Ort namens Pittsdale. In den modernen Comics jedoch wird Sam als General im Ruhestand dargestellt und Lois als ,Army-Göre’. Sie wurde auf der Luftwaffenbasis Ramstein geboren und von ihrem Vater in Nahkampf- und Waffentechniken ausgebildet.“
Die Sache mit dem Geburtsdatum
Damit haben wir schwarz auf weiß, dass Supermans ewige Braut aus Ramstein stammt. Sie ist also ein Pfälzer Mädchen amerikanischen Geblüts – und steht damit in einer Reihe mit anderen Prominenten aus Ramstein wie der Erdkundlerin Eugenie Löffler, dem Maler Richard Mund sowie dem Porträt- und Pressezeichner Edgar John.
Aber hat sie nicht 1938 das Licht der Superhelden-Comic-Welt erblickt? Müsste sie logischerweise nicht vor diesem Jahr geboren sein? Hat die US-Luftwaffe nicht erst ab 1951 den Behelfsflugplatz auf der unvollendeten Autotrasse für ihre Zwecke erweitert? Wird in den Streitkräften nicht penibelst zwischen Armee und Luftwaffe unterschieden? Erhielt das mit Landstuhl zusammengelegte Terrain nicht 1957 den endgültigen Namen Ramstein Air Base?
„Wir können die Frage nach Lois’ Herkunft nicht eindeutig beantworten“, sagt DCR-Leiter Mario Aulenbacher. „Aber in manchen Nachschlagewerken zur Geschichte des Comics wird Ramstein ausdrücklich als Herkunftsort der Superman-Freundin genannt.“
Weitere Recherchen seien allerdings ins Leere gelaufen, obwohl die Museumsmacher sogar einen Aufruf im Internet-„Comicforum“ platzierten. Ein offenkundig profunder Kenner lieferte lediglich den Hinweis, dass 1987 eine Zeichnung von Lois’ Vater im Comic erschien.
Noch mehr Air Base in der Popkultur
Jedenfalls greifen Aulenbacher und seine Ko-Kuratorin Claudia Gross das Superman-Thema in der jüngsten DCR-Ausstellung auf, in der es um „Die Air Base in der Popkultur“ geht. In der Werbung für die Schau „Ram(m)stein, Ramones und Lois Lane“ ist sie unter einer Sprechblase abgebildet, darin steht: „Bin ich in Ramstein geboren oder nicht?“
Vielleicht können Besucherinnen der bis November laufenden Ausstellung zur Lösung des Rätsels beitragen. Dass CDU-Bürgermeister Ralf Hechler nach seiner Super-Wiederwahl mit 91,6 Prozent aller Stimmen zuweilen im blauen Athleten-Strampelanzug und mit rotem, wehendem Umhang über die Verbandsgemeinde fliegt, ist wahrscheinlich nur ein Gerücht.
Info
Die Ausstellung „Ram(m)stein, Ramones und Lois Lane. Die Air Base in der Popkultur“ ist bis 5. November im Docu-Center zu sehen.
– Geöffnet ist dienstags bis sonntags, jeweils von 14 bis 17 Uhr.
– Infos auf der Internetseite www.dc-ramstein.de