KAISERSLAUTERN RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung im Brownian Motion Art Space: Einsam und gewaltig

Barbara Meyer-Cesta im Brownian Motion Art Space.
Barbara Meyer-Cesta im Brownian Motion Art Space.

Die Reihen der winzigen Fotografien von Barbara Meyer-Cesta teilen die Ausstellungswände des Brownian Motion Art Space wie ein Fries genau in der Mitte.

Um sich die vielen, äußerst kleinen Bilder genau anzusehen, müssen die Gäste so richtig nah dran. Was sich ihnen dann offenbart, ist eine urzeitliche Landschaft an der Küste des isländischen Grönlandmeeres. Im Zusammenspiel mit Wolken und Sonnenlicht wirkt diese zauberisch und wie nicht von dieser Welt.

Die aus Biel/Bienne in der Nordwestschweiz stammende, 1959 geborene Künstlerin hat sechs Wochen in einem Haus an den Gestaden des Grönlandmeeres verbracht. Und dabei runde 250 Aufnahmen mit einer Sofortbildkamera in Zinkkristall-Technik und einer kleinen Nikon gemacht. Auf Einladung der Galeriebetreiber Jörg Heieck und Hamdy Reda hat sie nun den Weg in die Barbarossastadt gefunden.

Riesige Landschaften, kleine Aufnahmen

Ihre Schau „The Horizon Misses Nothing“ ist in mehrerer Hinsicht ungewöhnlich. Zum einen zeigt sie eine umlaufende Kette kleinster Bilder einer eigentlich riesigen und weiten Landschaft. Und zum anderen entpuppen sich diese kleinsten Aufnahmen beim genauen Hinsehen als wahre Kraftpakete. Das weite Meer, dräuendes Gewölk, Salzwassersiele, Seen, Nebelbänke oder schwarzes Lavagestein erscheinen im tageszeitlich wechselnden Licht völlig unterschiedlich. Mal ockerfarben, mal azurblau und manchmal gar rosafarben oder gelb. Unwirklich und surreal wirken die Fotografien von Barbara Meyer-Cesta und sie wären perfekt zur Illustration so manchen wilden Science-Fiction- oder Fantasy-Romans. Außerdem erscheinen die Aufnahmen auf Abstand betrachtet auch grafisch und bieten so eine zweite Ebene der Betrachtung.

In einer einsamen und gewaltigen Landschaft wie der auf diese Weise abgelichteten, erscheint der arme Mensch mit seinen Nöten, Sorgen und Zwängen unwichtig bis fast nichtig. Ganz im Gegensatz zu unserer hiesigen, vom Menschen gestalteten und auf den Menschen zugeschnittenen Welt voller Gebäude und Straßen. Das könnte beim Publikum ja durchaus so etwas wie Demut auslösen. Und vielleicht bewirken, daß man anfängt, sich selbst nicht mehr ganz so wichtig zu nehmen. Eine solche Wirkung dieser höchst eindrücklichen Fotografien wäre ja nicht unbedingt ein Fehler in unserer überindividualisierten Gesellschaft.

Eröffnung gut besucht

Bei der gut besuchten Ausstellungseröffnung am vergangenen Samstagabend ging Laudator Jörg Heieck auf Vita und Werdegang der studierten Künstlerin sowie auf die angewandten Fototechniken ein. Dass das Publikum in diese kleinste Galerie in Rheinland-Pfalz nur schubweise eintreten konnte, minderte die Stimmung und den Kunstgenuss nicht. Mittlerweile hat es sich zumindest in Kaiserslautern herum gesprochen, daß es im Brownian Motion Art Space stets außergewöhnliche und internationale Fotografie zu sehen gibt.

INFO

Die Schau „The Horizon Misses Nothing“ im Brownian Motion Art Space in der Kaiserslauterer Medicusstraße 28 ist samstags von 18 bis 19.30 Uhr geöffnet, außerdem nach Vereinbarung unter Telefon 0631 3618181.

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