Kaiserslautern
Ausstellung der Künstlerwerkgemeinschaft im Stadtmuseum nun endlich zugänglich
Hineinhorchen in die Ständige Museumssammlung rechts und links der Steinstraße, übersetzen in künstlerische Attribute, hinzu- und einfügen ins museale Profil und herausrufen was städtisches Erbe sein kann. Diese kreative Aufgabenstellung steckt mit 28 Positionen im Ausstellungstitel „wadi“. Wochenlange Vorbereitungen mit Museumsbesuchen und Recherchen zu ausgewählten Stücken, Orten oder Geschichten gingen dem voraus, was Mitglieder der Lautrer Künstlerwerkgemeinschaft (KWG) und einige Gäste seit der coronabedingten Eröffnung ohne Vernissage am 16. Mai (wir berichteten am 18. Mai) präsentieren. Das Resultat ist eine eigenwillig verdichtete und interdisziplinäre Darbietung.
Es bedarf Zeit und Muße um die künstlerischen Eingriffe in den beiden Standorten Theodor-Zink-Museum und Wadgasserhof zu entdecken und ihnen Zusammenhänge und Eigensinn zu entlocken. Das geplante Begleitheft ist derzeit noch im Werden. Daher lohnt es sich, ein Beispiel für die Herangehensweisen der Künstler am Beitrag Hamdy Redas ausführlicher zu beschreiben. Zumal es am 10. Juni bereits abgebaut werden muss.
Hinsetzen auf schreiben sind gefragt
Der Gast aus Ägypten, der sowohl in Kairo als auch hier Zuhause ist, wählte eine interaktive Installation, benannte sie „Museumssammlung“ und bekam dafür den Saal im Erdgeschoss des Wadgasserhofes zugewiesen. Eine imponierende Dimension der Leere. Denn die installierten Gegenstände sind sechs gerahmte Drucke, ein Stuhl sowie ein Tisch, auf dem Papiere und ein Stift liegen. Der Hintergrund dazu ist Redas Fragestellung: „Was befindet sich in einem Museum?“ Zunächst an seine Facebook-Freunde gestellt, können nun Besucher des Stadtmuseums analoge Antworten geben. Diese konzeptionelle Arbeit sammelt quasi kollektive Ausdrücke dessen, was ein Museum beinhalten könnte. Reda: „In einer irreversiblen Denkweise habe ich das Konzept dieser Arbeit aufgebaut, indem ich mich selbst gefragt habe: Was könnte ich in ein Museum stellen? Soll ich eine Sammlung von Antworten platzieren? Oder weitere Fragen?“
Der bildende Künstler, Kurator und Kulturaktivist sieht ein Museum als 2500 Jahre alte Institution, die gegründet wurde, um historische Artefakte neben anderen Produkten von historischer, wissenschaftlicher, kultureller und künstlerischer Bedeutung zu bewahren. Mit seiner Frage zielt der Künstler auch auf den Wandel, auf veränderte Werke und Werte.
Schalk und Hintersinn
In diesem Sinn ist auch die Arbeit der Malerin Veronika Olma zu betrachten. Seit 1957 im städtischen Kunstbesitz, zeigen zwei Porträtgemälde das Ehepaar Johanna Jacobina Schuberth (1801 bis 1877) und Johann Jacob Tascher (1801 bis 1862) aus dem Jahr 1830 eines unbekannten Künstlers. In der Ständigen Sammlung wohl bewahrt, scheint Olma sich von der Modellhaltung des Paares inspirieren zu lassen, ihn in unsere Zeit zu transferieren. Sie orientiert sich an den Charakteristika des Paares, malt sie im ihr eigenen Duktus und nutzt Eitemperafarben. Ohne zu kopieren. Ohne zu verfremden. Ein erstaunliches Resultat einer wunderbaren Idee, nicht ganz ohne Schalk und Hintersinn. Wer übrigens Geschichtsschreibung nah an Philipp Jakob Siebenpfeiffer samt Hambacher Fest betreiben möchte, findet Stoff zum Leben und Wirken des Buchbinder-, Buchhändler- und Verlegerpaares vom Schillerplatz.
Ausstellung
Bis 18. Juli, Öffnungszeiten mittwochs bis freitags von 10 bis 17 sowie samstags und sonntags von 15 bis 20 Uhr. An drei Sonntagen im Juli (4., 11., 18.) wird ein Begleitprogramm stattfinden. Der Eintritt ist frei. Obligatorische Voranmeldung unter museum@kaiserslautern.de oder unter 0631/365-2321.