Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Aus am Schillerplatz: Schuhgeschäft schließt

Wechselt ins Angestelltenverhältnis: Gabi Platz-Domin.
Wechselt ins Angestelltenverhältnis: Gabi Platz-Domin.

Gabi Platz-Domin gibt auf. Zehn Jahre lang hat sie am Schillerplatz mit großer Leidenschaft ein Schuhgeschäft betrieben. Doch Mitte Juli ist Schluss. Nicht nur die Baustelle vor der Ladentür hat ihr zuletzt das Leben schwer gemacht.

„Die Corona-Krise war nur das I-Tüpfelchen“, sagt die Einzelhändlerin. Ein Hauptproblem sei der Frequenzrückgang. „Die Kaiserslauterer fahren zum Einkaufen lieber woanders hin“, klagt die 58-Jährige. Dabei habe die kleine Großstadt durchaus etwas zu bieten. Ihr Appell ist eindringlich: „Wenn sich das nicht ändert, die Wertschätzung für die eigene Stadt, dann werden noch mehr Geschäfte schließen müssen“, befürchtet sie. Viele ihrer Stammkunden seien aus dem Saarland gekommen, aus Homburg und Saarbrücken, aber auch aus Grünstadt und der Vorderpfalz. „Die sehen das Positive“, sagt sie. Helfen könnte eine Werbekampagne, die die guten Seiten der Einkaufsstadt herausstellt, meint sei.

Mehr Anreize für Kunden schaffen

„Wir haben noch viele kleine inhabergeführte Geschäfte, aber das wird zu wenig wahrgenommen.“ Gut würde sie es finden, wenn die Stadt etwas tun würde, um sich mit kreativen Ideen von anderen Standorten abzuheben. „Samstags freies Parken anzubieten, das wäre gut. Und warum lassen wir nicht wie schon einmal diskutiert ein kostenloses Shuttle im Ringverkehr fahren?“ Es reiche nicht, immer nur mit Digitalisierung punkten zu wollen. Zumal so viel da noch nicht passiert sei. Eine Infostele, die während der Bauzeit auf dem Schillerplatz von KL.digital aufgestellt werden sollte, sei nie realisiert worden. Es dürfte auch mehr Grün in der Stadt sein, sagt Platz-Domin. Kleine Bäumchen als Ersatz für die gefällten Platanen schafften noch keine Atmosphäre.

Aber sie will gar nicht auf die Stadtoberen schimpfen. Auch wegen der Baustelle am Schillerplatz mache sie der Verwaltung keine Vorwürfe. „Der Platz muss ja gemacht werden.“ Dass während des Weihnachtsmarktes dann gar keine Buden aufgestellt wurden, obwohl das möglich gewesen sei, empfinde sie aber als schade. Auch durch den Wegfall der Bushaltestellen haben sich die Laufwege verändert, betont sie.

Konkurrenz im Internet

Gabi Platz-Domin hört schon mit Wehmut auf, obwohl sie sich auf mehr Freizeit freut. „Wir haben mit dazu beigetragen, dass viele Menschen aus Kaiserslautern und Umgebung ihren Weg bequemer, komfortabler und stilvoller gehen konnten. Es hat mir immer viel Freude bereitet, für Kunden die passenden Schuhe zu finden und so für den perfekten Auftritt zu sorgen.“ Sie habe versucht, Nischen zu besetzen: „Wir haben Schuhe bis Größe 42 geführt, Schuhe für Einlagen.“ Das hätten viele geschätzt. Aber eben nicht genug. Generell, und das sei mit ein Hauptproblem, spielten aber Beratung und Qualität nicht mehr die Hauptrolle. „Tag für Tag kommen bestimmt 15 Schülerinnen rein und probieren Schuhe an. Danach bestellen sie dann im Internet. Und gegen die Internet-Riesen wie Amazon und Zalando haben kleine und individuelle Fachgeschäfte keine Chance.“ Da sei auch die Politik gefordert. „Die Leute bestellen Schuhe in drei Größen, der Rückversand ist kostenlos. Zu uns kommen sie dann, wenn sie Schnürsenkel kaufen wollen.“

Platz-Domin hat auch Schuhe im Internet angeboten. „Aber bei einer Rücklaufquote von 58 Prozent ist damit kein Geld zu verdienen, weil ich auch die Portokosten trage.“ Wichtig wäre die Erkenntnis, dass der Fachhandel vor Ort auch Service bietet, wenn beispielsweise eine Naht aufgeht oder sich eine Öse löst. Und dass die Innenstädte veröden, wenn online bestellt wird. Die Höhe der Miete habe bei ihrem Entschluss, aufzuhören, keine Rolle gespielt. „Im Gegenteil. Das war ein gutes Miteinander.“

Den Schillerplatz hat sie immer gemocht. „Es ist eine besondere Ecke, die Flair hat. Wenn im Sommer die großen Marktschirme aufgespannt sind und der Brunnen plätschert, hat das immer ein bisschen was von Urlaub.“

Urlaub hatte sie als Selbstständige eher wenig. Das soll sich jetzt ändern. Die Geschäftsfrau wechselt ins Angestelltenverhältnis, wird künftig im Sanitätshaus Ank tätig sein.

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