Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Auftakt zum „Summer in the City“

Das saarländische Sextett Kim gab den Startschuss zum „Summer in the City“ in Landstuhl.
Das saarländische Sextett Kim gab den Startschuss zum »Summer in the City« in Landstuhl.

Die Band Kim aus St. Wendel gab zum Auftakt der Konzertreihe „Summer in the City“ vor der Stadthalle Landstuhl ihr Bestes. Obwohl bei dem Sextett einiges etwas anders war.

Auch Saarländer entdecken das faszinierende Element im verschroben-verschraubten Rock, Pop und Soul der 1980er Jahre. Bei Kim mögen sie es, wenn es nach früher klingt. Dabei setzen die Musiker auf Dramatik statt auf Dramaturgie. Johannes Schiers E-Gitarre hallte ein paar Heldentöne in die Welt, Conny Petrovics Bass und Stefan Dausends Schlagzeug allerdings legten bei dem Opener „Overdrive“ des französischen DJ-Duos Offenbach mit der amerikanischen Sängerin Norma Jean Martine los wie die Feuerwehr. Als käme es wie beim 100-Meter-Lauf darauf an, wer als Erster durchs Ziel rennt.

Ein äußerst spielfreudiger Power-Pop-Garagen-Rock war das. Ansonsten setzten die Musiker auf Titel aus den 1980er Jahren wie „Born to be alive“ des Franzosen Patrick Hernandez, „Ain’t no doubt“ von Jimmy Neal oder „Give it up“ der amerikanischen Disco- und Funkband KC and the Sunshine.

Kim: fast ein Familienunternehmen

Ungewöhnlich war auch, dass mit Angela Rita Matheis, Silvia Rita Petrovic und Thomas Müller gleich drei Vokalkünstler an der Front standen. Mit Silvia und Conny Petrovic sowie Angela Rita Matheis, der Tochter von Silvia, ist die Band ein halbes Familienunternehmen. Kein Wunder, dass die Vokalisten auf hohem Niveau agierten und bestens aufeinander eingestellt waren.

Mutter Silvia ist nicht nur eine perfektionierte Rocksängerin, sondern mit ihrem hellen, klaren Sopran beherrscht sie auch Operette. Als Frontfrau war sie nicht nur bei verschiedenen Größen im Saarland, sondern sogar deutschlandweit aktiv. Bei solch musikalischem Elternhaus hat Töchterchen Angela die Musik natürlich mit der Muttermilch aufgesogen. Mit ihrer charismatischen souligen Stimme wurde die quirlige Sängerin bald zum Publikumsliebling, zumal sie nicht selten durch die Reihen der sehr überschaubaren Publikumsmenge tänzelte.

Ein singender Frisör

Als eindrucksvoller Frontmann präsentierte sich auch der „singende Frisör“ Thomas Müller. Mit seiner satten Stimme, die von einer Stahlbürste aufgeraut scheint, wusste auch er für Faszination und Funken zu sorgen. Nicht nur in „Shout“ der britischen New-Wave-Band Tears for Fears oder „Come back and stay“ von Paul Young überzeugte er mit seiner ekstatischen Stimme, dem charakteristischen „Overdrive“ und seiner ungekünstelten Intensität. Ansonsten sublimierten die drei ihren musikalischen Ehrgeiz zu einem spannungsreichen Wechselspiel.

So agierte die Band immer mit Volldampf voraus und ohne Gnade. Bassist Conny Petrovic sowie Schlagzeuger Stefan Dausend mit seinen oft komplizierten Rhythmen sorgten für immensen Druck. Besonders Dausends Becken war hart swingend. Seine Snare schob den Gitarristen nach vorne, tanzte unter dessen Läufen und sorgte für den mitreißenden Groove.

Formidable Krachkunst

Freilich die Jaulklänge des Gitarristen Johannes Schier hatten eine sehr oberflächliche Brillanz. Ohne Erbarmen hackten diese drei Musiker die Takte klein, traktierten das Publikum mit stoisch hämmernden Riffs. Ruhige Balladen hätten zum Durchatmen verholfen, waren aber höchst selten anzutreffen.

Aber da war doch noch etwas. Da hörte man doch eine feine Melodie im Hintergrund, die weder vom Bass, noch von der Gitarre gespielt werden konnte.

Des Rätsels Lösung: Die Band sampelte bereits zu Hause die Melodien ihres Programms und spielte sie jeweils zum passenden Titel ein. Musik aus der Konservendose gewissermaßen. Und ein formidables Stück Krachkunst. Die Gefahr, dass die Zuhörer in ein Nickerchen fallen würden, bestand ganz und gar nicht.

Richtige Begeisterung wollte jedoch nur zuweilen aufkommen.

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