Kommentar Aufklärung sollte alle ansprechen

Noch vor wenigen Wochen war eine Impfpflicht bei deutschen Politikern tabu, jetzt stehen wir kurz davor. Dass nun wohl kein Weg mehr daran vorbeiführt, weil sich zu wenige Menschen impfen ließen, ist eigentlich ein Armutszeugnis für eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn genau das ist sie offenbar nicht: aufgeklärt. Wäre die Aufklärung erfolgreicher gelaufen, wäre keine Pflicht nötig. Überzeugen ist immer besser als verpflichten.
Warum gab es keine Kampagne wie damals zu Aids? Nicht alle Menschen sind mit wissenschaftlichen Erklärungen zu erreichen, aber vielleicht wären etliche mit Spots abgeholt worden à la „Tina, wat kosten die Kondome?“. Oder eingängigen, anschaulichen Videos sowie mehr Beratung. In sozialen Medien wäre die Verbreitung heute noch einfacher. Jetzt geht es nicht mehr ohne Pflicht. Denn eine Minderheit darf nicht die Freiheit der Mehrheit begrenzen.
