Kaiserslautern Auf zur Biberrutsche
Gesehen hat sie bisher noch niemand, aber die Spuren, die sie hinterlassen, sind eindeutig. Die Rede ist von Bibern, die sich in den Talauen des Mohrbachs in Ramstein angesiedelt haben. Eine Kindergruppe vom Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) will sich jetzt mit der Lebensweise dieser Tiere vertraut machen und hofft, einige Exemplare vor die Linse einer Wildtierkamera zu bekommen. Geplant ist auch eine „Biberstation“ mit Informationstafeln.
Biber sind nachtaktiv und verlassen ihren Bau erst bei einsetzender Dämmerung, um sich auf Futtersuche zu machen. Im Winter dienen die Rinde von Bäumen und deren Zweige als Nahrung. Die unter strengem Naturschutz stehenden Nagetiere verfügen über hervorragende Zähne und sind in der Lage, innerhalb einer Nacht bis zu 30 Zentimeter dicke Bäume zu fällen. Im Sommer ernähren sich die Vegetarier von den Pflanzen, die im Uferbereich wachsen. Auf den Fersen ist ihnen am Mohrbach jetzt eine Pfadfindergruppe vom Pfadfinderzentrum Stamm Kurpfalz Ramstein. Berthold Müller betreut die 20 „Wölflinge“, wie die Jüngsten unter den Pfadfindern genannt werden. Mit dem Anfang März gestarteten Naturschutzprojekt will er sie mit dem Verhalten der bei Kindern so beliebten Nager vertraut machen. „Bei unserer ersten Begehung hatten wir das Glück, dass es frisch geschneit hatte. Die breite Schwanzspur eines Tieres war im Schnee deutlich zu erkennen“, erinnert sich Müller, der die Biber bereits seit einem Jahr beobachtet. Deutliche Fressspuren an mehreren Bäumen wurden fotografiert und katalogisiert und in einem „Biberbuch“ festgehalten. Bei einer Begehung in der vergangenen Woche, an der auch Revierförster Michael Häffner teilnimmt, verweist Müller auf zwei Zugänge am Ufer, des an dieser Stelle etwa sechs Meter breiten Gewässers. Diese würden auch Biberrutsche genannt. Zahlreiche Bäume, teilweise im Wasser liegend, weisen deutlich frische Nagespuren auf. Mit fachmännischem Blick hat Revierförster Häffner festgestellt, dass es sich um Salweiden, eine Weichholzart, handelt. Das Gelände ist unzugänglich und dicht bewachsen. Auf der einen Seite ist der Uferbereich recht steil, auf der Gegenseite liegt ein Sumpfgebiet mit Schilfbewuchs. „Dort würde man bis zu einem halben Meter im Schlamm einsacken“, sagt Müller. Klarer Vorteil für die Biberpopulation, die sich hier von den Menschen ungestört entwickeln soll. „Natürliche Fressfeinde gibt es bei uns nicht. Gefahr geht höchstens von frei laufenden Hunden aus“, erklärt Müller und hofft auf das verantwortungsvolle Verhalten der Hundebesitzer. Bereits im Februar 2015 war Stefanie Venske vom Biberzentrum Rheinland-Pfalz auf das Bibervorkommen in Ramstein aufmerksam gemacht worden. „Wir erhielten eine Meldung und sind der Sache nachgegangen“, sagt sie. „Wir fragen immer gezielt nach, denn häufig wird der Biber mit dem Nutria verwechselt“, erklärt sie. Bei einer Begehung vor Ort entdeckte sie Fraßspuren an verschiedenen Gehölzen und einen Ausstieg am Bach. Daher bestand kein Zweifel, dass es Biber waren. Sie vermutete damals, dass sich dort eine ganze Biberfamilie aufhalten könnte. Seitdem sei der Fundort auf einer Karte auf der Internetseite des Biberzentrums RLP aufgeführt. Natürlich würden die Tiere nicht immer am gleichen Standort bleiben, würden häufig wandern, deshalb seien die Experten auf Sichtungsmeldungen angewiesen. Das Biberzentrum RLP hat seinen Sitz in Fischbach bei Dahn und wurde auf Initiative der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz gegründet. Unterstützt wird es vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz. „In Rheinland-Pfalz setzen wir auf die natürliche Wiedereinwanderung des Bibers, nicht auf Ansiedlungsprogramme. Die Tiere könnten entweder aus dem Saarland oder durch ein weit verzweigtes Flusssystem sogar über den Rhein eingewandert sein“, vermutet Venske. Das Biberzentrum freut sich über die Aktivitäten vor Ort und wird die Pfadfinder mit Informationsmaterial unterstützen.