Kaiserslautern Auf die Wohnqualität kommt es an
Er gilt als einer der herausragenden Konstrukteure Europas, dessen Wirken bis in die Neuzeit reicht. Zudem entstand die erste eigene Werkstatt im grenznahen Nancy. Die Rede ist von Jean Prouvé, dem gelernten Kunstschmied, dem mit Produktionstechniken richtungsweisende Architekturen gelangen. Derzeit bietet die Architekturgalerie der TU mit der Ausstellung „Vom System zum Haus“ einen exklusiven Einblick ins Werk des Franzosen.
Wie hat sie sich verändert, die Architekturgalerie. Ein dunkelbrauner Holzhausraum im Raum. Offene Durchgänge. Die Möblierung – Bauzeichnungen gleich – als geklebte Farbbänder auf Wand und Boden. Bis zum Treppenabgang ins Kellergeschoss, wo im Halbdunkel baumelnder Glühbirnen Hausmodelle auf Transportkisten sowie Katalogseiten an den Wänden Einblicke ins Wirken Prouvés gewähren. Alles, was zu sehen ist, initiierten, kreierten, montierten und demonstrieren nun Till Göggelmann und die Studenten seines Prouvé-Seminars am Lehrstuhl Stadtbaukunst und Entwerfen (Sbke). Doch warum überhaupt Prouvé? Sein Denken fasziniert einfach, sowohl pragmatisch als auch ästhetisch. Davon jedenfalls ist Göggelmann überzeugt. Die im Kern einfache Baukonstruktion, so der Diplom-Ingenieur, überzeuge mit ihrer Wandelbarkeit, mit den entsprechenden Geschichtserzählungen, wie, wo und als was sie architektonisch auf Bedürfnisse eingehe. Ob als Unterkunft für Flüchtlinge oder als Leichtbauweisen in tropischem Klima der Kolonialländer: Prouvés Ideen sind nicht nur durchdacht bis ins Kleinste, sie zielen bedingungslos auf Wohnqualität ab. Diese Tatsache steckt bereits im Ausstellungstitel „Vom System zum Haus“, der, anders ausgedrückt, so viel bedeutet wie: Ein System braucht niemals den Menschen, ein Haus dagegen bringt den Menschen in dessen System. Dieser Aspekt ist als zentrale Aussage im Holzhausraum angelegt: In der Mittigkeit des Baues stützt nicht nur das V-förmige Statikelement den Firstbalken. Vielmehr beherbergt das Innere der Öffnung nach unten einen imaginären Kaminplatz, das Wohnzentrum schlechthin. Steht letztlich dort nicht mehr als ein verbeulter Heizkörper, so konkretisieren eine Kaminbank und gestapelte Holzscheite die Absicht. Dieses Detail als eines der Exponate zu erkennen, bedeutet bereits weitestgehendes Verstehen des konstruktiven Denkens Prouvés. Und lässt den Besucher nachvollziehen, was bis in heutige Zeiten Gültigkeit bewahrt. Es ist die Funktion seiner konstruktiven Kompetenz, da Prouvé für Wohnqualität steht. Mehr noch. Prouvé entwickelte sein eigenes Möbeldesign, Motive und Phänomene, so Göggelmann, die sich als wohlmeinende und heimelige Wohnprinzipien entpuppen. Die Vernissage bereicherte der ehemalige Hochschulprofessor und ausgewiesene Prouvé-Experte Peter Sulzer aus Gleisweiler. Anhand einer Diaschau demonstrierte und erzählte der 83-Jährige die ganze Bandbreite technischer, mechanischer und architektonischer Aspekte in dessen Werk. Dabei kam auch das jeweilige Zusammenarbeiten mit Architekten zur Sprache, zu denen beispielsweise Le Corbusier oder Robert Mallet-Stevens zählen. Eine weiter Besonderheit war, dass sich der Konstrukteur stets mit neuesten Techniken beschäftigte, diese in fantastischen Zeichnungen wiedergab und nicht zuletzt zur Optimierung von Produktionsabläufen beitrug. Während der Ausstellungszeit dienen Fachbücher – unter anderem von Peter Sulzer – dazu, sich noch weitergehend mit dem Schaffen Prouvés zu beschäftigen. Eine äußerst interessante Ausstellung, die weit über den alltäglichen Tellerrand, sogar derer von Bauherren hinaus, blicken lässt. Ausstellung Bis 29. November in der Rosenstraße 2, donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr, sonntags von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung über info@architekturgalerie.org.