Kaiserslautern
Auf der Suche nach den verlorenen Bunkern: Wo es in Lautern früher Schutzräume gab
Putins Angriffskrieg auf die Ukraine hat das Thema Krieg auf einen Schlag ganz nah an Deutschland geholt. Und gerade in der Westpfalz mit der Airbase bei Ramstein und den US-Kasernen in Kaiserslautern hat der Überfall eine besondere Bedeutung. Wie schon Anfang März berichtet, gibt es in ganz Rheinland-Pfalz nur wenige Bunker in öffentlicher Hand – und keiner davon funktioniert. Auf Anfrage der RHEINPFALZ haben sich die Referate Grünflächen, Umweltschutz, Stadtentwicklung, Gebäudemanagement und das Stadtarchiv auf die Suche gemacht.
Wer von Westen her durch die Pariser Straße nach Kaiserslautern fährt, der dürfte die imposanten Bauten bei den neuen Lebenshilfe-Gebäuden kennen. Die sogenannten Spitzbunker in der Pariser Straße sind laut Verwaltung als Kulturdenkmäler unter Schutz gestellt und befinden sich in Privatbesitz. „Inwieweit sie noch ihrer ursprünglichen Funktion dienen, ist uns leider nicht bekannt“, sagt eine Sprecherin des Rathauses. In einem RHEINPFALZ-Artikel von 2018 ist zu lesen, dass die „Betonzigarren“ Platz für jeweils 250 Menschen boten.
31 Brauereikeller und Felsstollen
Im Stadtarchiv ist man auf das Buch „Der Raum Kaiserslautern im Luftkrieg“ von Eduard Hauptlorenz gestoßen. Darin sind für Kaiserslautern während des Zweiten Weltkriegs neun ehemalige Bierkeller, die zu Luftschutzanlagen ausgebaut wurden, 31 Brauereikeller und Felsstollen, die als Luftschutzräume oder Kommandostellen dienten, und acht sogenannte Splitterschutzunterstände aufgeführt. Eine beachtliche Menge. Die früheren Anlagen liegen laut Stadt fast immer unter privaten Gebäuden. „Hier ist die Stadt nicht für den Erhalt oder die Nutzung zuständig, sondern der jeweilige Eigentümer“, heißt es aus dem Rathaus.
Das Liegenschaftsamt steuert zur Recherche eine Zusammenfassung aus dem Jahr 1984 über bestehende Bunkeranlagen bei. Schon damals wird klar: Die meisten Räume, Keller und Stollen sind nicht mehr als Schutzraum zu gebrauchen. Oft werden die Anlagen als Lagerräume von Firmen genutzt oder die Eingänge sind längst zugemauert oder zugeschüttet. Die Größen variieren zwischen „zwei Räumen“ und einem „weit verzweigten und vollständig begehbaren Stollensystem (...) und Kammern von stattlicher Größe“.
Sandsteinstollen unter dem Kotten
In der Liste von 1984 nicht zu finden, dafür der Stadt bekannt sind beispielsweise die Sandsteinstollen unter dem Kotten. Die wurden laut Verwaltung zu Beginn der Planungen für die Gartenschau komplett leer geräumt, denn sie waren mit Abbruchmaterial zugeschüttet worden. Der Zugang war damals hinter den neuen Hochschulgebäuden in der Schoenstraße. Im Neumühlepark auf dem Gartenschaugelände gibt es nach Angaben der Stadt ebenfalls Stollen, der Zugang wurde mit einer Gittertür gesichert. Auf Nachfrage sagt Lebenshilfe-Geschäftsführer David Lyle mit Blick auf die Bunker auf dem Gartenschaugelände, dass deren Zugänge allesamt versperrt sind, und: „Wir haben keine Zutrittsmöglichkeiten und waren noch nie drin.“
„In der Zollamtstraße befindet sich ein weiterer Stollen im Bereich der ehemaligen Bahnfläche, der zugänglich ist oder zumindest war. Am Burggraben im Kaiserberghang befindet sich auch mindestens ein Stollen“, lauten weitere Ergebnisse der Bunker-Suche in der Stadtverwaltung.
Führung zu Stollen und Eiskellern
Und selbst die Tourist-Info hat zu der Recherche etwas beizutragen, wie eine Sprecherin des Rathauses erläutert: „Eine Führung bei der Tourist-Info beschäftigt sich mit den Stollen/Eiskellern in der Stadt, wo früher das Eis für die Bierbrauereien gelagert wurde. Diese Keller dienten während des Zweiten Weltkriegs oft als Schutzbunker.“
Die Stadt selbst unterhält übrigens keine Bunkeranlagen. Wie aber sieht es bei privaten Bauherren aus? Laut Referat Bauordnung sind in der Verwaltung keine Bauanfragen für private Bunkeranlagen im Garten bekannt.