Kaiserslautern Auf den Punk gebracht

Hat hier die Haare noch nicht schön: Ingo Knollmann.
Hat hier die Haare noch nicht schön: Ingo Knollmann.

Das gab es in der 25-jährigen Geschichte der Donots noch nie: Sänger und Frontmann Ingo Knollmann ließ sich während des Konzerts die Haare schneiden. Das war aber nur einer von vielen Höhepunkten des Quartetts aus Düren, das am Donnerstagabend im Kasino der Kammgarn auf seiner „Lauter als Bomben“-Tour von 600 Fans frenetisch gefeiert wurde.

Besucher aus der ganzen Region wollen die „lebende Legende“ – Headliner etlicher Festivals, Produzenten vieler Singles und Videos, ausgezeichnet mit Preisen und weit gereist auf Tour – erleben: viele aus dem Saarland, Trier, Mainz, Ludwigshafen, Mannheim. Und sie werden nicht enttäuscht. Schon beim Betreten der Bühne brandet Beifall auf, der sich bei den ersten Tönen zum Orkan steigert. Eike Herwig wirbelt und wummert auf seiner Rhythmusmaschine und liefert einen derart komplexen Rhythmusteppich, dass sich Jan-Dirk Poggemann mit seinem energetisch pulsenden und dröhnenden Bass dem Leadgitarristen anschließen kann. Der, Guido Knollmann, zerschreddert die Töne regelrecht auf seinen sechs Saiten mit seinem scharfkantigen Splitterspiel. Fünf echte Pyromanen. Sie brennen ein Feuerwerk nach dem anderen ab. Und die Stimmung, die ist ab den ersten Takten schon auf dem Siedepunkt. Von Null auf Hundert. Tausend Hände gehen in die Höhe und klatschen. In der Mitte des Saals, wo die Zuhörer einen Kreis gebildet haben, entsteht ein Hühnerhaufen. Da wabert und brodelt es. Kampftanzen. Wobei die Fans wie irrsinnig im Takt der Musik hüpfen und sich gegenseitig anrempeln. Immer wieder feuert sie Frontmann Ingo Knollmann an, stößt mit der Faust in die Luft, geht in die Knie, drischt dabei in die Saiten und kitzelt seine ungezügelte Wildheit bis zum Gehtnichtmehr raus. Hemmungslos zelebriert er sein Image als Punk-Rocker, in dessen Musik alle Frustrationen der Teens und angehenden Twens gespeichert sind. Dabei schraubt er seine flexible Stimme bis zum Rock-Crescendo hinauf, während er geschmeidig über die Bühne wirbelt und dazu ungeheure Luftsprünge vollzieht. „Wir kappen eure Propagandakabel“, singt er schrill. „Tanzen heut’ Nacht zu all den Störsignalen / Nein, unsere Köpfe könnt ihr niemals haben / Weil unsere Herzen lauter als Bomben schlagen.“ Vokale Blitzschläge teilt Knollmann dabei aus. „Weil Langeweile langsam langweilig wird, weil die Depression mich deprimiert, kann ich den Wald vor lauter Äxten nicht mehr sehen, und kein Problem wird zum Problem“, heißt es in „Gegenwindsurfen“. Die Donots machen nicht nur Punk um des Punks willen, sie protestieren gegen die AfD, erheben ihre Stimme für geflüchtete Menschen und sind Botschafter der von Bodelschwinghschen Stiftung Bethel. Diese Proteste schlagen sich in Songs wie „Ich mach da nicht mehr mit“ oder „Kein Mensch ist illegal“ nieder. Klar auf den Punkt gebrachte Sichtweisen sind das. Musikalisch machen die Songs auch etwas her. Mahnende Ohohoho-Chöre treffen auf toll arrangierten Rock, und die Fans singen nahezu jeden Song Wort für Wort mit. Dazu hüpfen 500 Fans zusammen mit den Musikern auf der Bühne wie die Hexen zur Walpurgisnacht. Banner werden hochgehalten, Hände recken in die Höhe und klatschen wie irrsinnig. Der Schweiß rinnt aus allen Poren. Schließlich kommt Ingo auf die Idee, sich die Haare schneiden zu lassen. Zufällig ist eine Friseurin im Publikum. Fans reichen sie weiter bis auf die Bühne. Wie von Zauberhand wird eine Haarschere gereicht, und Nena macht sich mitten unter den Fans ans Werk, während Ingo Knollmann inbrünstig weiter singt und die Fans wie wild um die beiden herumtanzen. Es geht auf und ab, hin und her, hoch und runter, und nach drei Stunden ist auch die letzte Bombe entschärft. Aber die Fans drücken auf „Repeat“ und fordern noch Zugaben. Eine tolle Performance liefern auch die Blackout Problems aus Ibbenbühren als Vorband ab. Auch Maritz Hammrich (Gitarre), Michael Dreilich (Drums) und Marcus Schwarzbach (Bass) traktieren ihre Instrumente ohne Unterlass und durchaus mehr als nur eine Vorband. Mario Radetzuky singt sich die Kehle aus dem Leib, hüpft auf der Bühne herum wie Rumpelstilzchen. Auch das lieben die Besucher und applaudieren ihnen frenetisch.

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