Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Arztpraxen haben teils ausgeklügelte Maßnahmen zum Schutz vor Infektion

Hier sollten derzeit nicht zu viele gleichzeitig sitzen: Wartezimmer beim Arzt.
Hier sollten derzeit nicht zu viele gleichzeitig sitzen: Wartezimmer beim Arzt.

Für den Notfall gerüstet: Seit sich Omikron auch bei uns immer stärker ausbreitet, sind Einrichtungen der kritischen Infrastruktur wie Polizei, Feuerwehr und Energieversorger in Hab-Acht-Stellung, um einsatzbereit zu bleiben. Direkt an der Corona-Front stehen Ärzte: Trotz teils sehr ausgeklügelter Schutzmaßnahmen schließt keine Praxis eine vorübergehende Schließung aus.

Masken, Desinfektion, Entzerrung und räumliche Trennung von Patienten so gut es geht: All diese Maßnahmen sind in den Arztpraxen seit Beginn der Pandemie gang und gäbe. „Das ist alles internalisiert, da gibt es nichts mehr zu verschärfen“, sagt denn auch Allgemeinmediziner Ulrich Frankenberger, Leiter des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Sein Kollege Jonas Fröhlich, Vorsitzender der Ärztlichen Kreisvereinigung, versucht Ansteckungen auch dadurch zu vermeiden, dass er ungeimpfte Patienten nicht mit geimpften zusammen im Wartezimmer sitzen lässt. Einen Test als Voraussetzung zu verlangen könne er nicht, „denn wir Hausärzte sind Primärversorger“. Trotz all der Vorsichtsmaßnahmen rechne er damit, dass er die Praxis, die er mit zwei Kolleginnen betreibe, mal zumachen muss. „Denn wenn, werden wohl alle angesteckt.“ Eine Gefahr sieht er durch Omikron für die vielen immunsupprimierten Patienten in der Praxis.

Diese Erfahrung hat Ulrich Frankenberger schon hinter sich, allerdings durch Delta: Im Dezember 2020, also noch vor der Impfung, hatte er sich infiziert. Da seine Frau ebenfalls Ärztin ist, „war ich zu Hause gut versorgt, habe täglich Infusionen von ihr bekommen“. Die Krankheit sei heftig gewesen, aber inzwischen sei er wieder komplett hergestellt, denkt er.

Allgemeinmedizinerin Regina Mayer-Berger bietet seit knapp zwei Jahren eine extra Corona-Sprechstunde an: Wie alle niedergelassenen Hausärzte wurde sie Mitte März von der Kassenärztlichen Vereinigung angeschrieben, ob ihre Praxis das öffentliche Gesundheitswesen freiwillig unterstützen wolle. „Seitdem ist täglich von 11 bis 12 Uhr Infektsprechstunde“, in der sie samt Helferin „komplett vermummt“ arbeite. Möglich sei diese Sprechstunde wegen der zwei getrennten Eingänge, so dass Infizierte nicht mit anderen Patienten zusammen kommen.

Ohne Unterbrechung laufe dieses Angebot; im Sommer seien etwas weniger gekommen, „doch seit Omikron quillt die Sprechstunde über“, merke sie die Auswirkungen dieser Mutante direkt. „Ich versuche die Patienten dann auf den nächsten Tag zu verlegen“, oder auch an eine Teststelle zu schicken. Dass inzwischen „90 Prozent der Infektionen Omikron ist“, wisse sie vom Labor, das einen Teil der Proben standardgemäß sequenziert.

Bei Erkältungssymptomen dürfe sie als Ärztin inzwischen auch Telefonsprechstunden abhalten und darauf Krankmeldungen bis zu sieben Tagen schreiben.

Dass ihr gesamtes Praxisteam, inklusive der Reinigungskräfte drei Mal geimpft sei, ist für Sie ebenso selbstverständlich wie für Mark Vongerichten. Als Zahnarzt kann jener die Patienten nicht mit Mundschutz behandeln und ist durch Aerosole deshalb besonders gefährdet. „Wir erfragen am Telefon, ob die Person geimpft ist“, berichtet er, „und bitten gegebenenfalls um einen Test.“ Zudem biete er in der Praxis auch Tests an. Verlangen dürfe er dies nicht, „aber die meisten sind vernünftig und kommen der Bitte nach“. Der Großteil der Patienten sei ohnehin geimpft. Trotzdem bekomme er mit, dass Fehlinformationen Menschen von Impfungen abhalten.

„Wir wären auch bereit, selbst zu impfen“; aber so schnell werde dies wohl nicht umgesetzt, befürchtet er. Er und sein Team teste sich wie vorgeschrieben zweimal pro Woche; „dennoch kommen wir wohl nicht drum herum, dass Omikron auch uns erwischt“, glaubt er, fürchtet wegen der Impfung jedoch keinen schweren Verlauf. Vielmehr findet er es „erstaunlich, dass wir uns noch nicht angesteckt haben: Aber wer weiß, vielleicht sind wir schon alle mehrfach nachgeboostert“.

Auch Kieferorthopäde Georg Zöller und seine vier Kollegen in der Gemeinschaftspraxis haben es in Pandemiezeiten besonders schwer. „Anfangs haben wir durchgängig mit FFP2-Maske und Gesichtsshield behandelt“, aber er habe dadurch Sauerstoffmangel bei sich bemerkt. Deshalb wechsle er jetzt zwischen FFP2- und OP-Maske, „denn wir sind, anders als Zahnärzte, nicht groß Sprühnebel ausgesetzt“.

Allerdings hat er bei einem Patientenanteil von „75 bis 80 Prozent im Alter von fünf bis 18 Jahren“ einen altersbedingt höheren Anteil ungeimpfter auf dem Behandlungsstuhl. „Wir messen bei allen an der Rezeption Fieber. Bei Betreten der Praxis werden die Hände desinfiziert. Und wir bitten alle, möglichst ohne Begleitperson zu kommen“, lauten die besonderen Schutzmaßnahmen in der Praxis. „Wegen fehlenden Impfschutzes dürfen wir keine Behandlung ablehnen“, macht Zöller klar.

Die selbst auferlegten Maßnahmen verursachen jedoch erheblichen Mehraufwand: „Für jeden jungen Patienten schreiben wir handschriftlich einen Elternbrief, in dem wir die Behandlung und Handlungsanweisungen für zu Hause genau erklären.“ Dennoch ergebe sich dazu noch weiterer telefonischer Beratungsbedarf, „weil nicht jedes Kind viel erzählt oder den Brief überhaupt weitergibt“.

Luftfilter seien schon lange Standard. Und die Wartezeit in der Praxis werde durch präzise gestaffelte Behandlungszeiten versucht so gering wie möglich zu halten. „Erscheinen trotzdem zum Beispiel mal fünf Kinder gleichzeitig, weil sie zusammen von der Schule kommen, bekommen sie einen Piepser in die Hand gedrückt, mit dem sie draußen warten und von ihm zur Behandlung alarmiert werden.“

Eine Aufteilung in drei feste Teams, die sich nicht begegnen, habe sich nicht bewährt: „Das haben wir nach der zweiten Welle abgeschafft, denn wenn einer krank ist, funktioniert es schon nicht mehr.“

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