Kaiserslautern
Arbeiten in den DiPro-Werkstätten: Individuell statt Achtstundentag
Stockwerk zwei des DiPro-Gebäudes in der Friedenstraße, morgens um kurz vor 10 Uhr. Hier ist die Montagegruppe 2 untergebracht. Auf mehreren Tischen stapeln sich Autofilter aus einem speziellen Vliesstoff von Freudenberg, in einem Kasten daneben liegen die dazu passenden Dichtstreifen, selbstklebend. An den Tischen wird konzentriert gearbeitet, der Filter wird auf eine spezielle Vorrichtung aufgespannt, damit er nicht verrutscht oder sich verbiegt, dann bringen die Werkstattbeschäftigten das Dichtmaterial so auf, dass nichts übersteht, es passgenau sitzt.
Die Menschen, die hier arbeiten, haben eine psychische Beeinträchtigung. Die Bandbreite ist groß, erklärt Jutta Fischer. Sie ist Betriebsstättenleiterin der DiPro mit ihren beiden Standorten in Kaiserslautern und in Ramstein-Miesenbach. „Das können Depressionen sein, Autismus, aber auch Schizophrenie“, nennt sie Beispiele. Die Krankheiten – Angst- und Zwangsstörungen, Psychosen oder posttraumatische Belastungsstörungen gehören ebenfalls in das Spektrum psychischer Erkrankungen – erschwerten den Menschen das Arbeiten im ersten Arbeitsmarkt. „Es sind oftmals gut ausgebildete Leute, die studiert oder eine abgeschlossene Ausbildung haben“, erzählt Fischer. „Aber auf dem ersten Arbeitsmarkt wird Pünktlichkeit erwartet, dass man sich an Vorgaben hält, acht Stunden jeden Tag arbeiten kann“, führt sie aus. Das sei aber für viele psychisch beeinträchtigte Menschen nicht zu leisten. „Wir schauen dann nach individuellen Lösungen, damit die Leute arbeiten können, mit Spaß dabei sind und gefördert werden“, ergänzt sie.
Seit 2000 in Kaiserslautern
Jan Löffler, Leiter der Westpfalz-Werkstätten, erklärt, dass es um die individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes und Einsatzbereichs gehe, „bei uns stehen Qualifizierung und Teilhabe der Menschen im Vordergrund, nicht das Null-Fehler-Prinzip“. Die Beschäftigten der DiPro erfüllen dennoch viele Aufträge für Industrieunternehmen.
Die Abkürzung „DiPro“ steht für Dienstleistung und Produktion. Die Einrichtung ist Teil der Westpfalz-Werkstätten. Träger ist das Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz. Insgesamt etwa 63 bis 65 Werkstattbeschäftigte arbeiten in der Friedenstraße. „Dazu haben wir auch viele Leute auf Außenarbeitsplätzen und in Praktika“, berichtet Fischer. Sie helfen beispielsweise bei der Pflanzenpflege einer Firma oder bei der Reinigung der Litfasssäulen der Stadt. Die DiPro in Ramstein mit 94 Arbeitsplätzen wurde bereits 1988 eröffnet, der Kaiserslauterer Standort folgte 2000.
Qualifizierung als wichtiger Baustein
Im zweiten Stock sind unterdessen die nächsten Filter fertig. Sie kommen später in der Autoindustrie zum Einsatz. In einem Nebenraum sind zwei Frauen gerade damit beschäftigt, Montagematerial – Schrauben, Unterlegscheiben und Muttern – für Windkraftanlagen nach Vorgabe des Kunden zu verpacken. Ware auspacken, sortieren, abzählen, bereitlegen, in Tütchen verpacken, verschweißen – so kommt nach und nach das bestellte Material auf eine Palette und wird dann ausgeliefert. „Eine Arbeit, bei der man sich sehr gut konzentrieren muss. Die fertigen Tüten gehen mit dem Monteur rauf auf das Windrad. Da darf dann nicht irgendwas fehlen, sonst ist es zusätzlicher Aufwand und es sind zusätzliche Kosten für die Firma“, erläutert Fischer. Die Endkontrolle erfolgt in den Werkstätten der DiPro.
Neben dem Speisesaal sitzen in einem weiteren Raum fünf Leute beieinander. „Wir sind hier im Berufsbildungsbereich, ein eigenständiger Bereich, in dem die Leute für den ersten Arbeitsmarkt qualifiziert werden sollen“, erklärt Betriebsstättenleiterin Fischer. Nach einer dreimonatigen Eingangsphase haben die psychisch erkrankten Menschen zwei Jahre Zeit, in denen sie „herausfinden können, welche Beschäftigung, welche Aufgabe zu ihnen passt. Wir haben die Möglichkeit, dass sie bei uns auch Praktika machen, zum Beispiel in unserer Schreinerei in Siegelbach, aber auch in Betrieben“, erläutert Fischer. Zudem sei hier wie bei den Werkstattbeschäftigten auch die Persönlichkeitsförderung ein weiterer wesentlicher Aspekt. Schulungen werden im Berufsbildungsbereich angeboten, Computerkurse oder Sprachangebote genauso wie Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
Viele Angebote in der Westpfalz
Die Westpfalz-Werkstätten, eine Einrichtung der beruflichen und sozialen Integration für Menschen mit psychischen, geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen, haben ihren Hauptsitz in Landstuhl. Sie feiern in diesem Jahr 40. Jubiläum. Alleine in Landstuhl verfügen die Westpfalz-Werkstätten nach Angaben von Jutta Fischer über etwa 320 Arbeitsplätze. Dazu kommt die Betriebsstätte in Kaiserslautern, das Hofcafé Langenfelderhof in Mackenbach, das Bistro Stellwerk in Weilerbach, das Kaiserslauterer Jobwerk, das 2004 eröffnete Logistik- und Dienstleistungszentrum in Landstuhl, die Tagesförderstätte in Ramstein-Miesenbach sowie die DiPro für psychisch Beeinträchtigte.