Kaiserslautern
Angelika Wende aus Kaiserslautern war eine der letzten Ansagerinnen des ZDF
Ihr Name: Angelika Wende, geborene Kallmayer, 1959 in Kaiserslautern zur Welt gekommen. In ihrer Heimatstadt war sie Verkäuferin und zeitweilig Geschäftsführerin eines Modegeschäfts. In Mainz studierte sie Germanistik und Literatur, in München machte sie eine Sprechausbildung. Schließlich landete sie beim neu eingerichteten Fernsehsender Pro7 als Sprecherin.
„Ich wurde unter über 2000 Bewerberinnen genommen, obwohl ich schon 30 Jahre alt war“, erinnert sich Angelika Wende. Zunächst noch unter ihrem Mädchennamen Kallmayer führte sie durchs Programm des Münchner Unternehmens, das mit Jahresbeginn 1989 auf Sendung ging. Zwei Jahre später wechselte sie zum ZDF auf den Mainzer Lerchenberg. Dort blieb sie 13 Jahre, unter anderem auch als Sprecherin der „Heute“-Nachrichten.
Die „Damen ohne Unterleib“ wurden belächelt
Ansagerinnen, die vor Beginn jeder Sendung eine kurze Einführung gaben, waren im Fernsehen gang und gebe. Bereits in den allerersten Versuchssendungen der 1930er Jahre erschienen auf dem Bildschirm hübsche Damen, die mit Charme und Lächeln durchs Programm führten. Da nur ihre obere Körperhälfte zu sehen war, wurde die kleine Schar der abwechselnd eingesetzten Sprecherinnen bald als „Damen ohne Unterleib“ belächelt.
Doch ihre Popularität war beträchtlich, da sie via Bildschirm tagtäglich im Wohnzimmer der Zuschauer zu Gast waren. Wer in den 1960er und 1970er Jahren ein Fernsehgerät besaß, kennt bis heute die Namen von Irene Koss, Ursula von Manescul, Annette von Aretin, Ruth Kappelsberger, Hilde Nocker, Hanni Vanhaiden, Birgit Schrowange, Elke Kast, Mady Riehl und der aus Neunkirchen/Saar stammenden Claudia Doren.
Die Digitaltechnik verdrängte die Ansagerinnen
1959 empörten sich Moralhüter, weil sie bei der damaligen Sprecherin Angelika Feldmann eine allzu heftig „erotisierende Wirkung auf Männer“ ausmachten. Die dritten Programme gaben den Ansagerinnen dann Gelegenheit zu längeren Moderationen, die etwa die Mannheimerin Elsbeth Janda für geistvoll-amüsante Plaudereien nutzte. In den Dritten kamen auch männliche Kollegen wie Dénes Törsz und der Hauensteiner Franz-Werner Seibel zum Zuge.
Erst mit Einführung der Digitaltechnik wurden die Ansager(innen) vom Bildschirm verdrängt. Die Privatsender strichen die verbindenden Moderationen zugunsten zusätzlicher Werbezeit und setzten stattdessen auf vorproduzierte „Trailer“-Filme. Ab den späten 1990er Jahren zogen die öffentlich-rechtlichen Anstalten nach und beschränkten die gewohnten Ansagen aufs Abendprogramm. Der Protest von Zuschauern, die auf die lieb gewonnenen Gesichter nicht verzichten mochten, blieb ohne Folgen.
Angelika Wende machte vor 20 Jahren die letzte Ansage im ZDF
Im Programm des ZDF trat zum letzten Mal am 30. April 2000 eine Ansagerin auf. Es war Angelika Wende, die an jenem Sonntagabend den Spätfilm „Harold und Maude“ präsentierte. Vom Sender sei sie „auf unterirdische Weise verabschiedet“ worden, sagt sie rückblickend. „Ich bin heute noch sehr enttäuscht.“ Und weiter: „Das Thema ist für mich durch.“
Eine Neubeschäftigung fand sie zunächst als Glücksfee, die im Wechsel mit Heike Maurer und Claudia Melters im ZDF die „Tagesmillion“ der Nordwestdeutschen Klassen-Lotterie präsentierte. Anfang 2004 hatte sie einen schweren Autounfall, in dessen Folge sie sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückzog.
Vom Fernsehen in die eigene Praxis
Nach ihrer Genesung studierte sie Homöopathie und ließ sich zur psychologischen Beraterin ausbilden. Seit acht Jahren arbeitete sie in einer eigenen Praxis in Wiesbaden als Coach und Sprechtrainerin, ist Dozentin an der Freien Kunstschule Wiesbaden, gibt Seminare über „Selbstwert und Selbstverwirklichung“.
„Kein Urteil hat weitreichendere Folgen als das, welches wir selbst über uns fällen“, sagt sie. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Wahrheit über uns selbst kennen. Und das bedeutet im ersten Schritt, unsere Überzeugungen über uns selbst zu überprüfen.“ Auf ihrer Internetseite umschreibt sie diese Thematik mit den Fragen: „Wer bin ich? Wie geht es weiter? Was kann ich verändern, damit es mir besser geht?“
Angelika Wendes erwachsener Sohn lebt als Musiker in Berlin, in Kaiserslautern hat sie noch den Bruder. Sie sagt von sich, sie sei „in Krisenzeiten immer allein“ gewesen. Im Internet hat sie, die sich auch als Malerin betätigt, einen eigenen Blog. In diesen Tagen, da so viele Menschen überraschend auf sich selbst zurückgeworfen sind, ist ihr Rat gefragter denn je.