Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Amerikanisches Country-Duo im Salon Schmitt

Country einmal anders: Alexandra und C.T. Fields aus Nashville/Tennessee.
Country einmal anders: Alexandra und C.T. Fields aus Nashville/Tennessee.

Für ein gutes Konzert braucht man nicht unbedingt eine große Bühne und umfangreiches Equipment. Wenn die Künstler ordentlich was drauf haben, geht das auch in kleinerem Rahmen. So wie am Freitagabend, als das amerikanische Country-Duo Willow Hill – musikalisch erstklassig und ungemein sympathisch – zu Gast im lauschig-kleinen und bis auf den letzten Platz besetzten Salon Schmitt war.

Willow Hill, das ist das musikalische Ehepaar Alexandra und C.T. Fields, beide aus Nashville/Tennessee, dem historischen Epizentrum der Countrymusic. Das lässt schon mal große Erwartungen zu. Die wurden noch dadurch vergrößert, dass dieses Konzert unter der Ägide der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes stattfand. Man schickt schließlich keine wenig befähigten Vertreter unter dem Reihen-Motto „Sounds of America“ auf die Bühnen, um die transatlantischen Beziehungen zu pflegen. Und in der Tat: Das Publikum im dicht besetzten Salon Schmitt – alle Plätze waren innerhalb kürzester Zeit vergeben – zeigte sich zu Recht begeistert von der markanten, individuell geprägten Musik der beiden Künstler.

Dabei präsentierten Alexandra (Keyboard, Gesang) und ihr Ehemann C.T. (Gitarre, Gesang) gar keinen „richtigen“ Countrysound, wie man ihn vielleicht klischeehaft mitten aus Tennessee erwartet hätte. Vielmehr klang er ein wenig so wie die meist im Vordergrund stehende Alexandra Fields ihre Haare trägt: nicht ganz alltäglich und angenehm auffallend. Es ist eine satte Melange aus durchaus „klassischem“ Country als tragender Basis, über der sich neue (unter anderem rockig-poppige) Elemente mit bisweilen recht persönlichen Texten zu einer runden Einheit verbinden. So entstand etwa das berührende „Brick and Mortar Man“, ein emotionaler Song über Alexandra Fields’ Vater, der durch die sonore Singstimme der Künstlerin noch buchstäblich zusätzliche Tiefe bekam. Weiter gab es neu inszenierte Versionen von altbekannten Genre-Klassikern (Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ zum Beispiel), Rockiges aus dem Songfundus ihrer stilistisch härteren Alter-Ego-Formation Lovebettie und als deftig-spektakuläre letzte Zugabe gar eine in der Dynamik dem Original wenig nachstehende Adaption von „Proud Mary“. Alles hatte einen besonderen Flair, saß in jeder Note, traf den Nerv der Zuhörer.

Hohe Energiedichte

Das Erstaunliche war dabei, dass das Duo jeder Anforderung sowohl in den eher wilden als auch den mehr balladesken Stücken selbst in dieser kleinen Besetzung gerecht wurde. Die bis auf wenige Ausnahmen nur von Gitarre und Keyboard begleiteten Songs entfalteten nahezu immer eine bemerkenswerte musikalische Fülle mit hoher Energiedichte und Aussagekraft. Und das, obwohl sich das Duo zurzeit auf einer anstrengenden Tour quer durch Europa befindet: Einen Tag vor diesem Auftritt war man noch in Venedig, in dieser Woche spielt man schon in England. Von Müdigkeit oder Überdruss indes war bei dem Künstler-Ehepaar im Salon Schmitt nicht das Geringste zu spüren.

Die Kunst des Duos

Überhaupt war nicht nur die reine Kunst des Duos auf hohem Niveau, sondern auch dessen Auftreten, die Atmosphäre insgesamt. Da stimmte die Chemie zwischen Publikum und Paar. Mehrmals versicherte Alexandra Fields, dass man sich hier sehr wohl fühle, und die Zuhörer ihrerseits honorierten die Darbietungen (inklusive unterhaltsamer Ansagen) mit reichlich Applaus, sangen manche Partien sogar laut mit. Nach dem Konzert sah man die beiden sich noch lange mit Besuchern angeregt unterhalten und Autogramme schreiben.

Ein schöner Erfolg also. Und eine gute Wahl für das avisierte Ziel dieses in jeder Hinsicht verbindlichen und verbindenden Konzerts, das im Übrigen ohne Eintritt angeboten werden konnte. Selbst wer keine Gelegenheit zum Live-Besuch gehabt haben sollte, ging nicht ganz leer aus, denn man hatte vor Ort an professionelle Aufzeichnung und Streaming gedacht. So geht Publikumsnähe und Fanservice auf und neben der Bühne.

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