Tischtennis RHEINPFALZ Plus Artikel Als der WTTF Ramstein-Miesenbach ganz groß war

Trat damals für die WTTF Ramstein-Miesenbach in der Zweiten Bundesliga an: Jörg Bitzigeio, später deutscher Damen-Bundestrainer
Trat damals für die WTTF Ramstein-Miesenbach in der Zweiten Bundesliga an: Jörg Bitzigeio, später deutscher Damen-Bundestrainer und Sportdirektor beim amerikanischen Tischtennisverband.

Ans Tor zur 1. Bundesliga klopfte die WTTF Ramstein-Miesenbach. Die Westricher Tischtennis-Freunde waren bis zum Jahr 2006 einer der prägenden Tischtennisklubs im Südwesten von Deutschland. Der Verein erlebte einen rasanten Aufstieg, der erst in den Neunzigern begann.

Der TV Ramstein-Miesenbach war der Kern des später ebenfalls im Ort ansässigen WTTF. „Der TV wollte die Ziele einiger Tischtennisspieler damals nicht mitgehen“, erzählt Peter Stephan, eines der Gründungsmitglieder der WTTF. Die treibenden Kräfte damals neben einem der Finanzgeber, Michael Washeim, waren Berthold und Uwe Leitheiser. „Michael Washeim war das Zugpferd. Er war auch der Präsident“, erzählt Stephan. Die Ziele der neuen Ramsteiner Tischtennisabteilung waren allen voran, Tischtennis auf hohem Niveau zu zeigen. Dass dabei später sogar bis ans Tor zum Bundesliga-Oberhaus geklopft wurde, war zuerst noch Utopie.

Spitzenspieler kommen

Der Verein startete 1995 gerade neu gegründet in den Pfalzligen und war schon im Jahr 2000 in der 2. Bundesliga angekommen. „In den Neunzigern ging es los. Der Verein wollte dann mehr. Wir hatten immer Spieler aus dem Osten, aus Tschechien oder Bulgarien geholt“, fügt Stephan, der heute selbst noch beim SV Mörsbach in der 2. Pfalzliga West spielt, an. Bekannte Tischtennisgrößen fanden den Weg zu den Tischtennisfreunden aus Ramstein.

Jörg Bitzigeio, später auch deutscher Damen-Bundestrainer und Sportdirektor beim amerikanischen Tischtennisverband, fand gleich zweimal den Weg in die Südwestpfalz. Hinzu kamen Spieler wie der Schwede Jamie Lindqvist, teils auch Spitzenspieler der WTTF, Xue Xin Wang, sowie die Griechen Dimitris Papdimitriou und Panagiotis Gionis.

Der Star in Ramstein

„Wegen Gionis sind die Leute in Scharen in die Halle gekommen“, erzählt Stephan. Der griechische Abwehrspieler, mehrfacher griechischer Meister, der auch dreimal an den olympischen Spielen teilnahm und x-fach bei Weltmeisterschaften am Start war, war einer der bekanntesten Akteure in den Reihen der Ramsteiner. Aber auch junge Talente aus der Pfalz wie Sven Müller und Robert Lakman fanden ihren Platz im Kader. „Das ist ähnlich wie jetzt bei der TSG Kaiserslautern“, sagt Stephan zum Einsatz der jungen deutschen Talente.

Doch woher kamen die Akteure aus dem Ausland? „Michael Washeim ist damals einfach zur Weltmeisterschaft gefahren“, berichtet Stephan. So seien Flüge zu kontinentalen Meisterschaften keine Seltenheit gewesen, um anschließend mit Spielerverträgen zurückzukommen. „Er hat die Spieler damals nach den Spielen einfach angesprochen“, erklärt Stephan die Vorgehensweise eines der WTTF-Macher.

Der Rückzug

Ramstein spielte ein gute Rolle in der 2. Bundesliga, bis dann Anfang 2006 der Rückzug verkündet wurde. „Als Grund für diesen überraschenden Schritt nannte Uwe Leitheiser, Präsident des WTTF, den Konkurs, beziehungsweise den Rückzug von Sponsoren. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei keine andere Entscheidung möglich gewesen“, wurden die Verantwortlichen des Ramsteiner Tischtennisvereins von Seiten des Deutschen Tischtennisbundes zitiert. „Es war damals zu viel für unseren Verein. Es gab dann auch viele Vorgaben, als es im Raum stand, in die 1. Bundesliga hochzugehen. Die Startgebühr betrug damals etliche Tausend Euro. Uns hat auch die Infrastruktur gefehlt“, fügt Stephan an.

Von 0 auf 100

Doch kann jeder einen Verein von Null auf 100 in die Höhe pushen? „Es ging damals mit etlichen Sponsoren, auch mit privaten. Vereine die hoch wollen, bekommen bei entsprechender Bezahlung gute Leute. So sei es auch heute mit vorhandenem Kleingeld durchaus möglich, einen Verein aus einem kleinen Dorf bis hin zum Bundesliga-Oberhaus hochzuziehen. „Ich bin aber kein Freund vom bezahlten Tischtennis für kleine Dorfvereine. Das geht meistens in die Hose. Für Großvereine ist das etwas anderes“, sagt Stephan und verweist auch auf Beispiele aus Landau und Haßloch, wo die Tischtennisklubs ebenfalls scheiterten. Wichtig sei es aber insbesondere, einen entsprechenden Mäzen vorweisen zu können, und auch die Hallenkapazität müsse vorhanden sein.

Kleinere Brötchen

Nach der großen Zeit ging es dann unter anderen Vorzeichen weiter. „Nach dem Rückzug wurden dann kleinere Brötchen gebacken. Wir haben uns dann in die Bezirksliga zurückgezogen“, erzählt Stephan, der auch als Hallensprecher der WTTF tätig war. 2017 habe er, der ununterbrochen in der Vorstandschaft des Vereins war, dann den Verein liquidiert. Die verbliebenen Akteure schlossen sich dem TT Ramstein-Miesenbach an. „Ich trauere der Zeit nicht nach“, fügt Stephan anschließend an.

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