Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel All my Shadows sind das Kind von Vanden Plas

Drei Fünftel von Vanden Plas sind in der neuen Band All my Shadows dabei: von links Andreas und Stephan Lill, Andy Kuntz, Markus
Drei Fünftel von Vanden Plas sind in der neuen Band All my Shadows dabei: von links Andreas und Stephan Lill, Andy Kuntz, Markus Teske und Frank »Franky R.« Rummler.

Phantome in der Morgenröte Wege entstehen bekanntlich, indem man sie geht. Das gilt auch für neue Pfade neben lange beschrittenen Straßen der Musik. Die langsam auf ihr 40. Bühnenjubiläum zusteuernde Band Vanden Plas nimmt nach erfolgreichen Jahren auf der Progressive-Rock-Autobahn eine gut erreichbare Ausfahrt in etwas andere musikalische Gefilde.

Das alte neue künstlerische Gefährt, das zu drei Fünfteln aus Vanden-Plas-Mitgliedern besteht, trägt den Markennamen All my Shadows. Hörbares Ergebnis ist das jetzt erscheinende Debüt-Album „Eerie Monsters“. Die Vorgeschichte des Quintetts All my Shadows ist nicht allzu spektakulär. Vanden-Plas-Gitarrist und Komponist Stephan Lill - ein erklärter Fan des Rock der 1980er Jahre - trug sich schon länger mit der Idee, seine immer mal wieder auch in jenem Stil erscheinenden (und damit nicht direkt zu Vanden Plas passenden) Stücke in einem anderem Zusammenhang zu veröffentlichen.

Die Corona-Zeit forcierte das Vorhaben. Als Sänger fürs vorhandene Material war rasch Band-Kollege Andy Kuntz ausgemacht. Demo-Aufnahmen fanden alsbald ihren Weg zur Plattenfirma und Vanden-Plas-Produzentin Frontiers Records, die sich begeistert zeigte.

Unheimliches an stillen Wassern

Als klar war, dass hier etwas Gutes, Eigenes und Erfolgversprechendes im Entstehen war, suchte man nach geeigneten Mitmusikern. Man fand sie in Stephan Lills Bruder und Vanden-Plas-Schlagzeuger Andreas, in Bassist Frank Rummler sowie dem Keyboarder und Toningenieur Markus Teske - allesamt versierte und erfahrene Instrumentalisten.

Spektakulärer als die Entstehung ist das jetzt vorgelegte Album. Neun Titel sind es geworden, für jeden einzelnen lohnt sich der Kauf des Tonträgers. Schon der Opener „Silent Waters“ hört sich nach dem zurückgenommenen ersten Teil eher wie ein brachialer Wildwasser-Strudel an. Das dazugehörige, in der Lauterer Pfalzgalerie aufgenommene Video ist im Übrigen nicht nur licht- und stimmungstechnisch sehenswert.

Phantome in der Morgenröte

Dann gibt es das (auch) vom Keyboard getragene und getriebene, am Schluss von pointierten Gitarren-Treibsätzen gespickte Stück „Syrens“, das massive Sieben-Minuten-Brett „Wolverinized“ und das eruptive „The Phantoms of the Dawn“. Von Letzterem gibt es gleichfalls eine knackige, ziemlich heftig bewegte und bewegende Video-Umsetzung.

Eine Ausnahme auf dem Album stellt das intensive, über weite Strecken äußerst ruhige und erst zum Schluss mit choralen Passagen sich ins Hymnenhafte bewegende „Farewell“ dar. Bei Live-Konzerten dürfte es bei diesem Titel ein wahres Feuerzeugmeer geben. Den massigen, ebenfalls von überraschend ruhigen Phasen durchbrochenen Schlusspunkt setzt das stellenweise arg verwinkelte, aber gerade deshalb zu intensivem Hinhören und Nachspüren animierende „All my eerie Monsters“.

Keine Sorge: Vanden Plas besteht weiter

Alle Nummern klingen irgendwie nach Vanden Plas und Prog-Rock. Das liegt vor allem an Andy Kuntz’ markanter Stimme. Zugleich hören sie sich auch wieder ganz anders an, nämlich wie 1980er-Jahre-Hardrock mit einem guten Metal-Anteil und einem im Vergleich zur Quellen-Band inhaltlich leicht abgedunkeltem Duktus, wie ihn ja bereits der Bandname andeutet.

Eine sichere Gratwanderung ist das. Es konnte in dieser Form nur einer fähigen Band, nur erfahrenen Künstlern mit hoher Technik und profunder Stilkenntnis gelingen. Keine Sorge übrigens: Den soliden, von purer musikalischer Energie angetriebenen Straßenkreuzer namens Vanden Plas wird es als Band natürlich auch weiterhin geben. Der schnittige Seitenwagen mit der Typenbezeichnung All my Shadaows wird aller Voraussicht nach – und nach diesem gelungenen Debüt zumal – noch lange auf der neu eingefahrenen Strecke mitfahren.

Info

Das erste Album „Eerie Monsters“ von All my Shadows erscheint an diesem Freitag. Es ist über die üblichen Internetportale zu beziehen.

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