Mein erstes Spiel
Alexander Beuerles Gänsehautmomente auf dem Betze
Kurz nach seinem achten Geburtstag ging Alexander Beuerle, damals mit seinem Vater Jürgen, zu seinem ersten Spiel als Zuschauer – gegen den Rekordmeister, den großen FC Bayern München. Der Mitarbeiter des FCK, der früher auch beim Südwestdeutschen Fußballverband beschäftigt war, hat gleich das Spiel der Spiele auf dem Betzenberg erwischt.
Die Trainerikone
„Wir waren vor dem Spiel noch auf einem Fest in Kaiserslautern“, schwelgt Beuerle in Erinnerungen und sinniert über die Stars aus damaligen Tagen, die sich in beiden Teams tummelten. Otto Rehhagel, die Trainerikone, saß auf der FCK-Bank. Hinzu kam auf der Bayern-Bank mit Ottmar Hitzfeld ein Trainer, der nicht nur die Champions League gewann, sondern als Nationaltrainer der Schweiz auch an der Weltmeisterschaft teilnahm.
Zwei Stunden vor dem Spiel pilgerten die Beuerles ins Stadion. „Schon bei der Fahrt zum Spiel war ich total aufgeregt, hatte die Nacht zuvor ganz schlecht geschlafen“, erinnert sich der FCK-Mitarbeiter, der im westpfälzischen Windsberg wohnt und Trainer des SV Lemberg (A-Klasse) ist. Trotz der nur 45-minütigen Anfahrt zum Stadion sei es etwas Besonderes gewesen. Die Schals wehten, in den Fenstern eingeklemmt, im Fahrtwind.
Wurst, Heft und Schal
Es folgte der für ein Kind durchaus anstrengende Gang zum Betze. „Als kleines Kind musste man da schon Schmalz reinstecken“, sagt Beuerle, der dann im Stadion nicht nur die übliche Stadion-Wurst und das Stadionheft genießen durfte, sondern von seinem Vater auch einen Fanschal zum Spiel bekam.
Von wegen Sitzplatz
Einen Sitzplatz hatten Vater und Sohn Beuerle auf der Südtribüne. Einer der beiden Plätze blieb im mit 41.500 Zuschauern ausverkauften Fritz-Walter-Stadion faktisch unberührt. „Ich habe die ganze Zeit gestanden“, erklärt Beuerle. Grund dafür waren seine Aufregung und seine Größe.
Die Legenden
Gänsehaut-Momente gab es bis zum Anpfiff. Schon das Aufwärmen der Teams war ein Highlight. Auf FCK-Seite Fußball-Gott Olaf Marschall, der Schweizer Ciriaco Sforza und Legenden wie Ratinho, Martin Wagner, Axel Roos und Harry Koch. Auf der Gegenseite: Die Star-Elf von der Isar mit Titan Oliver Kahn, Mehmet Scholl, dem jetzigen TV-Moderator Thomas Helmer, Hasan Salihamidzic, der heute als Sportdirektor beim FCB einige Transfers einfädelt und dem gerade nach der Spielzeit 98/99 von der Isar nach Kaiserslautern wechselnden Freistoßspezialisten und 30-fachen Nationalspielern Mario Basler.
... außer Bayern
Das Betze-Lied ertönte – Jeder Club ist uns willkommen, jede Mannschaft gern geseh’n ...“ – während aus den Westkurve-Sangeskehlen ein lautes „außer Bayern“ folgte. Die Aufregung stieg, als Kahn sein in weißen Trikots spielendes Ensemble, das zuvor 19 Spiele ohne Niederlage war, aufs Feld führte. Lange dauerte es nicht, bis die Bayern jubelten.
Kahn ist erledigt
Der Iraner Ali Daei mit einem Rechtsschuss sorgte bereits in der 5. Spielminute für die Führung der Gäste. Torwart-Ikone Kahn musste nicht nur bis zur Halbzeit nach Treffern von Andreas Buck (29.) und Jürgen Rische (43.) zweimal hinter sich greifen, sondern kehrte nach einem Pressschlag auch nicht aus der Halbzeitpause zurück. Die Bayern drückten – Basler und Carsten Jancker scheiterten aber mehrfach an FCK-Torhüter Andreas Reinke.
Unter gellendem Pfeifkonzert von den Abpfiff herbei sehenden FCK-Fans beendete Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, der das hektische und emotionale Spiel mit vielen Gelben Karten leitete, die Partie. 2:1 für den FCK. „Es war ein super Erlebnis damals“, sagt Beuerle, der das Spiel der Spiele auf dem Betze gleich bei seiner Premiere erleben durfte.
Was sich geändert hat
Heute, hunderte Zuschauer-Partien später, nachdem er fast alle Stadien der Ersten und Zweiten Bundesliga gesehen hat, sieht es anders aus, wenn er im Stadion ist. „Heute bin ich natürlich nicht mehr so aufgeregt“, meint Beuerle und lacht.
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