Kaiserslautern
Alex im Westerland covern „Die Ärzte“ und „Die toten Hosen“ im Congress Center Ramstein
„Immer mitten in die Fresse“ – und auf die Ohren – gab’s am Freitag im Congress Center Ramstein, als die vier Frankfurter von Alex im Westerland antanzten – eine Toten-Hosen- und Die Ärzte-Tributeband, die die beiden konkurrierenden Punk-Urgesteine in einen Show-Topf werfen. Statt rebellierenden Teenies und Mittzwanzigern, die mit gereckten Fäusten abrockten, standen an diesem Abend viele Über-40-Jährige zu den ewigen Klassikern des deutschen Punk-Genres vor der Bühne.
Früher, also zu den Anfängen der „Hosen“ und „Ärzte“, war ein Punk-Konzert noch die Pilgerstätte von jugendlichen Revoluzzern, die sich musikalisch gegen das System auflehnen wollten. Heute stehen im Congress Center die selben Revoluzzer, nur sind sie etwas älter geworden, haben ein paar graue Haare mehr (und insgesamt oft weniger Haare), haben Kinder und reißen die Hütte nicht mehr ganz so ab ... Aber loyale Punk-Fans sind sie in all den Jahren geblieben und rockten sogar mit Krückstock und Weinschorle zum „Schrei nach Liebe“ (Die Ärzte).
Die Band auf der Bühne war allerdings deutlich jünger als die originalen Deutsch-Punk-Wegbereiter. Seit 2010 prescht die Tribute-Formation Alex im Westerland über die regionalen Bühnen und mischt das musikalische Vermächtnis der zwei bis dato erfolgreichsten Bands der deutschen Punk-Historie zu einer Liveshow. Und obwohl die „Ärzte“ und die „Hosen“ seit Jahren getrennte Fan-Lager bespielen: Im Herzen sind doch alle Freunde. Da tanzt auch mal ein „Hosen“-Fan auf einen „Ärzte“-Song und umgekehrt. Und in Ramstein tanzten alle auf alles.
Gute Stimmung und ordentliche Musik aus den Boxen
Daniel Arncken (Schlagzeug) wollte es trotzdem wissen: Wer war für die „Ärzte“ und wer war für die „Hosen“ da? Der Drummer zählte acht „Ärzte“-Fans und den Rest „Hosen“-Liebhaber – und der andere Rest waren Rammstein-Fans. Aber am Ende war es gleich. Hauptsache gute Stimmung und ordentliche Musik aus den Boxen. Die hatten die Alex im Westerländer auf jeden Fall. Dafür waren Goran Mihaljevic (Gitarre), Dominik Pult (Leadgesang und Gitarre), Dido Hartwig (Bass) und Drummer Daniel Arncken ja schließlich auch 150 Kilometer durch den Regen gefahren. Da musste die Setliste ordentlich reinpfeffern. Und das tat sie auch!
„Bonnie und Clyde“ (Die Toten Hosen) fegte gut, „Unrockbar“ (Die Ärzte) rockte so gut, dass stellenweise gesprungen wurde, was die Beine aushalten konnten. Und die Ärzte-Krawall-Hymne „Mitten in die Fresse rein“ traf mitten in die Herzen des Publikums. Aber: „Keine Liebe ohne ein ,aber'“, sagte der Redner der Truppe, „Drumstick“-Doktor Arncken. „Wir sind auch bisschen enttäuscht von euch. Ihr trinkt Champagner und Schnaps, wir Sprudelwasser. Ihr habt den ganzen Spaß und wir die ganze Arbeit.“ Eine Runde Mitleid vom Publikum. „Lasst uns die Arbeit teilen.“ Heißt: Die Band jaulte was vor, und das Publikum jaulte nach. Ja, Stimmung und Party können die Hessen! Die Frankfurter Punk-Mannen feuerten einen Klassiker nach dem anderen ab. Der Witz und Charme der „Ärzte“ plus die Energie und Spielfreude von den „Toten Hosen“ ist gleich eine „explosive Rockshow“. Von einem Quartett, das aussieht, als würde es die Schule schwänzen, aber rockt, als hätte es das Punk-Diplom längst in der Tasche.
Nicht makellos, dafür stattlich und hörenswert
Fazit: So makellos wie die Originale punkten die Frankfurter zwar nicht – da fehlte Frontmann Dominik Pult noch der einzigartige Biss eines Farin Urlaub und die Stimmbänder eines Campino. Dennoch stattlich, hörenswert und eine Punker-Faust Wert. Mit Humor und Power erweisen sich die Jungs von Alex im Westerland als amtliche Punk-Anarchisten, die dem Vermächtnis der „Ärzte“ und der „Hosen“ eine Frischzellenkur verpassen.