Kaiserslautern
Alex Diehl im Cotton Club
Im Cotton Club des Kulturzentrums Kammgarn zeigte Diehl zusammen mit seiner kleinen Band, wie man auf diese Weise einen ganzen Konzertabend ebenso intim wie allgemein ansprechend gestalten kann - trotz einer Besucherzahl, die etwas größer hätte sein dürfen. Da sind zum einen die Geschichten aus seinem Leben, die Diehl erzählt und dann auch meist in seinen Liedern aufgreift: nette Anekdoten aus seiner Kindheit, als er vor Lego-Figuren erfolgreiche Konzerte als Rockstar absolvierte. Oder auch Problematisches wie sein über Jahre hinweg schwieriges Verhältnis zum Vater, das er im Lied „(Un-) Perfekt“ thematisiert.
Nicht zuletzt berührte hier das Los seiner Schwester, bei der man als junge Erwachsene unheilbaren Krebs diagnostiziert hatte. Damals stand er ihr zur Seite, schrieb das Lied „Weitergehen“. Es findet sich auf Diehls Debüt-Album „Ein Leben lang“ aus dem Jahr 2014. Seine jüngere Schwester hat im Übrigen die Krankheit besiegt und ist inzwischen sogar Mutter geworden.
Nahbarkeit ist Trumpf
Es sind Lieder, die Mut machen; die Richtungen weisen; die zum Nachdenken anregen in einem Leben mit all seine Höhen und Tiefen. Davon hat Alex Diehl selbst einige erlebt. Vermutlich auch deshalb klingen seine deutschsprachigen Songs so authentisch und eindringlich. Das ist die eine Art von Nähe in Diehls Liedern: die zum eigenen Erleben.
Diese Nähe wiederum schafft Vertrautheit mit dem erwachsenen Publikum und dessen eigenen Erinnerungen, Sorgen und Unwägbarkeiten. Wer kennt sie schließlich nicht, die oft verklärten Gedanken an die eigene Jugend und die Hoffnung auf eine gemeinsam mit dem geliebten Partner zu erlebende Zukunft im Alter? Das ist seine andere Nähe: die zu Diehls Publikum.
Das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen
Die verstärkt er dann noch mit effektvollen Ansagen. Man habe sich ja durchaus im Vorfeld Sorgen gemacht, dass so wenige Karten verkauft worden seien, meinte er im Cotton Club. „Aber wir wussten ja auch nicht, das ihr kommt“ (mit Betonung auf „ihr“), ergänzte er nonchalant im Hinblick auf die dort von Anfang an herrschende ausgelassene Stimmung. Der Mann hat es zweifellos drauf: So schafft man besondere Publikumsnähe.
Da wurden denn von den Fans erst recht ganze Strophen auswendig mitgesungen, unmittelbar vor der Club-Bühne sogar ein paar Tanzschritte gewagt. Alex Diehl selbst betonte mehrfach an diesem Abend, wie wohl er sich bei diesem Konzert fühle. Und das war keine leere Floskel, das merkte man ihm mit jeder gebotenen Note tatsächlich an.
Wieder am Leben
Zum Erfolg des Abends trugen freilich auch Diehls vielseitigen Qualitäten als Gitarrist, Sänger, Komponist und Texter bei. Besonders seine Stimme hat es in sich. Die nutzt er bisweilen - auch ohne vorherige Absprache mit den beiden Mitmusikern - sogar für ins experimentelle Gesangs-Exkursionen. Es spricht für die technischen und interpretatorischen Fähigkeiten von Pianist Nico Campanella und Schlagzeuger Thorsten Link, dass sie diesen spontan entstandenen Situationen gerecht werden, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken. Sie schaffen daraus wie auch sonst eine kraftvolle, runde Präsenz.
So ging es unentwegt weiter mit all den Liedern aus Alex Diehls bisherigen Alben, mit weiteren textlich wie musikalisch energiereichen Titeln wie „Wieder am Leben“ und „Meine Angst“. Ganz zum Schluss gab es einen besonderen Gänsehautmoment, als Diehl - seit Ende letzten Jahres übrigens um 27 Kilo leichter - ganz allein vor der Bühne saß, dicht umringt von den begeisterten Zuhörern, und nur mit Gitarre und Stimme die letzte Zugabe geradezu zelebrierte. Da brandete noch einmal pure Emotion auf.
Publikumsnähe bis zur letzten Bühnen-Sekunde. So geht das.