Kaiserslautern Adorned Graves legen eine EP mit fünf neuen Songs vor
Generell haben die fünf Titel der EP von Adorned Graves (geschmückte Gräber) ihren besonderen Reiz dadurch, dass Adorned Graves diesmal weniger „Old School Thrash Metal mit Doom Einschlägen“ (so beschreibt sich die Gruppe selbst) verwirklichen, sondern sich hier mehr an den ebenfalls schon immer vorhandenen starken Elementen des Heavy Metal aus der Zeit von vor 40 Jahren orientiert hat. So entsteht schon rein bandintern eine nachspürenswerte Sache beim Zuhören. Ergänzt und abgerundet wird der gute Eindruck nicht zuletzt durch dem Stil und der Epoche angepasste düster-nachdenkliche Texte.
Die Inhalte der Songs reichen zeitlich – zumindest in Anklängen – von der römischen Antike („Legacy of Worms“) über das Mittelalter („Mourning Town“) bis hinein in die oft traurige Gegenwart und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, wie sie in „Dream I“ dann buchstäblich erträumt wird.
Musikalisch geht es indes modern und weitgehend deftig metallig ab. Das beginnt gleich im Opener „Argument from Reason“ mit einem starken und extralangen Intro plus passender Fortsetzung. Im folgenden schon erwähnten Titelsong „Dream I“ zieht der für alle fünf Titel gewonnene britische Gastsänger Craig Cairns (Tailgunner) alle vokalen Register. In diesem Song macht mit Dale Thompson, dem Leadsänger der US-Band Bride, noch ein Gastsänger mit. Den Song gibt es auch als Video auf Youtube. Trotz der Härte und einer Gangart, in der sich die Gitarren offenbar ständig selbst überholen wollen, hat der Song sogar etwas von einem Ohrwurm.
Etwas zurückgenommen, aber in Sachen Energieausstoß im Gesamten kaum geringer als die Vorgänger, gibt sich Titel Nummer drei: „Mourning Town“. In diesem Stück, das man seit kurzem ebenfalls als Youtube-Video erleben kann, wird sogar Kaiser Barbarossa erwähnt, was allerdings für eine Band aus Kaiserslautern nicht so wirklich überraschend ist.
Mit Lokalkolorit
Apropos Lokalkolorit: Die stimmungsvollen Fotos im Booklet zur physischen CD sind alle in der Nähe beziehungsweise in der weiteren Umgebung von Kaiserslautern in der Pfalz aufgenommen worden, so etwa in der Klosterruine Limburg (Bad Dürkheim) oder auf der Burg Wilenstein (Trippstadt). Ein netter Nebeneffekt nicht nur für Pfälzer – schließlich sind Adorned Graves auch im Ausland nicht ganz unbekannt und haben dort schon Live-Auftritte absolviert. Und ganz nebenbei passen die Illustrationen auch gut zur Retro-Atmosphäre des kleinen Albums.
Abgeschlossen haben das Werk dann Cailen Leif Graever (Gesang, Gitarre), Wout Wormser (Gitarre), Lupus Veruta (Bass) und Deafon Graever (Schlagzeug) mit den wieder energetischeren Titeln „Legacy of Worms“ (gemeint ist die Stadt am Rhein, welche die Musiker zur Recherche eigens besucht haben) und das raffiniert arrangierte „The Abyss“. Letztgenannter Song lässt den Zuhörer eine dreiviertel Minute lang im Glauben, es handele sich um ein eher ruhiges Stück – bis man dann instrumental hammermäßig durchaus angenehm überrascht wird. Aber das gilt in puncto Musik, Text und Aufmachung für die komplette kleine, aber feine Produktion.
Info
Adorned Graves: EP „Dream I“, fünf Tracks, 22 Minuten, Versand über soundmass.com und ebay.de/str/undergroundpowermetal666, ab Ende des Jahres erst bei den üblichen Streaming-Diensten erhältlich. Infos zur Band: adorned-graves.de.