Kaiserslautern Addis Abeba, Kusel, Charts

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2015 soll das Jahr von Cholate C werden. Unter diesem Künstlernamen will Konstantin Stein als Rapper durchstarten. „In jeder Fußgängerzone erkannt zu werden, würde mir gefallen“, sagt der 25-jährige Pfälzer, der in Kaiserslautern lebt. „Unmöglich ist es nicht. Aber ich weiß auch, dass es viele wie mich gibt.“

Konstantin Stein, geboren in Äthiopien, aufgewachsen in der Nähe von Kusel, ist Student in Worms, lebt in Kaiserslautern. Und putzt Klinken. Er spricht in Clubs in Rheinland-Pfalz und dem Saarland vor, arrangiert Pressetermine, bucht Studiozeit. Alles in Eigenregie, auf eigene Kosten, einen Manager hat er nicht. Auftritte müssen her, neue Lieder raus, am besten ein Album. „Wenn man sich richtig reinhängt, sich gut organisiert, 100 Prozent Einsatz bringt und den letzten Cent einsetzt, dann hat man eine Chance“, glaubt der 25-Jährige. Die Chance, die er sucht, ist die, ein großer Rapstar zu werden. „Man muss lieben, was man macht. Und Rap ist das Ding, für das ich auf der Welt bin.“ Der Künstlername ist schon gefunden. Cholate C nennt sich Stein in Anspielung auf Addis Abeba in Äthiopien, wo er geboren wurde. Er kennt die Stadt nur vom Hörensagen, denn er kam als Kleinkind schon nach Deutschland. Doch er weiß, dass Addis „Chocolate City“ genannt wird, Schokoladenstadt, weil die Dächer aus der Luft wie eine riesige Schokotafel aussehen. Die Erfahrungen als Kind mit dunkler Haut in einer weißen Umgebung, das afrikanische Blut in deutscher Kultur, die Identitätskrisen als Jugendlicher, Beziehungskisten, Rassismus: All das hat der Musiker in seinen Texten schon verarbeitet. Zimperlich ist er in seiner Wortwahl nicht. „Ich texte aus persönlicher Erfahrung, guter wie schlechter, aber ich hab auch Partysongs zum Abfeiern und solche zum Chillen mit Freunden“, erzählt der Musiker. Seine Kumpel und die Fangemeinde, die er sich bei Auftritten in ein paar Clubs und auf Festivals erarbeitet hat, bescheinigen ihm, dass er es drauf habe. „Die Texte sind geil, die Stimme passt, mein Flow ist gut, sagen alle. Das bestärkt mich.“ Der Rap und seine Szene haben ihre eigene Sprache – beim Flow geht es um das Zusammenspiel von Musik und Sprechgesang, um Klarheit und Rhythmusgefühl, um Reim und Beat. Auch darüber hinaus ist Sprache für den Erfolg wichtig. „Deutschrap ist in Deutschland erfolgreicher, weil mehr Leute die Texte verstehen, aber das Englische ist lockerer. Da kann man mehr Spielereien machen.“ Der 25-Jährige mit der tiefen Stimme lebt seine Kunst. Der Schmuck, die Kappe, die Hosen, die irgendwie nicht zu passen scheinen, sein ganzes Auftreten, das stimmt schon mal alles. Stein lässt keinen Zweifel: „Ich will Musiker sein. Wenn ich den Traum leben kann, das wäre das coolste.“ Zur Sicherheit studiert der Star in spe in Worms internationales Management. Einen Beruf zu haben, könne nicht schaden, sagt er ernst. „Mit dem Studium bin ich breit aufgestellt.“ Aber etwas nur zum Geldverdienen zu machen, das sei doch höchstens die zweitbeste Lösung. „So bekannt zu sein, wie es geht, auf der Bühne zu stehen und die Leute feiern Dich und Deinen Song, das ist voll cool.“ Wenn Cholate C vom Ziel, ein Star zu sein redet, klingt er selbstbewusst, sehr selbstbewusst sogar. Aber Stein räumt auch ein: „Es braucht Glück. Ein Song muss in die Zeit passen. Und es gibt ja viele von meiner Sorte. Das sind vielleicht 80.000 in ganz Deutschland. Und die, die es geschafft haben, wie viele sind das? 20, 50 vielleicht.“ Cholate C hat mit 15 angefangen, noch unter dem Namen Konstantin, mit dem Nachsprechen von Titeln seiner Idole. Später entstand eine CD mit eigenen Liedern. Zu etlichen der alten Sachen könne er immer noch stehen, sagt er sieben Jahre später. „Bloß: Die Rapper, die weltweit bekannt sind, die waren mit 15 natürlich schon Profis.“ Aufgeben will er dennoch nicht. 2013 war er im kreativen Loch, doch 2015 sei durchstarten angesagt. Die neuen Titel – eine EP mit fünf Liedern, kämpferischen ebenso wie romantischen soll es sein –, will Stein beim Spezialisten Feyzu Entertainment in Kaiserslautern produzieren. Vor allem aber müssen Auftritte her: „Die Leute müssen einen live sehen, das ist ganz wichtig.“ Die Pfalz und das Saarland sind nicht Berlin, und auch Steins Klickzahlen im Internet sind beileibe noch nicht sechsstellig. Folgerichtig ist Cholate C beim Casting für „Deutschland sucht den Superstar“ („DSDS“) angetreten. Mehr Aufmerksamkeit ist für einen angehenden Rapstar nirgends zu bekommen. Wie er und seine Musik bei Bohlen, Heino und Co angekommen sind, ist noch ein Geheimnis. Der Proband darf nicht darüber reden. Im Privatfernsehen ist die aktuelle Staffel der Talentshow am Mittwochabend erst angelaufen.

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