Boxen RHEINPFALZ Plus Artikel Achilles wichtiger Kampf

Evgenios Lazaridis (links) und Oleksandr Usyk. Im Sommer war Lazaridis Sparringspartner des späteren Weltmeisters im Schwergewic
Evgenios Lazaridis (links) und Oleksandr Usyk. Im Sommer war Lazaridis Sparringspartner des späteren Weltmeisters im Schwergewicht.

Ein griechischer Berufsboxer, ein Cutman aus Kaiserslautern und Frank Kiy als Coach von Evgenios Lazaridis: ein Trio, das Großes vorhat. Am 22. Januar geht es in Eggenstein bei Karlsruhe um die EBU-Europameisterschaft im Schwergewicht. Und da will Lazaridis den bisher wichtigsten Sieg seiner Karriere landen. Ein Faustkämpfer aus dem Kongo mit belgischer Staatsbürgerschaft will das verhindern.

Keine vollmundigen Sprüche, keine Ankündigung, wann sein Schützling den K.-o-Schlag landen wird. Von dem vor großen Kämpfen oft aufgeführten Ballyhoo keine Spur. Betont sachlich erklärt Frank Kiy, wie er die Chancen seines Boxers in diesem Europameisterschaftskampf einschätzt: „Evgenios steigt nicht als Favorit in den Ring. Ich erwarte einen 50:50-Kampf.“

Der gebürtige Schopper kennt Achilles, so lautet Lazaridis' Kampfname, schon seit vielen Jahren und durch intensives Videostudium auch dessen Gegner, den 34 Jahre alten Jack Mulowayi. „Wir wissen, was auf uns zukommt“, sagt Kiy und unterstreicht die Bedeutung dieses Kampfes, in dem Lazaridis unbedingt „was reißen muss“.

Lazaridis braucht den Titel

Der schweigsame Grieche, der im nächsten Monat 34 wird, braucht diesen EM-Titel, um an die großen Fleischtöpfe zu kommen. Schlägt er Mulowayi, dann winken ihm lukrative Kämpfe in den USA. Auch im Hinblick auf den Veranstalter des Kampfabends in Eggenstein, Fächer Sportmanagement, sei es, so Kiy, ungemein wichtig, „dass Evgenios zeigt, was er kann“.

Das will natürlich auch der 34-jährige Mulowayi. Als Profi stand der in Kinshasa geborene Rechtsausleger 13-mal im Ring und gewann zehn Kämpfe, sechs davon durch K. o.; zweimal unterlag er, und einer seiner Fights endete unentschieden.

Die russische K.-o.-Maschine

Dass sich Big Jack Mulowayi intensiv auf den EM-Kampf vorbereitet, zeigt die Wahl seines Trainingspartners. Das ist kein Geringerer als Arslanbek Makhmudov, ein aufgehender Stern am Schwergewichtshimmel. Mit der russischen „K.-o.-Maschine“ (Makhmudov gewann seine 13 Kämpfe alle vorzeitig) sparrt Mulowayi zurzeit noch in Kanada.

Mit einem Boxer aus der Champions League stand Evgenios Lazaridis auch schon im Ring, als Sparringspartner. Mit Oleksandr Usyk, der sich im vergangenen Sommer in Kiew auf den WM-Kampf gegen Anthony Joshua vorbereitete. Lazaridis sei damals „der Hauptsparringspartner“ des Ukrainers gewesen, erzählt Kiy. Diese Runden mit Usyk, der im vergangenen September Joshua besiegt und sich den WM-Titel holte, hätten Lazaridis sehr viel gegeben. „Er hat gemerkt, dass er auch mit solchen Leuten mithalten kann.“

Achilles in der Fruchthalle

Seit mehr als sieben Jahren besteht nun schon die Verbindung zwischen Frank Kiy und Evgenios Lazaridis, die beide in Frankfurt leben. Aber auch in Kaiserslautern, einer Stadt mit großer Boxtradition, ist Achilles kein Unbekannter. Bei der von Frank Kiy 2019 in der Fruchthalle veranstalteten Profiboxgala sorgte der fast zwei Meter große Grieche mit einem spektakulären K.-o.-Sieg über John Kimuanga Massaw für Aufsehen. In der ersten Runde schickte er den schwarzen Hünen auf die Bretter. „Er kann mit einem Schlag alles klarmachen“, erinnert sich Kiy noch gut an diesen Kampf und sieht darin ein gutes Omen. Denn Massaw stammt ebenso wie Mulowayi aus dem Kongo. Aber mit einem Blitz-Knockout rechnet Kiy in dem auf zwölf Runden angesetzten EM-Kampf nicht. „Mulowayi ist ein anderes Kaliber als Massaw.“

Über die volle Distanz musste Lazaridis vor anderthalb Jahren auf der Magdeburger Seebühne gegen Agit Kabayel gehen. Ein Kampf, den Kiy in keiner guten Erinnerung hat. Als Sekundant in Lazaridis Ecke versuchte er alles, um seinen gehemmt wirkenden Schützling anzuspornen. Doch der boxte zu passiv, verlor nach Punkten und bekam damit die dritte Niederlage in seine Kampfbilanz eingetragen, in der aber auch 17 Siege stehen. Zu Kabayels Team gehörte damals als Cutman Enno Werle. Der Altmeister seiner Zunft hat diesmal aber die Seiten gewechselt und wird sich in den Ringpausen um Lazaridis’ Blessuren kümmern.

Sparring mit Seitz

Werle ist nicht der einzige Kaiserslauterer, der Lazaridis auf dem Weg zur EM unterstützt. Da ist auch noch Michael Seitz, der im Challenge Club in Frankfurt-Sachsenhausen zu den Sparringspartnern des Griechen zählt. Seitz bereitet sich auf den Titelkampf um die Internationale Deutsche Meisterschaft im Cruisergewicht vor, der am 12. März in der Fruchthalle über die Bühne gehen soll. Promotet wird die „K’Town Fight Night“ von Frank Kiy, der nach dreijähriger Pause den Boxsportbegeisterten in Kaiserslautern wieder Profikämpfe bieten will, in denen Lokalmatadore auf internationale Konkurrenz treffen.

Dass in Zeiten der Globalseuche alle geplanten Sportveranstaltungen mit einem Fragezeichen versehen sind und die oft rigorosen Vorgaben die Sache für die Veranstalter schwierig machen, zeigt auch der EM-Kampf, der ursprünglich vor großer Kulisse in Pforzheim stattfinden sollte. Jetzt aber coronabedingt fast ohne Zuschauer im „Home of Champions“ in Eggenstein ausgetragen wird. Wer Evgenios Lazaridis, Frank Kiy und Enno Werle in Aktion sehen möchte, kann den Kampf online per Livestream verfolgen.

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