Kaiserslautern Mit einem linken Haken auf die Bretter geschickt

Auch er ist nicht wehrlos: Der Österreicher Philipp Wiesenhofer (rechts) teilt aus. Nach einem Kopfstoß und einem tiefen Cut kan
Auch er ist nicht wehrlos: Der Österreicher Philipp Wiesenhofer (rechts) teilt aus. Nach einem Kopfstoß und einem tiefen Cut kann er aber nicht mehr weitermachen. Der Kolumbianer Joan Manuel Lique Canaveral wird frenetisch als Sieger gefeiert.

«Kaiserslautern.»Die Nationalhymnen erklangen, und die beiden Nummerngirls standen mit der kolumbianischen und der österreichischen Fahne im Ring. Das Zeremoniell stimmte beim Hauptkampf des internationalen Profiboxabends am Samstag in der Fruchthalle. Joan Manuel Lique Canaveral und Philipp Wiesenhofer kämpften da um den Titel eines Internationalen Deutschen Meisters. Wegen eines unbeabsichtigten Kopfstoßes wurde der Kampf aber in der fünften Runde abgebrochen und Canaveral zum Sieger erklärt.

Ein abruptes Ende eines auf zehn Runden angesetzten und mit Spannung erwarteten Titelkampfes im Superleichtgewicht, in dem der Kolumbianer Canaveral und der Österreicher Wiesenhofer aufeinandertrafen. In Runde fünf stießen die beiden Kontrahenten im Infight mit den Köpfen aneinander und verletzten sich. War es bei Canaveral „nur“ eine Blessur über der Augenbraue, so erwischte es Wiesenhofer schlimmer, er zog sich einen tiefen und blutenden Cut am Auge zu und konnte den Kampf nicht fortsetzen. Da es den beiden Boxern im Eifer des Kampfes passiert war und keinen die Schuld traf, wurden die Punktzettel der Kampfrichter ausgewertet, und da lag Canaveral vorn. Stolz konnte er sich den Meistergürtel umlegen und sich von seiner temperamentvollen kolumbianischen Fanschar feiern lassen. Für ihn sei es ein ganz großer Moment in seiner Karriere, sagte Canaveral, und dass er „sehr stolz“ sei, in Kaiserslautern diesen Titel gewonnen zu haben. Hatte er sich zuvor schon Weltmeistertitel im Kickboxen gesichert, so war es am Samstag für ihn der erste im klassischen Boxen. Klar, dass sich die Zuschauer in der Fruchthalle einen längeren Kampf gewünscht hätten. Nach den ersten beiden Runden, in denen sich die Gegner „abgetastet“ hatten, hatte der Kampf immer mehr an Rasse gewonnen. Canaveral versuchte seinen Gegner auf Distanz zu halten, schlug einige gute Eins-Zwei-Kombinationen, wogegen der Boxer aus der Alpenrepublik mit überfallartigen Angriffen in die Halbdistanz zu kommen versuchte. Keinem von beiden gelang es in diesen wenigen Runden, einen Wirkungstreffer zu landen. Bevor Joan Lique Canaveral in den Ring stieg, hatte sein Zwillingsbruder Emmanuel Lique Canaveral seinen Kampf schon erfolgreich hinter sich gebracht. Er bekam Jovica Jovanovic vor die Fäuste und traf diesen in der ersten Runde so hart, dass Jovanovic kurz auf die Bretter ging und angezählt wurde. Der Boxer aus Bosnien und Herzegowina setzte den Kampf dann zwar fort, musste aber in den insgesamt vier Runden noch eine Menge an Schlägen einstecken. Am Ende stand dann ein einstimmiger Punktsieg für Canaveral. Bemerkenswert war auch der Auftritt von Alexander Lorch, der in der Fruchthalle sein Profidebüt gab. Der im Halbschwergewicht kämpfende Saarländer traf auf den erfahrenen Michael Klempert aus Frankfurt. In den letzten beiden der insgesamt vier Runden hatte der Debütant einige schwierige Moment zu überstehen, da ihm, wie er nach dem Kampf berichtete, „ein Körpertreffer die Luft genommen hatte“. Er hielt aber durch und gewann. Zwei Wertungsrichter hatten ihn vorne gesehen und der dritte den Frankfurter. Für den spektakulärsten Knockout sorgte der Grieche Evgenios Lazaridis im Schwergewichtskampf gegen John Kimuanga Massaw. Gegen Ende der ersten Runde traf Lazaridis seinen Gegner mit einem blitzschnell geschlagenen linken Seitwärtshaken an der Kinnspitze und schickte ihn auf die Bretter. Ein Schlag, den der arme Massaw und alle Zuschauer in der Fruchthalle so schnell nicht vergessen werden. Sport

Die Ruhe vor dem Sturm: John Kimuanga Massaw (rechts) scheint alles im Griff zu haben, Sekunden später liegt er bewegungslos im
Die Ruhe vor dem Sturm: John Kimuanga Massaw (rechts) scheint alles im Griff zu haben, Sekunden später liegt er bewegungslos im Ring. Evgenios Lazaridis hat ihn mit einem Schlag ans Kinn auf die Bretter geschickt.
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