Kaiserslautern
Abgebrannte Kälteiglus für Obdachlose: Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes
„Kurz vor 1 Uhr nachts hörte ich mehrere heftige Explosionen vor meinem Arbeitszimmer, vermutlich durch brennende Handyakkus verursacht“, berichtet Pfarrer Andreas Keller. Als er durch das Fenster schaute, sah er eines von zwei Zelten, in denen die Kälteiglus untergebracht waren, lichterloh brennen. Er habe sofort die Feuerwehr gerufen und nach den Menschen gesehen, die in den Iglus Unterschlupf gefunden hatten.
50-Jähriger vor Ort festgenommen
Nachdem die Brandursache zunächst unklar war, wirft die Polizei inzwischen einem 50-Jährigen versuchten Mord in sechs Fällen vor. Der Mann steht im Verdacht, auf dem Gelände der katholischen Kirche St. Martin in der Spittelstraße Feuer an einem der Zelte für Obdachlose gelegt zu haben, die dort seit Dezember auf der Pfarrwiese stehen. Das Feuer hat ein Zelt komplett zerstört, das Nachbarzelt wurde von dem Brand in Mitleidenschaft gezogen. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei rückten aus. Die Feuerwehr löschte den Brand. Sanitäter versorgten zwei Verletzte. Den Tatverdächtigen nahm die Polizei vor Ort fest. Aufgrund von Hinweisen begründet sich aktuell der Verdacht, dass der 50-Jährige das Feuer vorsätzlich gelegt haben dürfte, teilte die Polizeidirektion Kaiserslautern am Donnerstagnachmittag mit.
„Gottlob ist niemand ernsthaft zu Schaden gekommen“, sagte Pfarrer Keller gegenüber der RHEINPFALZ . Die Feuerwehr sei schnell zur Stelle gewesen und habe den Brand mit Wasser gelöscht. Beamte des kriminaltechnischen Dienstes haben am Donnerstagvormittag an der Brandstelle Ermittlungen aufgenommen. Noch sei die Brandursache nicht bekannt, so ein Beamter.
Feuerwehr zu drei Bränden in der Innenstadt gerufen
Keller schätzt den Schaden durch den Brand, bei dem Obdachlose ihre wenigen Habseligkeiten verloren haben, „darunter Fotos ihrer Angehörigen, die für sie unersetzlich sind,“ auf 10.000 Euro. Sechs der zehn Kälteiglus seien verbrannt, ebenso alle Schlafsäcke, Isomatten und die Winterkleidung der Obdachlosen. Weiter zerstört wurden eine Tischgarnitur, Heizstrahler, eine Kochplatte und ein Ladegerät für Handys. Nach Angaben des Pfarrers haben in den beiden nebeneinander aufgestellten Zelten acht Personen geschlafen, sieben davon in auf Holzpaletten aufgestellten Kälteiglus. Eine weitere Person habe auf einem Feldbett geschlafen.
Wie die Feuerwehr auf Nachfrage mitteilte, sei sie in der besagten Nacht zu mehreren kleineren Bränden in der Innenstadt gerufen worden. So habe in der Nähe von Peek & Cloppenburg in der Fackelstraße ein Kinderwagen gebrannt, in der Fruchthallstraße eine Mülltonne und im Garten von St. Martin das Zelt.
Pfarrer will weitere Zelte aufstellen
Keller hatte die Zelte einschließlich der Kälteiglus samt der Schlafsäcke Mitte Dezember in Kooperation mit den Maltesern auf der Pfarrwiese aufstellen lassen. Sie sollten Wohnungslosen, die klassische Übernachtungsheime nicht nutzen können oder wollen, bei winterlichen Temperaturen, insbesondere bei frostigen Nächten, eine halbwegs warme Unterkunft bieten.
Wie der Pfarrer weiter berichtet, habe er bei den Maltesern weitere Zelte samt Feldbetten, Outdoorschlafsäcken und einer Biertischgarnitur geordert. „Noch werden die Nächte in den kommenden Tagen Temperaturen um den Gefriergrad aufweisen.“ Bis Ende Februar beabsichtigt Keller, Obdachlosen die Schlafstellen zur Verfügung zu stellen. „Die Obdachlosen sind verzweifelt. Die Kälteiglus auf der Pfarrwiese waren ihre letzte Zuflucht vor Kälte und Bodenfrost.“
Spenden
Wer helfen möchte, ist eingeladen, auf das Konto der Pfarrei zu spenden: Kath. Kirchengemeinde Hl. Martin; IBAN DE04 5405 0220 0000 6400 60; Sparkasse Kaiserslautern; Stichwort: Obdachlose