Kaiserslautern Abenteuer des neuen Hörens

Es war leider nur ein „Häuflein der sieben Aufrechten“, das zum Geburtstagskonzert zu Ehren des gerade 80 Jahre alt gewordenen Komponisten Peter Michael Braun am späten Sonntagnachmittag ins Theodor-Zink-Museum kam: wenige Freunde, Kollegen und auch Schüler des Musikers, der als Professor an der Musikhochschule Mannheim wirkte. Im Programm standen Werke von Bach, Frank Martin und Peter Michael Braun.
In seiner Laudatio würdigte Peter Arnold, erster Vorsitzender der Pfälzischen Musikgesellschaft, das Schaffen des anwesenden Musikwissenschaftlers, der von 1957 bis 1961 Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und Schüler berühmter Komponisten wie Frank Martin und Bernd Alois Zimmermann war. Das Konzert begann mit Bachs Sonate h-moll, BMW 1030 mit Joachim Schmitz, Flöte, und Wolfgang Müller-Steinbach, Klavier. Verblüffend waren die Klarheit und Transparenz der Struktur sowie auch der rhythmisch konzise Formsinn der beiden bei gleichzeitiger Vielfalt der Ausdrucksgestaltung. Hier waren umsichtige Exegeten am Werk mit wohltuend raschen, herrlich fließenden Tempi und schlankem Gestus. Dieses Werk war ebenso eine Hommage Brauns an ein großes Vorbild wie auch die Ballade für Flöte und Klavier von Frank Martin. Mit großer Spielfreude und Virtuosität agierte Schmitz hier auf der Flöte, bestechend die amelodischen Linien, die bis zu Schrilllauten emporstiegen. Kontrastfarben zu diesen hohen, hellen Tonschleifen schuf Müller-Steinbach am Klavier, gepaart mit höchster Klangkultur, Präzision und Verve. Eine Uraufführung erlebte das Publikum mit Brauns „Erinnerungen an Beethoven“ für Klavier (1977/92). Andreas Sorgs Schlüssel zu dem Werk war eine sichere Technik, ein trockener Klang sowie ein rhythmisch sachliches und strenges Spiel. Bewegung war vor allem in den Variationen zu spüren, wo er Kontraste in der Dynamik setzte. Während der Anfang des Stückes fast wie eine Kopie Beethovens erschien, entwickelte Braun im weiteren Geschehen einen ganz individuellen Sinn für Klang, der weit von Klischees entfernt war. Markante Akzente und Verfremdungen polarisierten den Beethoven-Klang, Braun ging es dabei um Durchbrechung bestimmter starrer Mechanismen. Sorg realisierte das mit zwei starken Händen und mit dem Kontrast zwischen herrlich fließenden Melodien und Brüchen, die wie gemeißelt erschienen. Auch in Brauns „Arc-en-ciel“ (1992) für Altflöte solo zeigte sich eine sehr eigene Sprache, die sich durch ein überaus konzentriertes Aushören der Klanglichkeit und ein Meiden alltäglicher, modernistischer Klischees auszeichnete. Schmitz realisierte das Stück mit einem ganzen Farbkasten virtuoser Läufe, sprudelnder Triller, die sich ständig wiederholten, dabei aber minimal veränderten und schließlich im Nichts verklangen. Auch in dem abschließenden „Duo“ nach Szenen aus der Oper „Die schöne Lau“ für Flöte und Klavier (2003) fordert Braun höchste Virtuosität und heikle, von Schmitz frappierend sicher gemeisterte Tonhöhen-Differenzierung. Die Wiedergabe war rhythmisch intensiv, farbenreich und hoch inspiriert und eine Einladung, nein, eine Aufforderung zum Abenteuer neuen Hörens. Insgesamt eine spannende Begegnung mit einer Komponisten-Persönlichkeit, die es verdient, auch in der Westpfalz bekannter zu werden.