Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ab Marte und Peter Schudde als Gastkünstler beim KWG-Symposium „Westwärts“

Elektroschrott und Licht: Peter Schudde verleiht mit diesen Mitteln seinen Kunstwerken eine Aussage.
Elektroschrott und Licht: Peter Schudde verleiht mit diesen Mitteln seinen Kunstwerken eine Aussage.

Im Kunstlager tut sich was. Das Symposium „Westwärts – neuer Kontext“ der Künstlerwerkgemeinschaft (KWG) hat begonnen. Einige Teilnehmer sind eingezogen, sie werkeln an Tischen und Wänden. Darunter sind auch die beiden Gastkünstler Ab Marte und Peter Schudde aus den Niederlanden.

Erste Begegnungen der Künstler passierten bei der internationalen Kunstveranstaltung Huntenkunst in der niederländischen Stadt Ulft. Dort, wo sich Kunstschaffende und Kunstliebhaber aus der ganzen Welt zum Thema zeitgenössische Positionen treffen, lernten sich zunächst Ab Marte und Peter Schudde kennen und dann auch jene Gruppe KWGler um den Vorsitzenden Reiner Mährlein.

Und jetzt, da es um den KWG „Westwärts“-Blick ging, wurden die Niederländer für das Symposium angefragt. Beide sagten zu und nun sind sie da. Im Gepäck Ideen für Skulpturen. Weitere Gemeinsamkeit der künstlerischen Arbeit ist beider fest verankertes Achten auf Wiederverwertung, Nachhaltigkeit, Re- und Upcycling. Ihre Botschaft lautet: Müll vermeiden. Ansonsten arbeitet jeder für sich, profiliert sich mit individueller Handschrift.

Das Innere leuchtet

Auf Schuddes Werkbank lagert Styropor, ein menschlicher Schädel aus gegossenem Aluminium, ein rechteckiges Leitertableau gesammelten Elektroschrotts. Materialien wie diese sind Teil einer bereits bestehenden Werkgruppe. Sie entsteht durch das Kombinieren und letztlichem Erstarren im heißen Bronzeguss. Was daraus wird, entwickelt sich. Gewiss ist, dass das Innere seiner Skulptur leuchtet. Damit belässt der 50-Jährige all den Dingen ihren ureigenen Ursprung. Mit seinen Arbeiten vertritt der Plastiker die Botschaft „Credo to Credo“. Sie besagt, die Menschheit solle ob apokalyptischen Beigeschmacks stets wissen, wohin mit Neuerungen im Nachhinein.

Im Prinzip greift Ab Marte das gleiche Dilemma auf, bezieht sich jedoch mit Blick auf das „Westwärts“-Motto auf historische Ereignisse im 17. Jahrhundert, als europäische Siedler im Osten der USA landeten, ihre sogenannte „Neue Welt“ eines besseren Lebens im Westen suchten. Dabei schleppten sie auch das eigene Unheil mit – Krankheiten etwa –, das die Indigenen umbrachte.

Reste und Abfälle

Wie sich seine Gedanken letztlich mit jenem plastikumhüllten Stuhl auf der Werkbank und den bunt aufgeklebten Internetkabeln darstellen, lässt auch der ehemalige Schuldirektor offen. Seine lebenslange Liebe zur Bildenden Kunst praktiziert er mit Eintritt in den Ruhestand. Seinerzeit belegte der heute 82-Jährige ein Kunststudium und kreiert seitdem als freischaffender Künstler gesellschaftspolitisch hinterfragende Installationen und Skulpturen. Sie entstehen vorzugsweise aus Rest- und Abfallmaterialien, wie etwa Plastik, Stoffe oder Hölzer.

Während Peter Schudde wiederverwertete Materialien nutzt, um Massenanfertigung und Wegwerfmentalität zu widersprechen, brennt Marte dafür, publik zu machen, dass die Ozeane bei fortgesetzter Umweltverschmutzung 2035 mehr Plastik als Fische enthalten. „Ein Schwarm Plastikheringe schwimmt durch ein Plastikmeer.“

Info

  • Symposium täglich von 9 bis 17 Uhr in der Kaiserslauterer Eisenbahnstraße 21
  • 8. Juni, 19 Uhr, Tanzabend zur Musik von Stipendiat Matthias Hassel, Künstlerin Cristina Beard präsentiert Performance
  • 9. Juni, 19 Uhr, Texte und Lieder zum Thema Flüchten und Auswandern mit Michael Geib
  • 10. Juni, 18 Uhr, Vernissage der Symposiumsarbeiten und Lesung von Eva Paula Pick aus „Texturen“ mit Musik von der Handpan mit
 Stuhl, Verpackungen und Kabel: Ab Marte verwendet Abfallmaterialien für seine Installationen und Skulpturen.
Stuhl, Verpackungen und Kabel: Ab Marte verwendet Abfallmaterialien für seine Installationen und Skulpturen.
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