Kaiserslautern 800 Kilo Pferd, drei Meter langer Holzstamm

Ein Team in Erlenbach: Alexandra Gold (RV Münstermaifeld) ist mit Bella auf der Strecke.
Ein Team in Erlenbach: Alexandra Gold (RV Münstermaifeld) ist mit Bella auf der Strecke.

Bei der Landes- und Pfalzmeisterschaft der Holzrücker waren gestern in Erlenbach wahre Kraftpakete auf vier Hufen im Einsatz. Begeistert verfolgen die Zuschauer, wie die Pferde mit Gelassenheit das Langholz durch Schikanen und Hindernisse manövrieren und dem Holz zeigen, wo es lang geht. Das Niveau ist hoch, der Parcours anspruchsvoll. Reichlich Lob gibt es für den Fahrsportverein Kaiserslautern-Land, der als Ausrichter für die Meisterschaft verantwortlich zeichnet.

Nervosität ist ihre Sache nicht. „Emma“, eine beeindruckende Pferdedame mit ausladenden Rundungen und freundlichen Augen, kennt den Job und packt ihn an. Nichts bringt das Kaltblut aus der Ruhe, nicht einmal die Fuhrfrau Susanne Berling, die der guten „Emma“ beim Aufpoldern keine Chance lässt, den Holzstamm auch wirklich auf die bereits am Boden liegenden Stämme zu ziehen. Berling weist der Stute den falschen Winkel, das brave Pferd tut, wie ihr geheißen und kassiert Strafpunkte. Hindernis zehn sieht tückisch aus. Einer Brücke fehlt das Mittelstück. Da soll sie rüber? Zumal ein drei Meter langer Holzstamm mit etwa 30 Zentimeter Durchmesser hinter ihr hängt. Ohne mit der Wimper zu zucken, marschieren gut 800 Kilo Pferd auf den Holzsteg, steigen in die Lücke und klettern auf der anderen Seite wieder auf den Steg. Das Holz immer im Schlepp. Kein Zögern, nicht hier und auch sonst nicht im Parcours − und der hat seine Tücken: Tänzeln über Querhölzer, Slalomgehen durch Birken oder einen Buschvorhang durchschreiten. Am Ende dreht das voluminöse Pferd seinen Holzstamm fast auf der Stelle um, weil es die Beine perfekt kreuzen kann und wendig wie eine Schlange scheint. „Ein wunderbar braves Pferd, das ohne Stress seine Arbeit macht“, zeigt sich Alexander Schneider vom Fahrsportverein Kaiserslautern-Land begeistert von der Darbietung der „sympathischen Emma“, die hier in völliger Ruhe die alte Tradition des Holzrückens meisterlich präsentiert. Schneider zeichnet für die ausgetüftelten zwölf Hindernisse verantwortlich. An den Herausforderungen in Wald und Flur angelehnt, müssen enge Wendungen und Passagen genauso gemeistert werden, wie der Lärm einer Kettensäge nicht zu Panik führen darf. Erlaubt ist nur der Schritt. Dass auch alles mit rechten Dingen zu geht, keiner schummelt, den Stamm falsch ablegt oder nur halb auf die Schikane lupft, darauf achten Anja Zoske und Gerd Bastian, die beiden offiziellen Schiedsrichter. Anja Zoske, selbst erfolgreich im Fahrsport für den Fahrsportverein Kaiserslautern-Land unterwegs, weiß, Pferde, die hier brav die Arbeit verrichten, die tun das nur, weil sie langsam an alles herangeführt wurden und Vertrauen zu ihren Fuhrleuten haben. Im Wald beim echten Holzrücken gibt es schließlich nur das Pferd, den Fuhrmann, das Holz und immer wieder eben auch Hindernisse. Da ist blindes Vertrauen gefragt. „Die Meisterschaft ist ein Kompromiss zwischen dem Darstellen eines traditionellen Berufsbildes und einem sportlichem Wettbewerb“, ordnet Gerd Bastian, Breitensportbeauftragter des Pferdesportverbandes, die Meisterschaft ein und freut sich, dass es dem Fahrsportverein Kaiserslautern immer wieder gelingt, die Fuhrleute aus ganz Rheinland-Pfalz und den angrenzenden Regionen nach Erlenbach zu holen. Keinen Kompromiss geht „Xena“, die Freiberger Stute von Fuhrmann Robin Mussel aus Börrstadt ein. Routiniert meistert das Paar, das für den ausrichtenden Fahrsportverein Kaiserslautern-Land unterwegs ist, den Parcours. Raumgreifend der erste und der letzte Schritt, dazwischen passt einfach alles. Die Stute abgeklärt, der junge Fuhrmann ihr Vertrauter. Ein perfektes Arbeitsteam. Farbe und mächtig Gewicht bringt „Diego“ mit nach Erlenbach. Das Süddeutsche Kaltblut läuft entspannt, als hänge kein Holzstamm, sondern ein Streichholz im Geschirr. Irgendwie sieht das Pferd von Fuhrmann Markus Freyburger aus Ölbronn, Baden-Württemberg, ohnehin nicht nach Arbeit aus, eher wie ein Model auf dem Laufsteg. Kommt es doch mit schick grünem Leder am Spitzkummet und mit farblich abgestimmten Ohrüberziehern daher. Ein hübsches Bild.

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