Kaiserslautern 50 Zeilen Chanson: Ein junger, sehr politischer Frühling
Auch der Frühling kommt in die Jahre. Der von Bourges jedenfalls. Er ist 40 geworden. In der 66.000-Einwohner-Stadt ziemlich in der Mitte Frankreichs ist gerade der 41. „Printemps de Bourges“ über die Bühne gegangen. Seit 1977 gibt es dieses Festival, gegründet, mit dem Ziel, der französischen Musikszene eine Plattform zu bieten. Erfolg hatten die Macher von Anfang an. Und als Jack Lang 1982 ins Pariser Kulturministerium einzog, gab es erstmals auch staatliche Zuschüsse. Für viele, die als Namenlose in Bourges auftraten, begann danach die große Karriere. Aber auch der „Frühling von Bourges“ geriet in eine Art Midlife Crisis, die Kulturminister in Paris zeigten sich knauserig, die junge Szene hielt den Frühling für zu alt, die Freunde des gediegenen Chansons wandten sich ab, weil das, was sie da hörten, so gar nicht dem entsprach, was sie liebten. Stimmt, „chanson hexagonal“ ist in Bourges in seiner ganzen Bandbreite zu hören, was auch mal ziemlich laut sein kann. Die Krisenjahre jedenfalls sind vorbei. 2017 schauten der wieder auferstandene Renaud („Toujours debout“, immer noch aufrecht) und La Grande Sophie vorbei. Ganz besonders auffällig aber war die nahezu vollständige Präsenz der französischen Rap-Szene. Vielleicht auch deswegen, weil der Frühling, der am Sonntag des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahlen zu Ende ging, ein sehr politischer war. Und fast 25 Jahre nach dem Auftritt der legendären Hip-Hop-Band NTM (Nique ta mère, was wir jetzt mal unübersetzt lassen) aus der Pariser Banlieue hat ein 29-Jähriger aus Marseille mit algerischen, ägyptischen, spanischen Wurzeln es übernommen, die Wut der Jugend, aber auch den Willen zur Veränderung, herauszuschreien: „Le monde nous appartient, à nous de le changer“ heißt es auf dem eben erschienenen Album „Grand Cru“ von Deen Burbigo: „Die Welt gehört uns, es ist an uns, sie zu ändern.“