Leichtathletik
50. Silvesterlauf in Kottweiler-Schwanden: Streckenrekord ist geknackt
Der 50. Silvesterlauf in Kottweiler-Schwanden war der typische Volkslauf: eine Breitensportveranstaltung mit sportlichem Anreiz, aber auch geselliger Atmosphäre. Die Läufer nehmen anschließend ein Getränk zu sich, verzehren ein Stück Kuchen und freuen sich auf die Turnhallendusche. Der Volkslauf ist anders als so manche Veranstaltung, die zwar per sé für jedermann vorgesehen ist, bei der aber auch Profis an den Start gehen.
In Trier beispielsweise ist beim Silvesterlauf die deutsche Laufelite vertreten mit dem deutschen Marathon-Rekord-Inhaber Samuel Fitwi, Marathon-Europameister Richard Ringer oder Hindernisspezialist Karl Bebendorf. Hinzu kommen allerlei internationale Läufer. Bei den Damen sind mit Gesa Krause und Olivia Gürth ebenfalls Profis dabei. Mehr als 100 Silvesterläufe gibt es im gesamten Bundesgebiet, die meist am 31. Dezember, aber auch mal ein, zwei Tage zuvor stattfinden.
Ohne Profis, aber mit der lokalen Laufsportelite wird beim Silvesterlauf des SV Kottweiler-Schwanden geplant. Die Jubiläumsausgabe, der 50. Silvesterlauf seit 1972, ging am Dienstag über die Bühne. „Es gibt Sachpreise, aber keine Geldpreise. Wir wollen niemanden ausschließen, der sich anmeldet, aber wir wollen einen Volkslauf, und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern“, sagt Christopher Völker, Vorsitzender des Vereins, der den Lauf traditionell veranstaltet.
Die Favoriten
Mit Tom Holzmann (LLG Wonnegau), Max Rahm (LC Donnersberg) und Tim Könnel (TuS Heltersberg) hatte er seine Favoriten bei den Herren auf dem Zettel, wobei Rahm nicht startete. Mit 31:59 Minuten war der Sieger aus 2019, Selama Tesfamariam, der bislang Schnellste auf der amtlich vermessenen Strecke. Bei den Damen hat Jessica Keller (TG Worms) mit 36:09 Minuten den Streckenrekord inne. „Wir sind hier bestenlistenfähig. Die Strecke haben wir 2018 amtlich vermessen lassen. Sie ist jetzt etwas länger als zuvor, da hatten wir nur 9,9 Kilometer“, berichtet der 37-jährige Völker.
Dass auch die Spitzenläufer ihre Freude an einem typischen Volkslauf haben, bestätigt auch der Vorjahressieger. „Ich laufe hier zum Spaß mit. So ein Zehner tut auch mal gut zwischendrin. Ich bin fast noch in der Pause und habe diese Woche mal langsam wieder mit dem Training angefangen“, erzählt Kirschbaum, der im Jahr 2024 deutscher Meister im 100-Kilometer-Straßenlauf wurde und auch an der Weltmeisterschaft über diese Ultradistanz teilnahm. „Kottweiler ist ein schöner Jahresabschluss und eine kultige Sache. Für einen Läufer könnte das Jahr besser nicht enden“, sagt der 38-Jährige von der LLG Ohmbachsee, der mit einer Zeit von 34:50 Minuten auf dem sechsten Rang landete.
Die Resonanz für den Silvesterlauf, der an der Sulzbachhalle in Kottweiler-Schwanden startete, war riesig. „Wir hatten so viele Voranmeldungen wie nie zuvor. Es ist möglich, dass wir das erste Mal vierstellig werden“, schwärmte Völker bereits zwei Tage vor dem Startschuss. Mehr als 1000 Teilnehmer seien auch organisatorisch zu stemmen, meinte er. Am Ende wurden es 892.
Walker mit der Nummer eins
Ein besonderer war der Läufer mit der Startnummer eins. Jürgen Engels (LT Olympia Ramstein) kam auf dem 757. Platz ins Ziel. „Für mich hatte die Startnummer eine besondere Bedeutung. Es war eine Herzensangelegenheit. Ich walke seit drei Jahren nur noch und habe auch schon an einer deutschen Meisterschaft im Walken teilgenommen. Beim Walken ist man genauso glücklich wie beim Laufen“, erklärt der 61-Jährige, der in Miesenbach geboren ist und von „tollen Glücksmomenten“ spricht. „Ich fühle mich bei den Läufern willkommen“, erklärt Engels, der nach 1:09:34 Stunden ins Ziel kam und damit seine anvisierte Zielzeit erreichte. „Ich fiebere die ganze Woche auf meine Läufe hin“, erklärt Engels, der im Jahr 2024 an 40 Läufen teilgenommen hat.
Weit vorher kam Tom Holzmann (LLG Wonnegau) mit einem neuen Streckenrekord von 31:38 Minuten ins Ziel und verwies Mitfavorit Tim Könnel (TuS Heltersberg) um 13 Sekunden auf den zweiten Rang. „Tom und Tim mögen sich, sie sind auch oft in Kontakt“, erzählt Christina Holzmann, Toms Mutter, die am Streckenrand mitfieberte. „Für uns hat dieser Lauf Tradition. Ich war heute Morgen im Wald laufen. Ich bin nicht so der Wettkampftyp, erklärt Christina Holzmann, die mit dem Tross der LLG Wonnegau und mit ihrem Mann Uwe (60) und den beiden Söhnen Ben (26) und Tom (29) per Bus anreiste.
Den Rekord knapp verpasst
Beste Frau im Feld war Jessica Keller (TG Worms), die den Streckenrekord um wenige Sekunden verpasste (36:14 Minuten). „Das war kein Streckenrekord, korrigierte sie gleich die Ankündigung der Veranstalter. Ich bin aber trotzdem sehr zufrieden. Meine Beine haben sich sehr gut angefühlt. Ich bin fast ein Jahr keinen Zehner mehr gerannt. Das war eine echte Wundertüte“, sagt Keller, die Sophia Seiter (LG Stadtwerke München/40:10 Minuten) und Julia Könnel (1. FC Kaiserslautern/40:24 Minuten) deutlich distanzierte. „Die Anstiege hier sind eben schwer, gerade am Schluss, sagt Keller.
Rekordsieger André Bour (Bodymed-Center Ramstein-Miesenbach) kam als 33. mit einer Zeit von 38:54 Minuten ins Ziel.