Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel 40 Jahre Frankreich-Austausch am St. Franziskus: Mutter und Tochter berichten

Freuen sich auf eine schöne gemeinsame Zeit: Clara (links) und Mutter Corinna Hauck sowie Austauschschülerin Rachel direkt nach
Freuen sich auf eine schöne gemeinsame Zeit: Clara (links) und Mutter Corinna Hauck sowie Austauschschülerin Rachel direkt nach ihrer Ankunft am Freitag.

Nach ihrem Besuch in der französischen Gemeinde Vercel im Oktober darf Clara Hauck, Schülerin am St. Franziskus, nun ihre Austauschpartnerin in Kaiserslautern begrüßen. Clara ist bereits die zweite Frau der Familie, die beim seit 40 Jahren bestehenden Austausch mit der Schule in der rheinland-pfälzischen Partnerregion Burgund-Franche-Comté teilgenommen hat.

Wie es am Collège Sacré-Coeur mit seinen 200 Schülern mitten im ländlich geprägten Vercel so zugeht, das weiß auch die Mutter der Schülerin Clara, die jüngst auf Frankreich-Austausch war. Denn Corinna Hauck war im Jahr 1990 selbst als damalige Schülerin des St.-Franziskus-Gymnasiums und -Realschule dort zu Gast. „Meine Französischlehrerin Frau Ritz-Schubert hat uns damals begleitet“, erinnert sich Corinna Hauck. „Gut erinnern kann ich mich an Madame Jaladise, die französische Deutschlehrerin. Das war so eine herzige, nette.“

Weil sie selbst solch gute Erinnerungen an den Austausch hat, riet sie ihrer Tochter zur Teilnahme. „Es ist der Einblick in ein anderes Land, abends mit der Familie zu essen, zu erfahren: Wie kommen die Schüler dort zur Schule? Wie essen die Menschen dort? Wie ist das im Unterricht? Das ist eine ganz wichtige Erfahrung.“

Heute Google-Translate, früher Wörterbuch

Während die Verständigung für Clara heute mit Google-Translator und Messenger recht gut zu meistern ist, reiste die Mama 1990 mit dem dicken Langenscheidt im Gepäck. „Wir haben immer mal einzelne Worte nachgeschlagen, aber das war schon sehr mühsam. Mich hat die Erfahrung motiviert, weiter zu lernen, denn man hat gemerkt: Das bisher Erlernte reicht noch nicht.“

Clara hat sich auf ihren Besuch aus Frankreich gefreut und sich auch überlegt, wie sie die Tage gestalten möchte. Was soll gekocht werden – typisch deutsch? Oder lieber ein Besuch beim Lieblingsitaliener? Was soll der französische Gast von der Pfalz zu sehen bekommen?

Tochter besucht Schönheitswettbewerb für Kühe

In Vercel ist Deutschlehrerin Nadine Besançon um den Austausch bemüht. Am St. Franziskus kümmern sich Ulrich Schulik und Nathalie Sion-Demmerle um die Organisation. Die Lehrerin sagt: „Wichtig ist das Eintauchen in die fremde Kultur, das Mitleben des Familienalltags. Dazu muss man aus seiner Komfortzone hinausgehen, es verlangt viel Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Eigentlich ist es ganz egal, was man unternimmt. Das Zusammensein ist das Entscheidende, gemeinsam zu feiern und Zeit miteinander zu verbringen. Die Teilnehmer müssen sich begegnen.“

Eine ganz neue Erfahrung für Clara Hauck war bei ihrer Zeit in Frankreich bei Austauschschülerin Rachel der Besuch eines Schönheitswettbewerbs für Kühe. Sion-Demmerle berichtet von deutschen Schülerinnen, die es sich nicht nehmen ließen, beim Putzen und Fertigmachen der Kühe ihrer Austausch-Familie tatkräftig mit anzupacken. Auch jenseits des Wettbewerbs anfallende Hofarbeit hätten sie mit Leidenschaft in Angriff genommen.

Mutter feiert drei Tage bei Hochzeit mit

An die Zeit in und mit der Familie kann sich Corinna Hauck lebhaft erinnern. „Das war schon spannend – so zum ersten Mal alleine von zu Hause weg. Meine Austauschschülerin hieß Christelle. Sie war ein lebhaftes Mädchen – zu Hause weniger, aber wenn wir im Bus gefahren sind, hat sie den ganzen Bus aufgemischt“, berichtet sie. „In meiner Zeit dort hat ein Onkel der Familie geheiratet. Also sind wir freitags zu der Hochzeit irgendwo in der Region gefahren und dann wurde drei Tage lang gefeiert.“ Auch dies sei ein ganz besonderes Erlebnis. „Das Essen dauerte ewig und ich erinnere mich an die Schärpe des Bürgermeisters, der die Trauzeremonie durchgeführt hat.“

Nicht nur die Anzahl der Schüler am Collège Sacré-Coeur, auch der Tagesablauf ist ein anderer als am St. Franziskus. Statt kurz vor 8 Uhr beginnt der Unterricht dort um 9 Uhr. Die zeitliche Umstellung wird wohl auch für Rachel, Claras Austauschpartnerin, nicht ganz einfach sein. „In Frankreich hatten wir morgens ganz viel Zeit zum Fertigmachen“, berichtet die Zwölfjährige. Selbst für ein Spiel vor Schulstart war noch Zeit. Das wird anders sein, wenn der Schulbus in Otterbach bereits um kurz nach 7 Uhr wartet.

Am Samstag wird gefeiert

Mit großer Vorfreude sehen Corinna und Clara Hauck der Jubiläumsfeier am Samstag entgegen. Eigens für diesen Abend reist Schulleiterin Madame Deau mit ihrem Kollegium aus Vercel per Bus an. Neben einem bilderreichen Rückblick auf die vergangenen Jahre wird die Musik im Mittelpunkt stehen. Während am St. Franziskus Andrea Liese Mittelstufen-Chor, Orchester und den FELS-Chor – bestehend aus Freunden, Ehemaligen, Eltern, Lehrkräften und Austauschschülerinnen – auf ihren Auftritt vorbereitet, zeichnet auf französischer Seite Madame Zéhalo für den richtigen Ton verantwortlich. Rund 80 deutsch-französische Mitwirkende werden dann gemeinsam „Freude schöner Götterfunken“ anstimmen.

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