Betze-Geflüster RHEINPFALZ Plus Artikel 3,2 Kilometer vom Stadion entfernt

Legendärer Moment für die Teufelskerle Süd: Zur Feier ihres Jubiläums haben sie die Kopie des DFB-Pokals aus dem FCK-Museums bek
Legendärer Moment für die Teufelskerle Süd: Zur Feier ihres Jubiläums haben sie die Kopie des DFB-Pokals aus dem FCK-Museums bekommen und sich im Paulaner Bräuhaus am Kapuzinerplatz um sie geschart.

So nah waren die Teufelskerle Süd ihrem FCK schon lange nicht mehr, und doch wird’s wieder nichts mit Anfeuern auf der Tribüne, Fahnen schwenken und Schals hochhalten: Der FCK spielt in München ein Geisterspiel gegen Türkgücü und seine Fans aus der bayrischen Landeshauptstadt sitzen 3,2 Kilometer Luftlinie entfernt im Stadion an der Schleißheimer Straße und verfolgen ihren FCK auf dem Bildschirm.

Das „Stadion“ ist die Fußballkneipe, in der sich die Teufelskerle regelmäßig treffen, fachsimpeln, ihre Mannschaft anfeuern und über die Pfalz plaudern. Denn viele der Mitglieder haben Verbindungen in die Pfalz. Beispielsweise der Vorsitzende, Manfred Kotowski. Er ist in Schrollbach bei Ramstein aufgewachsen, war in Lautern auf der Meisterschule, hat sie als Elektromechanikermeister abgeschlossen und in der Pfalz keinen Job gefunden. Er ist dann mit seiner Frau, die aus Niedermohr stammt, gen München gezogen, wohnt jetzt in Vierkirchen bei Dachau, fühlt sich wohl in seiner Wahlheimat, aber eins aus der Pfalz vermisst er doch sehr: seinen FCK.

Die zündende Idee

An „Fasching 1973“ hat es ihn gepackt. Der heute 62-Jährige erlebte sein erstes Spiel auf dem Betze, war dann bis 1985 bei fast jedem Heimspiel. Der Umzug nach München erschwerte das Fanleben etwas, Manfred Kotowski konzentrierte sich auf die Auswärtsspiele des FCK im süddeutschen Raum. Am Ende der Saison 2006/2007 hatten er, sein Freund und zwei weitere FCK-Fans die Idee, einen Fanclub zu gründen. Den Worten folgten Taten.

Gründung im Stadion

Am 21. Oktober 2007 wurde der Club im „Stadion an der Schleißheimerstraße“ gegründet. Inzwischen hat er 107 Mitglieder, zwei Drittel davon sind Pfälzer, die in ganz Deutschland wohnen, einige in und um Kaiserslautern, viele in und um München. Sie haben viele Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt und viele verrückte Geschichten. Beispielsweise, als der FCK in die Erste Liga zurückkehrte und sie ihr Versprechen wahrmachen mussten, dass sie im Falle des Aufstieges mit dem Rad nach Kaiserslautern fahren würden. Sieben Tage brauchten die zehn Fans für die 530 Kilometer lange Strecke. Dann war da noch die Reise nach London zum Spiel in Brentford in der Saison 2016/17. Die Fahrt mit dem ehemaligen Mannschaftsbus des HSV zum Relegationsspiel nach Kaiserslautern. Eine Abschlussfahrt zum Fritz-Walter-Haus mit anschließendem Besuch im FCK-Museum, unzählige Zugfahrten zu den Spielen. Die Fahrten zu den Spielen der Rollstuhlbasketballer des FCK, wo die Teufelskerle in Augsburg und München auftauchten und die Rolling Devils anfeuerten. Und dann war da noch die Sache mit dem DFB-Pokal, den sie sich für ihre Jubiläumsfeier zum zehnten Geburtstag wünschten. Sie bekamen das Replikat aus dem FCK-Museum ausgeliehen.

Soziale Ader

Was den Club noch besonders macht, ist die soziale Ader der Mitglieder. Tausende von Euro flossen inzwischen in Hilfsaktionen wie Mama/Papa hat Krebs, zu den Flutopfern im Ahrtal, an Bedürftige und Kranke. „Das gemeinschaftliche Miteinander ist bei uns was Besonderes“, sagt Manfred Kotowski, der schon ein wenig leidet in Anbetracht der Tatsache, dass Corona das Zusammentreffen mit seinem Lieblingsverein so erschwert. „In der letzten Saison waren die vier Spiele hier wegen Corona nicht möglich. Wir hofften auf Türkgücü.“ Die letzte Option ist jetzt das Spiel bei den Münchner Löwen, „aber das fällt wohl auch ins Wasser“.

Das große Stadion

Auf Türkgücü hatten sich alle gefreut. „Zwei-, zweieinhalbtausend Zuschauer im großen Stadion. Das hätte Spaß gemacht.“ Der abgewandelte Fanausflug der Teufelskerle sieht jetzt so aus: Sie treffen sich im „Stadion an der Schleißheimerstraße“, der preisgekrönten Fußballkneipe von Holle und Michel, in der es eine kleine Tribüne mit drei Sitzreihen gibt, einen Spielertunnel, zwei große Leinwände und drei bis vier Fernseher, über die das FCK-Spiel flimmert. Es gibt Currywurst mit Pommes und Franziskanerweizen und ein gutes Spiel. Davon ist Manfred Kotowski überzeugt. „Die gewinnen“, versichert er. „Bei Türkgücü ist Unruhe im Verein, sie haben wieder einen neuen Trainer.“ Und beim FCK läuft’s schließlich, erklärt der Vorsitzende mit ein bisschen Wehmut in der Stimme. Und mit ein bisschen Hoffnung, dass vielleicht doch irgendwas geht, wenn der FCK im Januar wieder in München ist.

Maria Huber
Maria Huber

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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