Kaiserslautern 14 Stunden volle Konzentration: Wie die Landesmeisterschaften im Skat abliefen
„Man braucht eine lange Zeit, um das Spiel halbwegs vernünftig zu können“, sagt Andreas Träm vom Skatverband Rheinland-Pfalz/Saarland, der als Spielleiter die Landesmeisterschaften im Eintracht-Sportpark in Kaiserslautern überwachte. Daher sei es auch schwierig, Nachwuchs zu bekommen.
„Die Leute werden immer älter“, stellt Träm fest. Ein Blick auf das 200 Personen starke Teilnehmerfeld unterstreicht diese Aussage. „Es hat sich alles geändert. Früher wurde in jeder Kneipe Karten gespielt. Heute gibt es kaum noch Kneipen, und in denen, die es noch gibt, wird kaum noch Karten gespielt“, erläutert Träm. Also müsse man sich die Leute auf anderem Wege suchen. Der Verband sei im Bereich des Hochschulsports sehr aktiv – etwa in Saarbrücken–, geht aber auch in Schulen und bietet dort Kurse an, um die Jugendlichen für Skat zu begeistern.
Ein nach wie vor bewährter Weg sei der über die eigene Familie. Träm: „Viele kommen früh durch ihre Eltern oder Großeltern mit Skat in Kontakt, es wird in den Familien weitergegeben.“ Allerdings verliere sich das bei den meisten Jugendlichen – spätestens, wenn andere Dinge wie Partnerschaft und Studium in den Vordergrund rückten.
Komplexe Regeln, umfangreiches Turnier
Die Landesmeisterschaft im Eintracht-Sportpark war eine Zwischenstufe auf dem Weg zu den Deutschen Meisterschaften in Magdeburg im Juni. Los ging es zunächst in den vier Verbandsgruppen Trier/Eifel, Rheinhessen/Nahe, Saarland und Pfalz, wo sich die Besten für das Turnier in Kaiserslautern qualifizierten. Dort traten 134 Herren, 17 Damen und 32 Senioren an. Die besten 18 Herren, drei Damen und sechs Senioren qualifizierten sich für die Deutsche Meisterschaft: „Wir hatten schon mehrfach Deutsche Meister aus unserem Verband. Die Spieler tun uns alle Ehre“, erzählt Träm.
Gespielt wurde über ein gesamtes Wochenende. Sieben Runden, die jeweils etwa zwei Stunden dauern, mit 48 Spielen pro Runde ergeben eine Gesamtspielzeit von 14 Stunden. „Das ist hochkonzentriertes Arbeiten. Es ist total schwierig, die Konzentration die ganze Zeit über hochzuhalten. Man ist dauerhaft angespannt, muss die eigenen Augen und die der Gegner mitzählen, jeden Stich nachvollziehen, konstant mitrechnen, die eigenen Züge vorausplanen und die Reaktion des Gegners vorhersehen. Das taktische Geplänkel ist ganz wichtig“, erklärt Träm. Immerhin gab es nach jeder Runde 15 Minuten Pause, für Speis und Trank war ebenfalls gesorgt. Viele Teilnehmer, die von weiter weg anreisten, übernachteten in Kaiserslautern.
Wettkampf online mitverfolgen
Die einzelnen Runden werden an Vierertischen gespielt, die nach jeder Runde wechseln. Einer der vier Spieler gibt die Karten, während die anderen drei spielen. Vor jedem Spiel wechselt der Kartengeber, sodass alle auf 48 Spiele pro Runde kommt. Während die Zusammensetzung der Tische vor der ersten Runde noch gelost wird, wird anschließend nach Punkten besetzt. Die vier zum jeweiligen Zeitpunkt besten Spieler treten an Tisch eins gegeneinander an, die vier nächstbesten an Tisch zwei, und so weiter. Auf jedem Tisch liegen Tablets, auf denen die aktuellen Ergebnisse notiert werden. „Wir sind sehr digitalisiert. So behalten wir alles zu jeder Zeit im Überblick“, erklärt Träm.
Dadurch können Familie, Freunde und Fans den Wettbewerb online von zu Hause aus mitverfolgen. Die fortschreitende Digitalisierung zeigt sich auch darin, dass es mittlerweile Onlinespiele in Einzelmeisterschaften gibt. Zudem „spielen Mannschaften aus unserem Verband in der Online-Bundesliga“, wie Träm erzählt.
Wie Skat funktioniert
Die Regeln des Spiels sind komplex. Gespielt wird mit einem klassischen 32-Karten-Deck – von sieben bis Ass in den Farben Kreuz, Pik, Herz und Karo. Jeder der drei Spieler erhält zehn Karten. Die verbleibenden zwei werden zunächst zur Seite gelegt, sie bilden den namensgebenden Skat – vom Französischen „escarter“, was etwa mit „ablegen“ übersetzt werden kann. Es spielt immer ein Alleinspieler gegen zwei Gegenspieler. Ziel ist es, durch Reizen das Spielrecht zu erlangen, also zum Alleinspieler zu werden und 61 von 120 möglichen Augen zu sammeln.
Die Augen setzen sich aus den Kartenwerten zusammen. Der Alleinspieler darf zudem den Skat aufnehmen, um sein Deck weiter zu verbessern. Das Reizen, auch Auktion genannt, erfolgt in der Reihenfolge Geben, Hören, Sagen, Weitersagen. Gereizt wird in 18er-Schritten. Es gibt je nach Spielart verschiedene Trümpfe, die Buben sind jedoch immer Trumpf. Gespielt wird in zehn Stichen. Nicht jeder Sieg ist gleichviel wert. Die Punkte werden nach jedem Spiel errechnet und am Ende zu einer Gesamtpunktzahl zusammengezählt. Gesamtsieger mit 8183 Punkten wurde am Ende Helmut Zapp vom SV Hillesheim. Nach ihm gelang es nur Manfred Michels von der „Herz Dame Schönberg“, mehr als 8000 Punkte zu sammeln. Er wurde mit 8128 Punkten Zweiter.