Kaiserslautern 1000 Besucher im ersten Jahr
Für viele ist das historische Gebäude der Friedenskapelle zu einer beliebten Anlaufstelle geworden. Eine Bereicherung ist das Anwesen auch für die Volkshochschule Kaiserslautern (VHS), sind die Räumlichkeiten seit einem Jahr doch für sie zu einer Außenstelle im Osten der Stadt geworden.
„Unser Konzept, eine soziokulturelle Begegnungsstätte einzurichten, ist voll aufgegangen“, so Michael Staudt. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ gibt der Leiter der Volkshochschule am Beispiel der Friedenskapelle einen Einblick in die Erfolgsgeschichte Kaiserslauterer Kultur- und Bildungsarbeit der VHS. Im September wird es ein Jahr, dass die VHS das 1835 als Leichenhalle errichtete Gebäude im klassizistischen Stil von der Stadt für drei Jahre angemietet hat und dafür Miete zahlt. Seit dieser Zeit hat sich das Gebäude mit Leben gefüllt. In Kooperation mit dem Kulturreferat der Stadt Kaiserslautern und der Zukunftsinitiative Westpfalz konnten die Pläne Stück für Stück forciert und umgesetzt werden. „Rund 1000 Besucher haben an den Veranstaltungen der VHS in der Friedenshalle im ersten Jahr teilgenommen“, zieht Staudt eine positive Bilanz. Zahlreiche sehr gut besuchte Veranstaltungen zeugten davon, dass das Gebäude und das Konzept von der Bevölkerung und der Nachbarschaft angenommen werde. Vor allem sei der Bau kein lebloser Fremdkörper mehr im Wohngebiet, sondern sei zu einer beliebten Begegnungsstätte im Wohnviertel geworden. Für die Koordination der Veranstaltungen in der Friedenskapelle hat die VHS den Sozialpädagogen Johannes Schmitt gewinnen können. Jeden Vormittag lernen dort 20 Teilnehmer von Integrationskursen Deutsch und bereiten sich auf die Sprachprüfung „Leben in Deutschland“ vor. Zweimal die Woche nachmittags bietet die Initiative „Lucky Punch“, die die Friedenskapelle angemietet hat, für Kinder und Jugendliche aus dem Viertel therapeutisches Boxen an. An Abenden und Wochenenden hat die VHS in den letzten Monaten zahlreiche Lesungen angeboten: Ahmad Mansour referierte vor vollem Haus über die „Generation Allah“, Tanja Kuchenbecker stellte die erste deutschsprachige Biographie über Marine le Pen vor, und Johannes Ehrmann und Tijan Silas stellten ihre Debütromane vor. Weitere regionale Autoren präsentierten sich ihrem Heimpublikum. Daneben gab es Vortragsreihen zu Recht in Deutschland und zu Erlebnisberichten von Flüchtlingen über ihre Flucht nach Deutschland. Enger Kontakt besteht zum Stadtteilbüro und dem Verein Asternweg. Etabliert wurde ein Erzählcafé für Senioren, das einmal im Monat stattfindet. Um weitere Spenden für die Renovierung des Gebäudes einzuwerben, lud der Verein für Baukultur und Stadtgestaltung zu einem Weihnachtskonzert mit dem Schubertchor ein. Höhepunkt im Sommer sei die zweite Beteiligung an der Langen Nacht der Kultur gewesen, erinnert Staudt. „Mit einem ausgewählten Kinder-, Kunst- und Musikprogramm war die Friedenskapelle in der Langen Nacht außerordentlich gut besucht, die Stimmung ausgelassen.“ Ein wichtiger Bestandteil des Nutzungskonzepts der Friedenskapelle ist die Kinder- und Jugendarbeit. Aktuell findet in den Räumlichkeiten ein Talentcampus für Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren mit Migrationshintergrund statt. In Kooperation mit dem ASZ gibt es ein besonderes Programm für 20 Flüchtlingskinder. Vormittags verbessern sie ihre Deutschkenntnisse, nachmittags werden aus ihnen Künstler, Fotografen, Schauspieler und Literaten. „Frida“, der neue Name für das Jugendkulturangebot in der Friedenskapelle, setzt sich nach den Worten Staudts als Name für die kulturelle Bildung und Integrationsbemühungen für Kinder und Jugendliche immer weiter durch. Im neuen Semester wird die VHS die Friedenskapelle für zahlreiche neue Veranstaltungen nutzen. Für Konzerte in Kooperation mit dem Kulturreferat der Stadt und der Initiative Kunstgriff. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Engagement regionaler Künstler. Die Musikschule hat einen Konzertflügel zur Verfügung gestellt, der die Konzertmöglichkeiten erweitert. Im November wird das Chawwerrusch-Theater mit dem Stück „Oh Romeo“ zu Gast sein. Zudem setzt die Volkshochschule weiter auf besondere Lesungen aus dem Bereich politischer Bildung und der Literatur. Ganz neu ist auch eine online gestützte Reihe „Smart democrazy“ mit moderierten Online-Kursen zu wichtigen aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Durch Spenden war es der VHS möglich, in die Licht- und Tontechnik sowie in die Küchenausstattung zu investieren. Dadurch kann die Friedenskapelle auch als privater Veranstaltungsort gemietet werden.