Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel 100 Jahre Handball in Dansenberg: Kleines Dorf mit großen Sport-Ambitionen

1924: Die erste Handballmannschaft des damals als TV Dansenberg bezeichneten Vereins beim Gründungsspiel gegen den TV Mutterstad
1924: Die erste Handballmannschaft des damals als TV Dansenberg bezeichneten Vereins beim Gründungsspiel gegen den TV Mutterstadt.

Seit dem Jahr 1924 wird in Dansenberg Handball gespielt. Der TuS gehört als Drittligist zu den 100 besten Vereinen in Deutschland. Die 100-jährige Handball-Geschichte kennt Auf- und Abstiege und auch eine Zwangsabmeldung der ersten Mannschaft.

Zunächst wurde in Dansenberg auf dem Feld Handball gespielt. Im Jahr 1960 gelang mit dem Gewinn der Südwestdeutschen Meisterschaft der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Mitte der 1960er Jahre wurde der Spielbetrieb in die eigene Halle verlagert, wo der TuS zweimal den Aufstieg in die Zweite Handballbundesliga erreichte. Nach der Zwangsabmeldung im Jahr 1993 und folgenden turbulenten Jahrzehnten spielt der Verein seit 2017 wieder in der dritten Liga.

Der Ursprung des heutigen TuS 04 Kaiserslautern-Dansenberg reicht ins Jahr 1904 zurück. Damals gründete Karl Woll mit 16 Gleichgesinnten den TV Dansenberg als reinen Turnverein. Im Frühjahr 1924 war es dann Turner David Benkel, der die Handballabteilung ins Leben rief. Diese trug ihr erstes Spiel noch im selben Jahr gegen Mutterstadt aus. So ist denn auch die am Samstag, 13. April, 18 Uhr, anstehende Partie als Jubiläumsspiel deklariert worden: Die dritte Herrenmannschaft des TuS tritt in der Verbandsliga gegen die HSG Mutterstadt/Ruchheim an.

Vereinsname mehrfach geändert

Vor 100 Jahren konnten schnell erste Erfolge eingefahren werden: 1926 stieg man in die höchste pfälzische Spielklasse auf, nur ein Jahr später in die Gauklasse, die damals höchste Spielklasse im Südwesten. Diese konnte dann auch bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs gehalten werden.

Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach Kriegsende war kein leichtes Unterfangen. Unter der französischen Besatzungsmacht gab es viele Regularien und Auflagen, welche das Vereinsleben erschwerten. So musste beispielsweise jedes Spiel einzeln genehmigt werden. Doch die ehemaligen Spieler Peter Benkel, Reinhard Henrich und Johann Schwartz bauten die Handballabteilung wieder auf. Der Verein wurde zunächst als SV, später dann als SG Dansenberg geführt. 1951 erfolgte dann die Umbenennung in TuS Dansenberg, was damals noch für Turn- und Sportgemeinde stand. Seit 1970 heißt der Verein Turn- und Sportverein (TuS) 04 Kaiserslautern-Dansenberg.

FC Barcelona im Freundschaftsspiel besiegt

Ab 1950 wurde in der Pfalz auch Hallenhandball gespielt. Sowohl in der Halle, vor allem aber auf dem Feld konnten in den nächsten Jahren Erfolge und Aufstiege errungen werden. Die Feldhandballer stiegen in der Saison 1955/56 in die damals höchste deutsche Spielklasse auf. Sie wurden auf Anhieb Staffelsieger und machte sich in den nächsten Jahren auch international einen Namen. Zu den Top-Spielen kamen bis zu 4000 Zuschauer auf den Handballplatz in Dansenberg, obwohl die Gemeinde damals nur etwa 800 Einwohner hatte. Immer wieder kamen internationale Topteams zu Freundschaftsspielen. Der spanische Spitzenclub und sechsfache Meister FC Barcelona wurde im Juli 1958 mit 20:9 in Dansenberg besiegt.

1960 gelang dann der große Wurf: Der kleine Dorfverein errang unter Spielführer Karl Woll die Südwestdeutsche Meisterschaft und qualifizierte sich damit für die Endrunde um die gesamtdeutsche Meisterschaft. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. In der Vorrunde bezwang man vor etwa 10.000 Zuschauern auf dem Betzenberg, wo das Spiel aus Platzgründen ausgetragen wurde, den TSV Roth mit 14:11. Doch im Viertelfinale unterlag die Mannschaft Titelverteidiger TuS Lintfort mit 8:22. 1964 wurde der TuS erneut Staffelsieger und 1967 unterlag man in Butzbach Harleshausen im Entscheidungsspiel um die Südwestdeutsche Meisterschaft knapp mit 10:12.

Neue Halle ist zu klein

Auch in der Halle konnten frühe Erfolge gefeiert werden, in der Oberliga gelang die Meisterschaft 1958 und 1964, im selben Jahr wurde der Verein auch südwestdeutscher Vizemeister.

1966 war dann auch endlich die eigenen Halle fertiggestellt. Doch sie war zu klein, entsprach nicht den Regularien, so dass die erste Mannschaft weiterhin auf der Vogelweh ihre Heimspiele austragen musste. 1968 gewann Dansenberg die Pfalzmeisterschaft und qualifizierte sich damit für ein Aufstiegsspiel in die zwei Jahre zuvor geschaffene Erste Handballbundesliga. Dieses ging gegen den TV Großwallstadt denkbar knapp verloren, dennoch stieg der Verein in die Regionalliga, die zweithöchste deutsche Spielklasse auf.

Im Jahr 1969 endete dann die glorreiche Zeit vorerst. Die Leistungsträger wurden älter und beendeten ihre Karrieren, und aus dem Nachwuchs kam niemand nach, um sie zu ersetzen. So folgten mehrere Abstiege, ehe unter Trainer Heinz Bergkemper 1975 wieder der Aufstieg in die Oberliga gelang.

Lutz Kiefer und Thomas Woll sorgen für Erfolge

Der TuS beendete die letzten beiden Feldhandballrunden 1977 und 1978 jeweils als Pfalzmeister. Danach wurde nur noch in der Halle gespielt. Im Jahr 1977 wurde auch die Hallenmannschaft Pfalzmeister und errang damit den langersehnten Wiederaufstieg in die Regionalliga Südwest. Von der angekurbelten Jugendarbeit zeugt, dass die B-Jugend im Jahr 1982 Dritter bei der Deutschen Meisterschaft wurde.

Bei den Herren sorgte Trainer Lutz Kiefer, der in der Saison 1977/78 übernahm, für neuen Wind. 1981 verpasste der Verein als Neunter die Qualifikation zur neugegründeten Zweiten Handballbundesliga. Zwei Jahre später gelang der Aufstieg – doch zum Saisonende ging es direkt wieder runter. Davon ließ sich die junge Mannschaft jedoch nicht beeindrucken. Man hatte Blut geleckt und wusste nun, dass ein Aufstieg in die Zweite Handballbundesliga möglich war. So begann für die nächsten sieben Jahre die Jagd auf den Wiederaufstieg.

Im Jahr 1987 wurde Thomas Woll Trainer der ersten Mannschaft und gewann auf Anhieb zwei Mal in Folge die Regionalliga. Zwei Jahre später kehrte Kurt Weber als zweimaliger Toptorschütze der zweiten Liga zurück. 1991 gelang dann endlich in einem dramatischen dritten Entscheidungsspiel auf neutralem Boden in Hüttenberg der Aufsteig: 27:26 stand es nach Verlängerung gegen die MT Melsungen beim Schlusspfiff. Neun der 14 Spieler stammten damals aus Dansenberg. Ein Riesenerfolg für den Dorfverein.

Gemeinnützigkeit wird entzogen

Doch es sollte noch besser kommen. Mit der Rückkehr des „Ur-Dansenbergers“ Stephan Henrich, der Nationalspieler, Deutscher Meister und Europapokalsieger war, gelang ein echter Transfercoup. Die Blicke richteten sich in Richtung Erste Handballbundesliga. Eine Handball GmbH wurde gegründet. Mit der Verpflichtung des russischen Nationaltorwarts und Olympiasiegers Andrei Lavrov gelang ein weiterer Coup.

Doch es folgte ein tiefer Fall im Jahr 1993: In der sogenannten Finanzamt-Affäre wurde dem Gesamtverein aufgrund steuerrechtlicher Ungereimtheiten die Gemeinnützigkeit entzogen, und in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde die Abmeldung der ersten Mannschaft aus der Zweiten Handballbundesliga beschlossen. Das Team zerstreute sich, und die bisherige zweite Mannschaft, welche in der Verbandsliga antrat, wurde zur ersten Mannschaft. Eben in jenem Jahr gelang der C-Jugend der Dansenberger der größte Erfolg der Vereinsgeschichte im Jugendbereich: die gesamtdeutsche Vizemeisterschaft.

Aktuell Kampf gegen den Abstieg

Es folgten turbulente Jahre in den unteren Klassen des Pfälzer Handballs. Erst im Jahr 1997 erhielt der Verein die Gemeinnützigkeit zurück. Um die Jahrtausendwende stabilisierte sich der TuS, und so gelang schließlich in der Saison 2001/02 der Aufstieg in die neugegründete Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar (ORPS), die vierthöchste deutsche Spielklasse.

Im Frühjahr 2005 begann der dringend notwendige Komplettumbau der mittlerweile baufällig gewordenen Halle, welcher ein Jahr später abgeschlossen wurde. Nach dem Wiederaufstieg im Jahr 2010 etablierte sich der Verein als Mittelfeldteam in der ORPS, ehe der TuS unter der Leitung des ambitionierten Teammanagers Alexander Schmitt nach mehr strebte. So gelang dann in der Saison 2016/17 unter Trainer Marco Sliwa der langersehnte Aufstieg in die dritte Liga, der TuS gehört wieder zu den 100 besten Vereinen Deutschlands.

Seit 2021 durchläuft der Verein wieder eine sehr turbulente Zeit mit vielen Trainerwechseln, mehreren Kaderumbrüchen und Veränderungen in der Vereinsführung, was für viel Unruhe gesorgt hat. In der laufenden Saison kämpft der TuS gegen den Abstieg.

1960: Diese Mannschaft errang die südwestdeutsche Meisterschaft im Feldhandball und erreichte das Viertelfinale in der Endrunde
1960: Diese Mannschaft errang die südwestdeutsche Meisterschaft im Feldhandball und erreichte das Viertelfinale in der Endrunde um die gesamtdeutsche Meisterschaft.
1983/84: Die erste Mannschaft des TuS spielt in der Zweiten Handballbundesliga.
1983/84: Die erste Mannschaft des TuS spielt in der Zweiten Handballbundesliga.
1991/92: Und wieder hat es die erste Mannschaft des TuS in die Zweite Handballbundesliga geschafft.
1991/92: Und wieder hat es die erste Mannschaft des TuS in die Zweite Handballbundesliga geschafft.
1992/93: Die C-Jugend des TuS erringt die gesamtdeutsche Vizemeisterschaft. Der größte Erfolg für die Jugend des Vereins.
1992/93: Die C-Jugend des TuS erringt die gesamtdeutsche Vizemeisterschaft. Der größte Erfolg für die Jugend des Vereins.
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