Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel 1. FFC Kaiserslautern: Frauen übernehmen Fußballzentrum West

Die Herausforderungen auf dem ehemaligen Gelände des ESC West sind groß. Aber mit Tatkraft und Optimismus will sie Marcus Muders
Die Herausforderungen auf dem ehemaligen Gelände des ESC West sind groß. Aber mit Tatkraft und Optimismus will sie Marcus Muders, der Vorsitzende des 1. FFC Kaiserslautern, angehen.

Der obere Rasenplatz wurde erst kürzlich aufwendig restauriert. Jetzt hat der 1. FFC Kaiserslautern auch formal die Regie auf dem ehemaligen Gelände des ESC West übernommen, während der bisherige „Mitbewohner“ SV Morlautern seine Aktivitäten auf den Kieferberg konzentrieren will. Für den 1. FCK ist der Frauenfußballclub ein „möglicher Kooperationspartner“.

Am Dienstagnachmittag wurde der Deal endgültig eingefädelt. Vertreter beider Clubs haben bei einem Notar in Frankenthal die entsprechenden Verträge rückwirkend zum 1. September unterschrieben und damit den Weg freigemacht für eine neue Ära auf dem ehemaligen ESC West-Gelände.

Und es gibt jede Menge zu tun auf dem rund 45.000 Quadratmeter großen Areal im Westen der Stadt. Eine Mammutaufgabe, wie auch FFC-Vorsitzender Marcus Muders weiß. Die Umkleidekabinen wurden vor wenigen Jahren notdürftig hergerichtet, doch ein Wohnhaus, die Geschäftsstelle und das alte Sportheim sind wohl kaum zu retten. Ob die ehemalige Anlage der ESC-Sportschützen noch einmal zu verpachten ist, muss sich erst noch zeigen. Doch Bange machen gilt nicht: Der 1. FFC Kaiserslautern schickt sich an, dem Gelände neues Leben einzuhauchen.

In Erbpacht

Der Parkplatz und die Gebäude befinden sich in Erbpacht, hier hat der 1. FFC den SV Morlautern komplett aus dem Vertrag abgelöst. Auch der eigentliche Pachtvertrag für das knapp 20.000 Quadratmeter große Sportgelände, den sich der SVM und der FFC hälftig geteilt hatten, wurde nun auf den Frauen-Fußballclub überschrieben. Über diese Schritte will der SVM bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 22. Dezember informieren.

FFC-Vorsitzender Marcus Muders weiß um die bevorstehenden Herausforderungen: „Wenn ich alleine schon die Bürgersteige sehe, die regelmäßig von der Stadt zu reinigen sind, dann kommt da einiges auf uns zu.“ Er verweist auf starke Partner und Unterstützer. Allein die jährlichen Kosten für die Unterhaltung schätzt Muders auf 40.000 Euro. Doch er ist zuversichtlich: „Wir brauchen einen langen Atem, aber die nächsten drei Jahre sind finanziell durchgeplant.“

Rührige Trainingsarbeit

Der rund 200 Mitglieder starke Verein ist bereits im Sommer 2021 von Sembach nach Kaiserslautern umgezogen, teilte sich fortan die Anlage mit dem SV Morlautern. Insgesamt verfügt der 1. FFC Kaiserslautern aktuell über zwei aktive Mannschaften sowie sieben Jugendmannschaften, darunter seit Kurzem ein Inklusionsteam. Die rührige Trainingsarbeit zahlt sich aus. So beendete die U17 die Hinrunde der Regionalliga als Herbstmeister und träumt vom Aufstieg in die Bundesliga.

Gute und wichtige Arbeit

Auch dem „großen Nachbarn“ vom Betzenberg blieb das Engagement des 1. FFC nicht verborgen. Und weil immer mal wieder beim 1. FC Kaiserslautern über die Gründung einer Frauenmannschaft gesprochen wird, bestehen seit geraumer Zeit auch engere Kontakte zwischen den beiden Vereinen. Wolfgang Erfurt, Vorstandsvorsitzender des 1. FCK e. V., bestätigte auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass sich beide Vereine im Austausch befänden: „Wir hoffen, soweit dies unsere Kapazitäten zulassen, dass wir diese Gespräche zeitnah vertiefen können.“ Der 1. FFC sei durch die gute und wichtige Arbeit ein „möglicher Kooperationspartner“.

Professionelles Vereinsumfeld

Natürlich beobachtet auch der 1. FC Kaiserslautern die Entwicklungen im Frauenfußball „mit Interesse und großer Freude, aktuell jedoch noch von außen“, wie Erfurt einschränkt. „Wir werden hier aber sicherlich Aktivitäten ins Auge fassen, sobald wir die dazu notwendigen Rahmenbedingungen schaffen können.“ Unabhängig von den Gesprächen mit dem FCK will sich der 1. FFC Kaiserslautern als Förder- und Leistungszentrum weiblich (FLZW) bewerben. Analog zu den Leistungszentren der Junioren sollen nach dem Willen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) künftig Perspektiv-Spielerinnen systematisch in einem professionellen Vereinsumfeld auf den Fußball in den höchsten Spielklassen vorbereitet und gefördert werden.

„Gesund und nachhaltig“

Pascal Heinkele, zweiter Vorsitzender des SV Morlautern, betonte im RHEINPFALZ-Gespräch, dass sich sein Verein zukünftig auf das Gelände auf dem Kieferberg konzentrieren werde. Die im Mai neu gewählte Vorstandschaft wolle den Verein dauerhaft „gesund und nachhaltig aufstellen“. Das Gelände in der Vogelwoogstraße sei „toll, aber für uns kaum zu bewirtschaften“, so Heinkele.

Dabei wäre der Bedarf durchaus vorhanden: Drei aktive, eine AH- und 14 Jugendmannschaften beheimatet der SVM aktuell, viele Kinder sind in den letzten Wochen dazugekommen, so Heinkele. Inzwischen zählt der Verein stolze 600 Mitglieder. Das spricht für gute Arbeit.

Restaurierung durch Greenkeeper

Doch lange Zeit stand nur der Kunstrasen zur Verfügung, da der Rasenplatz eher einer naturbelassenen Wildwiese glich. Seit einigen Wochen kann dort nach aufwendiger Restaurierung durch Greenkeeper Steffen Köhler endlich wieder Fußball gespielt werden. Der Verein will weiteres Geld in die Hand nehmen, um in das Licht und die Bewässerung zu investieren. Sollte in Zukunft weiterer Bedarf entstehen, hätte der SVM nach den Worten Heinkeles noch Optionen neben dem Rasenplatz. Ideen gibt es genug: Kleinfelder für den Jugendspielbetrieb, mittelfristig vielleicht sogar ein Bolzplatz. Zukunftsmusik. „Wir fokussieren uns jetzt ganz auf unser eigenes Gelände.“

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