Kaiserslautern Übers Wetter reden allein reicht nicht

Sieht aus wie Venedig, ist aber die Burgstraße, aufgenommen nach dem Wolkenbruch am vorvergangenen Sonntag. Solche Starkregenere
Sieht aus wie Venedig, ist aber die Burgstraße, aufgenommen nach dem Wolkenbruch am vorvergangenen Sonntag. Solche Starkregenereignisse nehmen in den kommenden Jahren zu, sagen Experten.

Der 27. Mai wird vielen Besuchern der Lauterer Innenstadt als der verkaufsoffene Sonntag in Erinnerung bleiben, an dem nur wenige Menschen trockenen Fußes wieder nach Hause kamen. Ein Platzregen hatte die Innenstadt in eine Seenlandschaft verwandelt. Um gegen solche Wetterkapriolen besser gewappnet zu sein, arbeitet die Stadt an einem Klimaanpassungskonzept. Bis Ende des Jahres soll es fertig sein, danach wird es den Bürgern vorgestellt.

Das schlimme Unwetter Ende Mai war nicht der Auslöser für das Engagement der Stadt in Sachen Klimaanpassungsstrategie. Die Überlegungen in der Sache gibt es schon weitaus länger. Ende Mai 2016 etwa ging in Morlautern ein schweres Unwetter nieder. Im Nachgang wurde eine Arbeitsgruppe „Extremwetterereignisse“ gegründet, die sich mit den Auswirkungen solcher schweren Unwetter auseinandersetzte. Dort saßen Fachleute aus unterschiedlichen städtischen Referaten, der Stadtentwässerung, aber auch von der Feuerwehr beisammen. Nun fasst die Stadt noch ein wenig weiter und lässt ein Klimaanpassungskonzept erstellen. Grob gesagt sollen in dem Konzept Maßnahmen zusammen getragen werden, wie sich die Stadt vor den Auswirkungen des Klimawandels besser schützen kann, aber auch, was jeder einzelne Bewohner der Stadt tun kann. Mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragt sind drei Planungsbüros, Dahlem aus Darmstadt, Must aus Köln sowie Geonet aus Hannover. Der Auftakt dazu war Anfang März (wir berichteten), es folgte Ende April ein erster Workshop, ein zweiter ist für den Herbst geplant. „Es geht darum, Kaiserslautern in der Sache fit zu machen“, erklärt die Leiterin des städtischen Referats Umwelt, Bettina Dech-Pschorn. Dazu wird an einem langfristig angelegten Grundkonzept gefeilt, aber auch an einem auf die Stadt zugeschnittenen Maßnahmenkatalog, wie den Wetterkapriolen begegnet werden kann. Dazu haben die Experten in einem ersten Schritt eine Analyse des Ist-Zustandes gemacht, eine Flut von Wetterdaten miteinander verglichen, um eine vernünftige Prognose wagen zu können, auf welche Veränderungen in Sachen Wetter sich die Einwohner Kaiserslauterns in den künftigen Jahren und Jahrzehnten gefasst machen sollen. Dazu wurden beispielsweise die Wetterdaten der Jahre 1961 bis 1990 herangezogen, die darauffolgenden Jahre miteingerechnet, um so zu einer Prognose für die Jahre 2041 bis 2070 zu kommen. Eines der Ergebnisse: Starkregenereignisse – zwischen 1961 und 1990 wurden sechs solcher Ereignisse gezählt – werden in Zukunft zunehmen, die Anzahl wird sich in etwa verdoppeln. Außerdem wird es in Zukunft im Schnitt mehr heiße Tage im Jahr geben. Ebenfalls ausgewertet wurde laut Dech-Pschorn eine 2012 erstellte Analyse des Stadtklimas. Damals wurde beispielsweise untersucht, wie die Durchlüftung in der Stadt funktioniert, was unmittelbare Auswirkungen auch auf Bauvorhaben haben kann, da bestimmte Grünflächen erhalten bleiben müssen, verdeutlicht Dech-Pschorn. Im Dezember soll dann eine Strategie feststehen, erste Maßnahmen-Steckbriefe und Pilotprojekte formuliert sein. „Dann ist das Projekt aber noch nicht zu Ende“, unterstreicht Dech-Pschorn. Dann gehe es daran, auch die Bürger zu informieren. „Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“ Einwurf Info Mehr zur Klimaanpassungsstrategie findet sich auf der Homepage der Stadt www.kaiserslautern.de, hinter dem Reiter „Sozial - Leben - Wohnen“, Schlagwort Umwelt.

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