Kaiserslautern
Üben für den Berufswunsch Lokführer: Was Besucher im Regio-Werk Mitte erleben
Wer den etwas versteckt gelegenen Betriebshof auf dem Gelände seitlich des Hauptbahnhofs gefunden hatte, dem signalisierten mit Banner und rot-weißen Luftballons dekorierte Stände und Eingangsportale, das Ziel erreicht zu haben. Neben Führungen durch die Werkstatt gab es Gelegenheit, sich im Führerstand eines Elektrotriebzugs umzuschauen oder am Fahrsimulator das Steuern eines Zuges hautnah zu erleben. Nicht zu vergessen, die Info-Angebote der Bahn als Arbeitgeber.
Wo sich zuerst umschauen? In den Werkstätten, in denen Schienenfahrzeuge Instand gesetzt werden oder erst mal einen Elektrotriebzug aus nächster Nähe von außen und innen betrachten?
Fabian Zwipf (19) hat sich entschieden. „Ich will mich für eine Ausbildung als Lokführer bewerben“, sagt der junge Mann. Er steht in einer Reihe Jugendlicher, die vorab schon mal ihr Talent als Lokführer mit Hilfe eines Fahrsimulators testen wollen. Fahr- und Bremshebel fest in der Hand, konzentriert sich ein Jugendlicher vor ihm auf einen großen Bildschirm und die vor ihm liegende Gleisstrecke. Von 90 erhöht er auf 140 Kilometer pro Stunde. Da, plötzlich, signalisiert ihm ein Ausbilder im Hintergrund eine Zwangsbremsung.
Deutsche Bahn bildet nicht nur Lokführer aus
Christian Hemmer, gelernter Schlosser, Lokführer und zwischenzeitlich als Ausbilder im Trainingszentrum Saarbrücken tätig, kann das Interesse junger Leute, Zugführer werden zu wollen, nachvollziehen. „Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die gelernt und trainiert werden muss“, setzt er auf den Fahrsimulator in Aus- und Weiterbildung. Julius (13), Gymnasiast in Neustadt, hat es sich mit seinen Eltern und seinem Opa im Elektrotriebzug der Baureihe ET 1440 bequem gemacht. „Ich will Zugführer werden“, berichtet auch Julius und weiß, dass er dafür die Unterstützung seiner Eltern hat.
Spannend ist der Blick für Besucher, einen Führerstand aus nächster Nähe zu sehen und die Bedienungselemente eines Triebzugs erklärt zu bekommen. Eine zentrale Anlaufstelle ist der äußerlich rot-weiß gehaltene Zug mit einer Länge von 73 Meter, der entlang eines Reinigungsgleises geparkt ist. Am Stand des Recruiting, der Personalbeschaffung ist etwas los. „Ob Ausbildung oder Quereinsteiger, die Deutsche Bahn bietet eine Vielzahl von Berufen“, verweist Ruth Schilling auf Tätigkeiten in Verkehr und Logistik, Handel und Service, gewerblich technische und Telekommunikationsberufe. In der Betriebsstätte Kaiserslautern seien vorrangig Lokführer und Kundenbetreuer, Elektroniker und Mechatroniker gefragt, so Schilling. „Einstiegsmöglichkeiten bei der Bahn gibt es viele.“
Blick in den Führerstand
Nicht entgehen lassen sich Jung und Alt die Gelegenheit, eine blaue Diesellok aus dem Jahr 1959 zu besteigen und den Lokführer eine kleine Strecke im Führerstand zu begleiten. „Ein tolles Feeling“, schwärmt der Papa von Anna (7) und Niklas (11). Blaulicht lenkt den Blick auf ein Fahrzeug des Notfallmanagements der Bahn. „Der Einsatz im Bereich von Eisenbahnen kann Helfer der Feuerwehr, Rettungsdienste und Notärzte vor besondere Anforderungen stellen. Leistungen des Notfallmanagements unterstützen deren Aufgaben“, erklärt Daniel Ruoff.
Großes Interesse finden Führungen durch die Instandhaltungswerkstatt des Werkstandorts Kaiserslautern. Sach- und fachkundig versteht es Werkstattleiter Thomas Stutzinger Besuchergruppen durch eine große Halle zu führen, in der auf sechs Gleisen Dieseltriebzüge zur Wartung stehen. 41 bis 58 Meter lang sind die überdachten Gleisanlagen. „Zum Nachschauen reichen vier bis fünf Stunden, eine normale Inspektion von Schienenfahrzeugen benötigt eineinhalb Tage“, erklärt Stutzinger. Im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten in der Instandhaltung 70 Mitarbeiter. „Mit der Einführung batterieelektrischer Triebzüge ab 2025 werden sich auch die Anforderungen der Werkstätten an die neue Technologie verändern“, informiert er.