Kaiserslautern „Äpfel wachsen nur auf der Sonnenseite“

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„Die Ruhe tut auch mal richtig gut. Herrlich, wie man hier entspannen kann“: Hannelore Engelhardt brüht frischen Kaffee auf, dann geht’s wieder ins Freie – in den gepflegten Garten mit der Nummer 56. Die Augustsonne behält die Oberhand über die Wolken und strahlt über dem Idyll auf dem Kaiserberg. Hannelore und Otto Engelhardt sind hier fast zu Hause – so wie die meisten der mehr als 70 Nachbarn, die eine Parzelle in der Kleingartenanlage ihr „Eigen“ nennen. Manche von ihnen schon seit nunmehr 25 Jahren.

Auf ein Vierteljahrhundert Gartenarbeit auf dem Kaiserberg kann das Ehepaar Engelhardt zwar noch nicht zurückblicken. „Die Gärten hier oben sind ja erst zur Landesgartenschau angelegt worden“, sagt die Schriftführerin des Kleingartenvereins Kaiserberg – jene Vereinigung der Gartenpächter, die in knapp zwei Wochen ihr 25. Gründungsjubiläum feiern wird. Die Vereinigung hat den Status eines eingetragenen Vereins, Hannelore Engelhardt fungiert als Schriftführerin. „Der Hans Mathias Blügel hilft mir da aber immer mit – der kann das besser“, sendet die gebürtige Moselanerin ein Kompliment praktisch über den Gartenzaun. Vis-à-vis sind Blügels daheim. Und auch jenes Ehepaar nutzt den wunderbaren Samstagnachmittag, um sich abseits der heimischen vier Wände in der Stadt zu entspannen. „Die Äpfel wachsen nur auf der Sonnenseite – seltsam“: Blügel wirft einen kritischen Blick auf das Apfelbäumchen direkt vorm hölzernen Häuschen. „Er hat bisher überhaupt nicht getragen. Sieht jetzt besser aus“, stellt der pensionierte Polizeibeamte mit kritischem Blick fest. Der Baum daneben hängt voll mit Birnen – edle Williams Christ reifen da heran. „Es ist ein gutes Obstjahr“, stellt Blügel mit Kennerblick fest. „Früh warm, dann keine allzu kalten Nächte mehr, reichlich Regen.“ Was mit dem Obst passiert? „Wir essen’s halt“, sagt Blügel lachend. Klar – aber in welcher Form denn? Christa Blügel wird dann zumindest so einige Marmeladengläser mit köstlichem Brotaufstrich füllen, wie sie versichert. Otto Engelhardt inspiziert direkt gegenüber, in Sichtweite, die Blütenpracht seiner Rispen-Hortensie. Die weißen Büschel sind bewohnt. „Da sitzt er gerne drin – und kann auf Kommando losfliegen, braucht nicht zu pumpen wie der Maikäfer“, sagt Engelhardt und schiebt vorsichtig ein paar Blütenblätter zur Seite. Ein Prachtexemplar des Goldkäfers krabbelt los, lässt sich jedoch nicht stören. „Die lieben diese Blüten“, weiß Engelhardt. Inzwischen ist der Kaffee fertig – die Vereins-Schriftführerin schenkt ein. „Sammeltassen meiner Schwiegermutter“, kommentiert sie grinsend das Gedeck. In der Tat: Hier lässt sich gut entspannen – wohl der Hauptgrund, warum die 75 Parzellen große Anlage auf dem Kaiserberg ebenso belebt wie beliebt ist. Derzeit ist kein Garten frei; alles belegt. Um die 50 jener Gärten haben die Pächter, die sich heute an einem Stückchen Freizeit-Paradies erfreuen, der Kammgarn zu verdanken. Die Spinnerei hatte einst die Kleingärten angelegt – für ihre Arbeiter, die dort Gelegenheit erhalten sollten, am Wochenende und nach Feierabend im Grünen auszuspannen. Mit der Gartenschau ist die Anlage dann noch einmal um ein gutes Drittel gewachsen. Auch jene Gärten – 1999 als Mustergärten angelegt – waren ebenfalls schnell besetzt. „Wir mussten damals erlauben, dass die Gartenschau-Besucher jederzeit zu uns in die Anlage kommen und sich alles anschauen können“, blicken Engelhardts zurück. Gestört hat’s keinen – so was nehme man doch gerne in Kauf. Beim Rundgang trifft man auf arbeitsame Gärtner – Nelly Kosel befreit die Tomaten von störendem Bewuchs – ebenso wie auf solche, die sich an diesem Nachmittag mal einen faulen Lenz machen. Wie Lothar Christmann, der in seiner herrlichen Anlage einfach nur ausspannt. Beschaulich geht es zu. Am übernächsten Wochenende aber wird die Anlage belebt sein: Am 23. und 24. August feiern die Kleingärtner auf dem Kaiserberg die 25. Wiederkehr ihrer Vereinsgründung. (cha)

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