Kaiserslautern
Kaiserslautern: Video von brutalem Überfall auf IT-Shop sorgt für Aufregung
Heimsuchung am helllichten Tag: Am Samstagmorgen stürmten zwei Männer in ein Computergeschäft in der Kerstraße und rissen mit roher Gewalt Smartphones aus der Verankerung, verängstigten Kunden. Pikant dabei: Der Vorgang wurde von einer Überwachungskamera festgehalten und der Film steht nun im Internet.
Die Polizei vermerkte zu dem Vorfall, dass es am Samstag gegen 11.30 Uhr in einem IT-Shop zu einem Diebstahl kam, bei dem die Täter damit drohten, Gewalt gegen die im Laden befindlichen Personen anzuwenden. „Die beiden Männer betraten den Shop, schüchterten dort befindliche Kunden sowie zwei Angestellte ein und rissen mehrere Mobiltelefone sowie ein Laptop aus den Diebstahlsicherungen. Anschließend verließen die Täter mit der Beute den Laden“, heißt es im Polizeibericht.
Anhand der Polizeimeldung lässt sich nur erahnen, welchen Schrecken die beiden Täter verbreiteten. Auf dem Video, das im Internet kursiert, ist festgehalten, wie die mit Baseballkappen bekleideten Männer das Geschäft betreten, auf die Ablagen mit den Smartphones zugehen und wild und mit roher Gewalt darauf einschlagen. Zu sehen sind Kunden, unter anderem zwei verängstigte Frauen, die in einer Ecke stehen und dann weiter in den Shop laufen. Erkennbar ist auch, wie die beiden Täter den Laden verlassen und einer der beiden von Passanten festgehalten wird. Er wurde später der Polizei übergeben, nach deren Angaben es sich um einen 16-jährigen Jugendlichen mit osteuropäischer Staatsangehörigkeit und ohne festen Wohnsitz in Deutschland handelt.
Ärger mit Video im Internet
Bei der implement-it GmbH, so der Name des Computergeschäfts, herrschte gestern noch Fassungslosigkeit. Shopleiter Alexander Feth war am Samstag nicht selbst mit dabei, aber beim Ansehen des Videos aus der Überwachungskamera ist ihm der Schreck in die Glieder gefahren. Die Täter hätten mit roher Gewalt die Handys, die mit Stahlkabeln und Stahlkrallen gesichert sind, aus der Verankerung gerissen. Kunden seien verängstigt gewesen, Mitarbeiter hätten sie in einen Technikraum gebracht und zur Sicherheit dort eingeschlossen.
Feth betont, er wisse nicht, wie das Video ins Internet gekommen ist. Es sei intern angeschaut worden, er wisse aber nicht, wie es verbreitet wurde und er kenne auch die Personen nicht, die es auf eine Facebook-Seite oder auf youtube gestellt haben. Er habe die Polizei gebeten, es dort wieder herauszunehmen.
Das Video habe dem Geschäft viel Ärger bereitet, erklärt der Shopleiter. Er muss sich mit dem auseinandersetzen, was man neudeutsch einen shitstorm nennt, nämlich Beschimpfungen von Leuten, die das Video angesehen haben. In Kommentaren werden Fragen gestellt, warum den Tätern nicht Einhalt geboten worden sei, warum die Kunden nicht geschützt worden seien. Die Kommentare erschüttern den Shopleiter. Die Überwachungskamera zeige nur den vorderen Teil des Ladens, es sei nicht zu sehen, dass die Kundschaft nach hinten geführt und in Sicherheit gebracht wurde, erläutert Feth. Es sei auch richtig gewesen, dass sich kein Mitarbeiter den Tätern in den Weg gestellt habe; denn die seien aggressiv und womöglich bewaffnet gewesen. Die Mitarbeiter hätten klug gehandelt, die Sicherheit der Kunden habe oberste Priorität genossen.
Konsequenzen drohen
Bleibt die Frage, wie das Video ins Internet kam. Die RHEINPFALZ sprach gestern mit einem Mann, der es auf eine Facebook-Seite gestellt hat. Er habe es zugeschickt bekommen und sei entsetzt über die Brutalität der beiden Täter gewesen. Er habe das Video ins Internet gestellt, auch weil er hoffe, dass so der zweite Täter gefasst werde, er habe sich nichts Böses dabei gedacht.
Dafür muss der Mann eventuell mit Konsequenzen rechnen. Es stehe ein Verstoß gegen das Kunst- und Urheberrecht im Raum, erklärte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Westpfalz auf Anfrage der RHEINPFALZ. Wenn ein solches Video gezeigt werde, müssten Mitarbeiter und Kunden, die darauf zu sehen sind, aber auch die Täter damit einverstanden sein. Die Pressestelle geht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen auch diesen Sachverhalt prüft.
Die Pressestelle erklärte weiter, in Deutschland sei es nicht üblich, dass solche Videos im Netz landen, das kenne man eher aus den USA, wo oft Videos von Überfällen in sozialen Netzwerken landen.
Hinweise eingegangen
Auch wenn aus Datenschutzgründen jetzt womöglich ermittelt wird, der Fahndung der Polizei nach den Tätern hat das Video gute Dienste geleistet. Es werde ausgewertet, es seien auch bereits Hinweise auf den fllüchtigen Täter eingegangen, so die Polizei, nach deren Angaben sich der 16-jährige gestellte Täter vermutlich wegen räuberischen Diebstahls verantworten muss.
Bei dem 16-Jährigen seien fünf Smartphones sichergestellt worden, sagt der Shopleiter. Vier weitere fehlten. Diese hätten einen Wert von rund 4000 Euro. Allerdings fragt sich Feth, was die Täter mit den Handys wollten. Es handele sich um Demonstrationsgeräte mit einer entsprechenden Software, damit könne eigentlich niemand etwas anfangen – es sei denn, er verfüge über detaillierte IT-Kenntnisse.