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Dienstag, 14. August 2018 Drucken

Kaiserslautern

Kaiserslautern: Funkkontakt zu Alexander Gerst schlägt fehl

Von Katharina Kovalkov

Astronaut Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation. Mit dem bekannten Raumfahrer wollten die Schüler via Funk einige Minuten lang sprechen.

Astronaut Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation. Mit dem bekannten Raumfahrer wollten die Schüler via Funk einige Minuten lang sprechen. ( Foto: ESA/Alexander Gerst/DPA)

Michael Zimmermann war für die Technik zuständig (links), während Paul aus der zwölften Klasse am Funkgerät eine Frage stellt. Amateurfunker Matthias Amberg bedient das Funkgeräte.

Michael Zimmermann war für die Technik zuständig (links), während Paul aus der zwölften Klasse am Funkgerät eine Frage stellt. Amateurfunker Matthias Amberg bedient das Funkgeräte. ( Foto: VIEW)

„Houston, Houston, wir haben ein Problem: Die ISS hat den falschen Plan“ – so zumindest war am Montag die Mutmaßung der Lehrer und Schüler des Hohenstaufen-Gymnasiums nach dem fehlgeschlagenen Funkkontakt zu ESA-Astronaut Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation.

Der 13. August 2018. In Kaiserslautern schüttet es am Nachmittag wie aus Kübeln. Das Thermometer zeigt nicht einmal 25 Grad. Doch die Temperatur bei den Schülerinnen und Schülern des Hohenstaufen-Gymnasiums (HSG) ist auf dem Höhepunkt. Elf von ihnen hätten an diesem Nachmittag im Zuge des „Amateur Radio on the International Space Station“ (ARISS)-Projekts zehn Minuten mit dem deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) per Funk Kontakt aufnehmen und ihm ihre Fragen stellen können. Damit wäre das Hohenstaufen-Gymnasium eine von insgesamt 20 ausgewählten Schulen in diesem Jahr gewesen.

 

2016 hatte sich die schuleigene Technik- und Physik-AG für das jährlich ausgeschriebene ARISS-Schulprojekt angemeldet. Im April/Mai 2017 kam die Zusage: Das Hohenstaufen-Gymnasium durfte sich zehn Minuten Funkzeitraum mit dem Matthes-Enderlein-Gymnasium in Zwönitz (Erzgebirge) teilen. Im Januar 2018 begannen die intensiven Recherchen, Vorbereitungen und Testdurchläufe. Beide Schulen durften jeweils zehn – im Vorfeld von der Schulgemeinschaft abgesegnete – Fragen an Alexander Gerst stellen. „Darunter: Was ist das Ungewöhnlichste, dass Alexander Gerst im All gesehen hat? Welchen irdischen Gegenstand er am meisten vermisst? Und ob er an Außerirdische glaube“, verriet die Leiterin der AG, Daniela Schumann.

Technik und Leinwände standen bereit

 

Der Funkkontakt wurde vom ARISS in Absprache mit der ESA (European Space Agency) beziehungsweise NASA für 15.48 Uhr Kaiserslauterer Ortszeit (auf der ISS war es 13.48 Uhr) festgesetzt. Technik und Leinwände für die Liveübertragung standen in der Aula bereit. Der Live-Stream über den schuleigenen Youtube-Kanal war startklar.

 

Um 15.45 Uhr gab es grünes Licht aus der provisorischen Funkzentrale im Konferenzraum 327, wo Schüler, Lehrer, Funker und Presseleute gespannt darauf warteten, die Stimme von „Astro-Alex“ im Monitor zu hören. ,,Delta Papa Zero India Sierra Sierra, this is Delta Lima Zero XRay Kilo, can you copy? Over“, fragte die Schülerin Chantal Manta mehrmals über Funk. „Delta Lima Zero XRay Kilo, this is Delta Papa Zero India Sierra Sierra. Copy you“, schallte es endlich zurück. Aufregung und Freude im Raum, die Funkverbindung steht, Gerst ist am Apparat. Die Freude dauerte allerdings nur kurz. Denn der Astronaut schien nicht den Anruf aus Kaiserslautern sondern einen aus Braunschweig zu erwarten – der jedoch erst für den Tag drauf, also am heutigen Dienstag – vorgesehen war. Mehrere Versuche und Frequenzwechsel später war das zehnminütige Zeitfenster auch schon wieder geschlossen, die ISS - knapp 423 Kilometer über der Erde - war außerhalb der Funkreichweite.

Missverständnis im Zeitplan

 

„Das Problem ist: Wir arbeiten auf zwei Frequenzen“, erklärt Michael Zimmermann, stellvertretender Leiter am Studienseminar in Kaiserslautern und Funkamateur der TU und Hochschule Kaiserslautern. „Die Frequenz von der ISS zu uns ist eine andere als die Frequenz von uns zur ISS. Die individuell zugeteilte Frequenz von der Erde zur Raumstation wird lange geheim gehalten und erst kurz vor dem Termin an uns weitergereicht, damit andere den Funkverkehr nicht stören. Was jetzt vermutlich passiert ist: Die ISS hatte höchstwahrscheinlich den morgigen Anruf aus Braunschweig für heute auf dem Plan notiert und befand sich auf einer anderen Empfangsfrequenz - nämlich der von Braunschweig, statt der von uns. Deshalb haben wir Alexander Gerst zwar gehört, aber er konnte vermutlich uns nicht hören.“ Keine technische Panne also; sondern ein Missverständnis im Zeitplan war schuld.

 

Um 17.25 Uhr Kaiserslauterer Ortszeit sollte ein zweiter Versuch gestartet werden. Doch auch dieser missglückte. Der 16-jährige Paul Mönch hätte eigentlich die erste Frage an Alexander Gerst stellen sollen. „Die Enttäuschung ist natürlich groß; aber wir hoffen, vielleicht doch noch in den nächsten Wochen einen neuen Termin zu bekommen.“ Dennoch gab es Applaus von Lehrern und Schülern für eine technisch erfolgreiche Kontaktherstellung und „einzigartige Aktion“ so Schulleiter Roland Frölich.

Kaiserslautern-Ticker