Heidelberg RHEINPFALZ Plus Artikel Neuentdeckung des Weins: Heidelberg macht es auf die Pfälzer Art

Im Herzen der Heidelberger Altstadt steht eine Premiere bevor.
Im Herzen der Heidelberger Altstadt steht eine Premiere bevor.

Heidelberg steht für vieles: Studentenleben, Nah- und Ferntourismus, Junggesellenabschiede. Nur mit einem bringt man die romantische Universitätsstadt am Neckar dann doch eher weniger in Verbindung: dem Wein. Das soll sich nun ändern.

Gleich ein zwei Orten feiert ein neues Weinfest Premiere. Von Freitag bis 17. Oktober laden heimische und regionale Winzer zum ersten „Heidelberger Weindorf“ im Herzen der Altstadt auf dem Karlsplatz und dem Heidelberger Schloss ein. „Auch wir haben schöne Weingüter und Weinhänge in Boxberg oder auf dem Emmertsgrund mit traumhaften Aussichten. Die Pfalz ist die Toskana Deutschlands, aber auch wir blicken auf eine jahrhundertelange Weintradition zurück. Das wird oft vergessen und verkannt“, erklärt Mathias Schiemer. Im Grunde geisterte die Idee eines Weinfests schon jahrelang in den Köpfen herum. Der gebürtige Heidelberger, seit fünf Jahren Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft, ersteigerte sogar schon einmal ein mysteriöses Glas eines Heidelberger Weindorfes, das in Wahrheit niemals stattfand.

„Es wurde schon sehr oft geplant und wieder verworfen“, verrät Schiemer, doch ausgerechnet während der Corona-Pandemie wird dieser kleine Fluch besiegt. Sechs Heidelberger Winzer werden an den neun Festtagen täglich von 11 bis 21 Uhr auf dem Karlsplatz ihre Rebsorten anbieten. Dazu gibt es passende, saisonale und regionale Gerichte in einem stimmungsvollen Dinner-Ambiente. Vom Karlsplatz aus hat man auch das Schloss im Blick. Dort wird am Elisabethentor eine lange Weintheke zur Verköstigung aufgebaut und mit entsprechender Kulinarik von leichter bis deftiger Küche aufgewartet.

Publikumsmagnet im Schloss

Auf der ehemaligen Kurfürsten-Residenz kommen die edlen Tropfen nicht nur aus Heidelberg, sondern als regionaler und historischer Schulterschluss unter anderem auch aus der Pfalz und anderen badischen Anbaugebieten. Und eine innige Verbindung zum Wein lässt sich dann doch entdecken: Das Große Fass ist eine der Publikumsmagnete im Schloss. 220.000 Liter Wein fanden in dem gigantischen Behälter Platz, der sogar mit einer Treppe samt Plattform versehen es. Vermutlich wurde dieser früher als Tanzboden genutzt, im angrenzenden Königssaal sollen die Kurfürsten zudem manch rauschende Feste gefeiert haben.

„Es wird bei uns aber kein Besäufnis, keine Party, sondern ein gepflegtes Event und zeitlich überschaubar“, ist Schiemer wichtig zu betonen. 300 bis 400 Besucher finden an den beiden Standorten jeweils Platz. Eine Reservierung sei nicht notwendig, ganz bewusst wolle man auch die spontane Neugierde von Altstadtbummlern, Schlossbesuchern und Wanderern wecken. Die Bergbahn wird extra eine Stunde länger zwischen Kornmarkt und Schloss pendeln, sodass man nach einem späten Weingläschen bequem und sicher zurückkommt.

Ein Zaun zur besseren Kontrolle

Das Hygienekonzept sieht eine 3G-Regel vor, zur besseren Kontrolle wird der Karlsplatz daher eingezäunt. Um auch die Tierwelt wie die im Schloss lebenden Fledermäuse nicht zusätzlich zu belasten, hielt man mit der Umweltabteilung des Regierungspräsidiums Rücksprache und setzt zum Beispiel nur auf eine dezente Beleuchtung. Und auch Nachhaltigkeit wird groß geschrieben. Auf Plastik wird verzichtet, stattdessen wird das Essen auf Porzellantellern kredenzt. Zudem gibt es mit einem Weindorf-Logo und Jahreszahl versehene, edle Pfand-Weingläser mit Sammelcharakter, ähnlich wie man es von Weihnachtsmärkten kennt.

„Das Weindorf soll eine tolle Premiere feiern und ist auch langfristig als Bereicherung für den Veranstaltungskalender der Stadt vorgesehen“, betont Joe Schwarz vom Heidelberger Stadtmarketing. Auf das Straßenfest „Heidelberger Herbst“ am letzten September-Wochenende soll der möglichst goldene Oktober also fortan durch das kleine Weindorf eingeläutet werden – das mit den Jahren noch wachsen und wie ein guter Wein reifen kann.

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