Kerzenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Zeitzeugen kennen genauen Absturzort von 1944

Steinerner Zeuge des Flugzeugabsturzes bei Kerzenheim: Grabmahl der beiden, am 12. September 1944 tödlich verunglückten deutsche
Steinerner Zeuge des Flugzeugabsturzes bei Kerzenheim: Grabmahl der beiden, am 12. September 1944 tödlich verunglückten deutschen Soldaten der Messerschmidt 110.

Einige bislang ungelöste Rätsel um einen Flugzeugabsturz im 2. Weltkrieg bei Kerzenheim könnten nach 76 Jahren vielleicht doch noch gelöst werden. Denn bei Heimatforscher Erik Wieman haben sich nun zwei Zeitzeugen gemeldet, die damals selbst am Absturzort gewesen sind. Deren Aussagen könnten der erste (entscheidende) Schritt sein für den Start eines Forschungsprojektes in Kerzenheim .

Am 12. September 1944 war bei Kerzenheim ein Flugzeug der deutschen Wehrmacht abgestürzt. „Einer der Zeitzeugen ist sich sicher, dass es definitiv eine Messerschmitt 110 war“, berichtet Wieman über die ersten Gespräche mit diversen Zeitzeugen. Sie haben sich direkt nach dem RHEINPFALZ-Artikel „Bilder, die für immer im Kopf bleiben“ bei den Heimatforschern gemeldet. Darin wurden zwei Flugzeugabstürze im Großraum Eisenberg während des 2. Weltkrieg thematisiert: der Absturz eines englischen Bombers am 10. August 1943 bei Ramsen und der eines deutschen Nachtjägers am 12. September 1944 bei Kerzenheim. „Steinerner Zeuge“ dieses Flugzeugunglücks ist ein Grabstein der beiden tödlich verunglückten deutschen Soldaten Jakob Müller und Heinrich Schneck, der noch heute auf dem Kerzenheimer Friedhof steht.

„Wahnsinn, was Zeitzeugen an Details wissen“

Wieman hat nun mit insgesamt drei Zeitzeugen für Anfang kommenden Jahres ein Treffen vor Ort vereinbart. Da wolle ihm unter anderem ein 90-jähriger Eisenberger den genauen Fundort eines der beiden Flugzeugpropellers der Messerschmitt zeigen. Außerdem wisse dieser Zeitzeuge noch von fünf weiteren Stellen im Rahmen des Flugzeugabsturzes, die für die Heimatforscher interessant sein könnten. „Es ist Wahnsinn, was die Zeugen noch heute alles an Details wissen“, ist Wieman begeistert, „und in Zukunft verloren gehen wird, wenn sie nicht mehr unter uns sind“. Nach der ersten Resonanz auf den Artikel geht er davon aus, dass bei Kerzenheim bald ein ähnliches Projekt wie am Nackterhof durchgeführt wird.

Dort hatten Wieman und Co. – ebenfalls nach einem „Zeugenaufruf“ in der RHEINPFALZ – in den vergangenen beiden Jahren über 4000 Einzelteile eines englischen Flugzeugwracks und von Ausrüstungsgegenständen der 23 damals gestorbenen Soldaten auf einem Acker und einer Weide gefunden: An einem Untersuchungsort war das eigentliche Flugzeug explodiert, am anderen hatte sich der abgebrochene Flügel in die Erde gebohrt. Ob eventuell auch in Kerzenheim mehrere Untersuchungsorte sinnvoll wären? Das wird erst nach den Treffen mit den diversen Zeitzeugen entschieden. Dass aber der Kerzenheimer Flugzeugabsturz des Nachtjägers von 1944 ein „Untersuchungsprojekt“ wird, ist für Wieman keine Frage mehr. „Es ist schon etwas ganz besonderes, eine Verbindung zwischen dem Grab auf dem Kerzenheimer Friedhof, der Absturzstelle und Familien der Opfer herzustellen“, geht der Forscher optimistisch in die Treffen bei Kerzenheim. Und nicht nur in die.

„Auch Ramsen wird ein Projekt“

Denn auch zum Absturz der Halifax am 10. August 1943 zwischen Eiswoog und Ramsen haben sich Zeitzeugen gemeldet, die mehr wissen als bislang bekannt war. „Auch das wird definitiv ein Projekt“, versichert Wieman bereits vor dem, im Januar geplanten Abgehen des genauen Absturzgeländes mit Zeugen von damals. Denn Wieman hat inzwischen auch viel Neues zu dem Absturz des britischen Bombers bei Ramsen in diversen Militärarchiven recherchieren können. Und beim Wandern um Ramsen dieser Tage sogar ein Stück Elektrokabel des vor 77 Jahren dort abgestürzten Flugzeugs gefunden. Dieser Absturz ist aber ein ganz eigenes Thema. Wir berichten darüber in einer der nächsten Ausgaben.

Hinweise

Hinweise von Zeitzeugen zu Flugzeugabstürzen nimmt die IG Heimatforschung entgegen: per Telefon unter 0173 8241746 oder per E-Mail unter kontakt@ig-heimatforschung.de. Es kann auch ein Gesprächstermin vor Ort ausgemacht werden, um die Absturzstelle genau zeigen zu können.

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