Grünstadt
Zwei neue Esel für den Höllenberg
Dass die beiden neu zur Herde gestoßenen Eseldamen nicht gerufen werden können, liegt nicht etwa daran, dass sie besonders stur wären. Vielmehr haben sie bislang schlicht keine Namen. „Wir suchen noch“, sagt Susanne Bentz, Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) Eisenberg-Leiningerland. Im Mai 2018 hatte der die ersten beiden Grautiere für den Einsatz auf dem schwer zugänglichen Hang oberhalb der Musikschule „Heldenschmiede“ in Asselheim erworben. Sie sollten die Vegetation dort kurz halten und damit einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.
Und das taten sie auch – mit enormer Begeisterung. Vor gut einem Jahr kamen deshalb zwei weitere Vierbeiner mit großem Appetit dazu. Doch 15 Hektar sind eine gewaltige Fläche. „Die Esel kamen nicht hinterher“, erklärt Bentz, weshalb es seit Mitte Juli nun sechs Langohren sind. Voraussetzung für den Zukauf war, dass der Landkreis Bad Dürkheim dem Nabu die Möglichkeit eingeräumt hat, ein Heulager anzulegen. So ist auch im Winter ausreichend Futter vorhanden.
Stütchen lernen gerade, was sie fressen dürfen
Die beiden Neuzugänge sind Einjährige. Sie wurden bei einem Pferdehändler in Wachenheim gekauft. Inklusive Transport hat die Anschaffung 1900 Euro gekostet – finanziert vom Nabu und einer Privatperson. Die zwei jungen Eselstuten mit dem noch etwas widerspenstig abstehenden, flauschigen Haarkleid hätten sich schon sehr gut in den Bestand eingefügt, freut sich Bentz.
Von den älteren Tieren lernen sie, was sie alles fressen können. „Bisher kannten sie ja nur Heu, Getreidekörner und Haferflocken“, sagt Bentz. Die ersten Tage hat das Sextett auf Mertesheimer Gemarkung vor allem Hecken gestutzt. „Damit sie an die oberen Äste von Bäumen herankommen, muss ich hin und wieder mit einer Säge ran, denn Esel sind nun mal keine Giraffen“, sagt die Gärtnermeisterin lachend.
Alfonso ist der Ängstlichste
Conny Lenzen, die sich mit ihrem Mann Thomas und Bernd Schmidt ehrenamtlich um die Tiere kümmert, erzählt, dass jeder Esel seinen individuellen Geschmack und einen eigenen Charakter hat. Alfonso (20) sei der Ängstlichste. Auf dem Weg von Mertesheim zum Höllenberg habe er sich geweigert, einen kleinen Bach zu durchschreiten. „Wenn das Wasser gluckert, könnten Krokodile drin sein“, weiß Bentz dieses Verhalten zu deuten.
Aber selbst nachdem Holzbohlen über das Flüsschen gelegt worden waren, musste der zweieinhalbjährige Gero, der mutigste, vorausgehen, bevor Alfonso die Brücke betrat. Thomas Lenzen erzählt, dass man mit Eseln auch nicht einfach an einem Gullydeckel vorbeigehen könne: „Sie sehen darin eine zusammengerollte Schlange.“
2021 soll es weitere Verstärkung geben
Die beiden Wallache haben nun neben Jolly und Emilia zwei namenlose Stuten an ihrer Seite – eine mit weißer und eine mit schwarzer Nase. „Wir freuen uns über Namensvorschläge“, sagt Bentz und kündigt an, dass 2021 vermutlich noch zwei weitere Grautiere in das auf 15 Jahre angelegte Beweidungsprojekt aufgenommen werden.
Vom Land wird es mit 300.000 Euro gefördert. Mit dem Geld wird unter anderem eine 450-Euro-Kraft, das Heranschaffen von Wasser und ein begleitendes Monitoring von Stechimmen – also Bienen, Hummeln und Wespen – bezahlt. Für rund 40.000 Euro soll in diesem Jahr eine der Stützmauern auf dem Hang saniert werden, die bei jedem Starkregen weiter zusammenfällt. „Sie ist ein wichtiges Habitat für Insekten, Eidechsen und Nattern“, erklärt Bentz den Grund dafür.