Grünstadt ZUR SACHE: Das lokale Klima

Als eine der landesweit ersten fünf Modellregionen hat die Verbandsgemeinde Leiningerland am Klimawandel-Anpassungscoaching unter Leitung von Christian Kotremba teilgenommen. Der Trainer von der Stiftung für Ökologie und Demokratie wird das seit April 2018 laufende Projekt, das der Bund drei Jahre lang finanziert, heute Abend auch vorstellen. Zeitversetzt werden zehn Gebietskörperschaften in Rheinland-Pfalz bei der Anpassung an den Klimawandel jeweils neun Monate lang begleitet. Zehn Maßnahmen will die VG Leiningerland innerhalb von zwei Jahren starten – unter anderem die Integration der Klimaanpassung in die Bauleitplanung, einen Runden Tisch zum Wassermanagement, den Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit zu Umweltthemen und einen Wald-Klimawandel-Lehrpfad. Begonnen wird mit dem Grünflächenmanagement. Im Leiningerland ist der Klimawandel voll im Gange. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag zwischen 1971 und 2000 bei 9,7 Grad. Im Zeitraum 1989 bis 2018 waren es bereits 10,4 Grad, wobei das vergangene Jahr das wärmste je gemessene war (durchschnittlich 11,7 Grad). Bei Überschreitung von 30 Grad wird von einem „Hitzetag“ gesprochen. In der VG besteht ein deutlicher Trend hin zu häufigerer und intensiverer Hitze: Im Mittel gibt es neun „Hitzetage“ pro Jahr. 2003, 2015 und 2018 waren es aber 28 beziehungsweise 29 „Hitzetage“. Auch Tropennächte (keine Abkühlung unter 20 Grad) werden zunehmen. Die VG befindet sich auch in einem Bereich mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für Starkregen. Im Mittel gibt es im Leiningerland drei solcher Ereignisse im Jahr. Hochwasser und Überflutungen gab es zuletzt im Juli 2017 sowie Juni und Juli 2018. Klimaprojektionen lassen erwarten, dass Starkregen in Zukunft häufiger und intensiver auftreten wird. Dadurch steigt das Risiko von Bodenerosionen, wodurch Funktion und Fruchtbarkeit des Bodens leiden und nicht nur Kanäle verschlammen. Aufgrund der Topographie und der Kulturarten wie Weinanbau besteht in der VG eine erhöhte Gefährdung durch Erosion und ihre Folgeschäden – das gilt vor allem für Bockenheim, Dirmstein, Großkarlbach, Kindenheim, Mertesheim, Neuleiningen, Obrigheim und Tiefental.
