Grünstadt Zum Tod von Bernd Zahn: Was noch lange an ihn erinnern wird
Ein langes und erfülltes Leben ist am 1. Februar zu Ende gegangen: Im Alter von 91 Jahren verstarb Bernd Zahn. Am 29. Mai 1933 hatte er in Mannheim das Licht der Welt erblickt, war mit seiner Familie während des Zweiten Weltkrieges aus der großflächig zerstörten Metropole nach Rosenthal gezogen und dort aufgewachsen.
Sein Vater Wilhelm hatte 1938 einem jüdischen Kaufmann eine Mantelfabrik im Colgensteiner Weg in Grünstadt abgekauft – dort, wo sich 30 Jahre später der Künstler und spätere Ehrenbürger Karl Unverzagt sein Atelier einrichtete. „Vornehmlich wurden leichte Staubmäntel aus Seide gefertigt“, erläutert die Witwe Martina Zahn. Während des Krieges sei die Produktion auf Fallschirme umgestellt worden.
Zu Fuß von Österreich nach München
Bernd Zahn war derweil Schüler im Internat Weierhof in Bolanden, das als Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola) geführt wurde. 1945 wurde diese Einrichtung aufgelöst und der Zwölfjährige mit anderen Kindern ins Kleinwalsertal im österreichischen Vorarlberg gebracht. „Zu Fuß ist mein Mann von dort nach München zu seinem Onkel Ben gelaufen“, erzählt die Witwe.
1950 besuchte er nach der Mittleren Reife eine Handelsschule, machte eine Ausbildung zum Industriekaufmann und ging 1954 auf die Textil-Ingenieurschule in Mönchengladbach. Bereits im darauffolgenden Jahr musste er in die Mantelfabrik einsteigen, die die Versandhäuser Neckermann und Quelle belieferte. „Mein Mann fuhr mit einem VW-Bus durch die halbe Republik, um Modeschauen zu veranstalten“, so Martina Zahn.
In den Einzelhandel gewechselt
1964 habe er den Entschluss gefasst, von der Produktion in den Einzelhandel zu wechseln. „Obwohl die Mantelfabrik schlecht lief, hat ihm die Volksbank einen stattlichen Kredit gewährt“, berichtet sie. Das erste Modegeschäft eröffnete Zahn 1969 in der Vorstadt. Bald sei noch ein Hosenhaus in der Hauptstraße hinzugekommen. Als diese 1974 Fußgängerzone wurde, kaufte der Textilkaufmann zwei nebeneinanderliegende Gebäude, gestaltete sie um und verlagerte sein Unternehmen dort hinein. Zum 1. Januar 1987 wurde es von Ernst-Uwe Bernard übernommen, der zuvor Prokurist in einem Bekleidungshaus in Nürnberg war und Zahn über die Textilfachschule Nagold kennengelernt hatte.
Bernard führte das Geschäft, in dem auch seine Frau Brigitte tätig war, 25 Jahre lang. „Es war ein sehr angenehmer Kontakt mit Bernd Zahn. Unter anderem haben wir zusammen mehrere Umbauten geplant“, sagt Bernard, der seit Jahrzehnten Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Grünstadt ist. Zahn, der teilweise circa 50 Beschäftigte hatte, sei sehr engagiert gewesen, etwa im Einzelhandelsverband und in der Industrie- und Handelskammer.
Heute gehört das Geschäft zu Jost
Inhaber seines Modehauses waren ab 2013 Frank und Britta Kratz, zwei Jahre später stellten sie einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Heute sind die Geschäftsräume Teil des Textilunternehmens Jost.
Nachdem Zahn sein großes Bekleidungsgeschäft an Bernard abgegeben hatte, baute der zweifache Vater die Filialkette Young People auf. „Die Niederlassungen, die er verpachtete, waren in Grünstadt, Bad Dürkheim, Frankenthal und Mannheim sowie in Worms und Mainz“, erinnert sich Martina Zahn. 1998 habe sich ihr Mann in den Ruhestand begeben. Dann konnte er sich mehr um seinen geliebten Garten kümmern und mehr Zeit in Wald und Feld, vor allem auch auf Korsika verbringen. „Er war ein absoluter Naturmensch, kannte jeden Baum und jeden Pilz“, sagt sie. Auch sei er extrem sportlich gewesen, unter anderem war er 1968 Deutscher Segelmeister, er lief einen Marathon, radelte sehr gern und flog mit dem Gleitschirm. Auch war er gern schnell unterwegs, ob beim Kartrennen, auf seinem Motorrad oder in seinem Ferrari. Zahn war Mitglied in verschiedenen Vereinen, unter anderem im Historischen Verein Rosenthal und im Rotary Club Frankenthal.
Väterlicher Freund mit viel Humor
„Von 2003 bis 2015 war er Presbyter“, berichtet Pfarrer Andreas Funke über seinen „väterlichen Freund“, der sehr viel Humor gehabt habe. Die Kirche hat dem Unternehmer einiges zu verdanken. So hat die aus dem 18. Jahrhundert stammende Sanduhr, die heute auf der Kanzel der Friedenskirche steht, mithilfe seiner großzügigen Zuwendungen restauriert werden können.
Zahn hat der Martinskirche auch ihr Carillon beschert. „Er spendete es in zwei Tranchen, 1989 und 1997“, erläutert Funke. Die 30 Glocken, die über drei Etagen im 60 Meter hohen Turm aufgehängt sind, stammen aus der niederländischen Gießerei Eijsbouts, wiegen zusammen 3,123 Tonnen und haben laut Funke rund 120.000 Mark gekostet. Viermal täglich erklingen religiöse und weltliche Lieder aus einem Repertoire mit 96 Stücken und erinnern so auch an Bernd Zahn. Mit dem Glockenspiel hat das größere der beiden evangelischen Gotteshäuser in Grünstadt ein Alleinstellungsmerkmal in der Region.
Bestattung
Die Trauerfeier findet am Dienstag, 11. Februar, 14.30 Uhr, auf dem Grünstadter Friedhof statt. Die Urnenbeisetzung erfolgt später im engsten Familienkreis.