Obersülzen RHEINPFALZ Plus Artikel Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses: Der Rat hat entschieden

Unter Denkmalschutz: das bestehende Dorfgemeinschaftshaus in Obersülzen.
Unter Denkmalschutz: das bestehende Dorfgemeinschaftshaus in Obersülzen.

Jahrelang haben die Kommunalpolitiker über die Zukunft des Obersülzer Dorfgemeinschaftshauses gestritten: Bleibt es im ehemaligen Schulhaus aus dem 19. Jahrhundert, das dafür saniert werden muss? Oder errichtet man besser gleich ein neues Gebäude am Sportplatz? Nun ist eine Entscheidung gefallen.

Seit rund fünf Jahren landet ein Thema immer wieder auf dem Konferenztisch des Ortsgemeinderates in Obersülzen: die Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses. Die heftig debattierte Frage war, ob es am bisherigen Standort saniert oder auf dem Gelände des Sportvereins neu gebaut werden sollte. Nicht nur wegen Corona ließ der Beschluss lange auf sich warten: CDU und SPD waren uneins. Bei der Dorfmoderation 2018 hatten Einwohner angeregt, ein modernes, gut nutzbares Gemeindezentrum zu schaffen, wobei es zunächst nur um den Umbau des Bestandes ging. Im März 2020 kam der SVO-Vorsitzende Norbert Bölger, der für die SPD im Rat sitzt, mit der Idee eines Neubaus am Sportplatz um die Ecke.

Kleiner Punkte-Vorsprung für Neubau

Die vom Frankenthaler Büro MBPlan erstellte Standortanalyse zeigte kein klares Ergebnis. „Beide Optionen haben Vor- und Nachteile“, sagte Dennis Zimmermann, Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde Leiningerland, bei der Ratssitzung am Dienstagabend. Um eine Priorisierung vornehmen zu können, hatte er an beide Fraktionen Fragebögen geschickt, mit der Bitte, die einzelnen Kriterien aus der Analyse zu gewichten. Daraus berechnete er, dass mit kleinem Vorsprung (38,07 zu 34,76 Punkten) der Neubau zu favorisieren sei. Nachdem am Dienstag jedes Argument besprochen worden war, lag jedoch die Modernisierung des Bestandes mit 41,885 zu 38,07 Punkten vorn.

Vorzüge des Alt-Standortes, die zu der völlig anderen Bewertung geführt haben, sehen die Ratsmitglieder mehrheitlich bei zwei Aspekten: bei der Verkehrsanbindung, ob mit dem Auto, dem Bus oder zu Fuß. Und bei der Rücksicht aufs Klima: Hier einigte man sich im Gremium ganz knapp darauf, dass beide Optionen gleich anzusehen sind. Zwar sei es im Neubau leichter, Energieeffizienz umzusetzen, aber bei der Sanierung des Altbaus werde weniger Fläche versiegelt. „Außerdem werden durch ein neues Haus zusätzlich Ressourcen verbraucht, wenn das alte Dorfgemeinschaftshaus nicht abgerissen wird“, argumentierte Gerhard Neumann (CDU).

Wenige Parkplätze

Als größte Schwäche des denkmalgeschützten klassizistischen Gebäudes werden die wenigen Parkplätze sowie die geringen Möglichkeiten gesehen, weitere Auto-Stellflächen zu schaffen.

Nur zwei Ratsmitglieder folgten Bölgers Argumentation, der Ort lasse sich auf dem Sportgelände besser weiterentwickeln und ein Gemeindezentrum dort wäre touristisch attraktiver. Der Annahme, dass Veranstaltungen auf dem Vereinsgrundstück lauter sein könnten, ohne die Anlieger zu stören, widersprach Bürgermeister Andreas Lehmann (SPD): „Gerade in jüngster Zeit hat es vermehrt Beschwerden über Lärm beim SVO gegeben.“

Zweifel an Zuschüssen

Zu den Fördermöglichkeiten der Modernisierung des Bestandes, dessen Kosten schon vor fünf Jahren auf grob 1,4 Millionen Euro geschätzt wurden, erläuterte Zimmermann, dass mit Mitteln aus dem Dorferneuerungstopf in Höhe von bis zu 65 Prozent zu rechnen sei. Zusätzlich seien 150.000 Euro aus dem Leader-Programm denkbar. Gunter Schumann (CDU) bezweifelte das mit Blick auf die aktuelle Weltlage: „Glauben wir wirklich, dass die Zuschüsse auch in Zukunft so hoch sein werden?“ In dem 1828/29 errichteten, schlecht isolierten Gebäude werde mit Gas geheizt, sagte er. Die Mieter der beiden Wohnungen über dem Saal heizten im Winter die Umwelt. „Momentan gibt Obersülzen allein für die Straßenbeleuchtung alljährlich 13.000 Euro aus. Das wird sich verdoppeln“, warnte Schumann und sagte: „Ich will ja nicht der Spaßverderber sein, aber wir sollten das Projekt auf Eis legen.“

Neumann unterstützte ihn, betonte die große Unsicherheit, die gegenwärtig auf dem Bausektor wegen Materialknappheit und der Kostenentwicklung herrscht. „Natürlich wäre es schön, jetzt zu starten, aber es besteht das Risiko, dass wir mitten in der Umsetzung eine Vollbremsung hinlegen müssen“, warnte der Christdemokrat.

Sechs Ja- und vier Nein-Stimmen

Gegen diese Sichtweise regte sich Widerstand im Gremium. Man könne jetzt nicht alle Vorhaben stoppen, sondern sollte positiv in die Zukunft schauen, hieß es. Ortschef Lehmann erinnerte auch an das Guthaben, über das Obersülzen derzeit verfüge und das investiert werden sollte, bevor es dahinschmelze. Zimmermann versicherte: „Die Fördermittel werden bleiben, denn Kommunen haben auch soziale Aufgaben zu erfüllen.“ Mit sechsmal „Ja“ und vier Gegenstimmen fasste der Rat den Beschluss, das bestehende Dorfgemeinschaftshaus zu sanieren und umzugestalten.

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