Obersülzen
Dorfgemeinschaftshaus: Der Rat tritt auf der Stelle
Das alte Dorfgemeinschaftshaus sanieren und umbauen? Oder ein neues auf dem Gelände des Sportvereins Obersülzen (SVO) errichten? Mit der Frage beschäftigt sich der Gemeinderat nun schon seit einigen Jahren – bislang ergebnislos. Seit 2018 ist klar, dass in Sachen Gemeindezentrum etwas passieren soll – das hatten die Bürger in der Dorfmoderation angeregt. Zunächst ging es nur darum, wie die Situation am alten Standort verbessert werden könnte. Im März 2020 jedoch brachte Ratsmitglied und SVO-Vorsitzender Norbert Bölger (SPD) den Gedanken auf, dass auch etwas ganz Neues auf dem Vereinsgelände am Ortseingang entstehen könnte.
Kurzum: Die Diskussion war irgendwann festgefahren, es ging einfach nicht mehr voran. Um das zu ändern, beauftragte der Rat im Jahr 2020 das Planungsbüro Braun aus Frankenthal damit, eine Stärken-Schwächen-Analyse für beide im Raum stehenden Pläne zu erstellen. Sie sollte auch einen Kostenvergleich und ein grobes Konzept dafür enthalten, wie der künftige Standort aussehen könnte. Dieses Gutachten wurde in der Ratssitzung vorgestellt.
Keine klare Empfehlung
Die Krux daran: Die Standortanalyse enthält keine klare Empfehlung für eine der beiden Varianten – just darauf hatten die Mitglieder des Gemeinderats aber gehofft, um in der Diskussion über die Zukunftspläne endlich einen Schritt weiterzukommen. Stattdessen werden die Vor- und Nachteile beider Standorte genau erläutert – mit dem Hinweis darauf, dass sie sich im Wesentlichen egalisieren. Einzig verbleibendes Unterscheidungskriterium ist demnach der Preis, der bei einem Neubau nach aktuellen Schätzungen deutlich höher liegen würde.
Als einen Vorteil des alten Standorts benennt das Planungsbüro die zentrale Lage. Das Haus ist fußläufig, mit dem Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Es fehlten jedoch Parkplätze und die Tatsache, dass das Gebäude in einer langgezogenen Kurve stehe, erschwere es, die Verkehrssituation sicher zu überblicken. Noch ein Nachteil: Die Möglichkeit, das Gebäude zu erweitern, sei durch angrenzende Bebauung eingeschränkt. Dafür würde es Fördermittel aus der Dorferneuerung geben – und zwar bis zu 65 Prozent der Baukosten.
Kein klarer Standort-Sieger
Der andere Standort am Sportplatz sei nicht so gut zu erreichen, weil er dezentral liege, heißt es in dem Gutachten weiter. Autofahrer hätten aber keine Probleme und es gebe ausreichend Parkmöglichkeiten. Es seien auch genügend Freiflächen vorhanden, um ein Dorfzentrum ganz nach den Vorstellungen der Gemeinde entweder an vorhandene SVO-Gebäude anzubauen oder es einzeln stehend auf einer Naturrasenfläche zu errichten. Eine Förderung aus der Dorferneuerung würde es für dieses Vorhaben nicht geben, dafür könnten das alte Dorfgemeinschaftshaus veräußert und wohl auch andere Fördertöpfe genutzt werden.
Keiner der Standorte vereine alle Vorteile in sich, so das Fazit des Gutachtens. Die Gemeinde müsse daher eine Grundsatzentscheidung unter Abwägung aller Aspekte fällen. Einige Ratsmitglieder wollten dafür vor allem den Preis heranziehen – die Kosten für Umbau und Sanierung des alten Gebäudes werden ohne Einberechnung der Förderung auf 1,7 Millionen Euro, die des Neubaus auf 2,6 Millionen Euro geschätzt. Sie wurden jedoch von Planer Matthias Braun und Dennis Zimmermann, dem künftigen Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde Leiningerland, darauf hingewiesen, dass das zu kurz greife. Auch soziale Aspekte, die Vorteile einer freien Planung und mit den Standorten verbundene Emotionen sollten nicht außer Acht gelassen werden.
Keine klare Vorstellung
Braun regte an, dass die Ratsmitglieder überlegen, für welche Zwecke das Gebäude künftig dienen soll und wo sich die voraussichtlich besser erfüllen ließen. Dazu wollte sich jedoch niemand spontan äußern und es wurde gefragt, ob es nicht besser wäre, wenn alle noch mal in sich gingen, bevor sie eine Tendenz äußern. Der Gedanke von Ortschef Andreas Lehmann (SPD), auch die Bürger nach ihren Präferenzen zu befragen, bevor weiter geplant wird, stieß allerdings auf heftige Gegenwehr. Schließlich würden im Rat deren gewählte Vertreter sitzen und von denen dürfe man durchaus erwarten, dass sie selbst eine Grundsatzentscheidung treffen.
Die CDU-Fraktion merkte an, dass die Entscheidungsfindung bei internen Beratungen bisher am Mangel einer wenigstens groben Vorstellung vom neuen Gebäude scheiterten. Ob nicht wenigstens eine Skizze erstellt werden könnte, damit die Ratsmitglieder sich ein Bild machen könnten? Da das mit weiteren Kosten verbunden wäre, wurde von der SPD die Frage in den Raum gestellt, ob nicht erst geklärt werden sollte, wer künftig der „Herr im Haus“ sei, wenn das Dorfzentrum auf dem Gelände des Sportvereins stehe. Es müsse ja festgelegt werden, wie die Dinge dann zu laufen hätten.
Keine klare Präferenz
Die Debatte zog sich immer weiter in die Länge und die Ratlosigkeit der Mandatsträger schien in ihrem Verlauf immer mal wieder durch. Gegen 22.30 Uhr schließlich war allen Beteiligten klar: Das eigentlich angestrebte Ziel, dass jedes Ratsmitglied seine vorläufig bevorzugte Variante nennt, um eine groben Eindruck von den Mehrheitsverhältnissen zu gewinnen, würde nicht erreicht werden.
Stattdessen wurde entschieden, dass das Liegenschaftsamt der Verbandsgemeinde nun erst einmal die rechtliche Situation auf dem Vereinsgelände klären soll. Es soll auch geprüft werden, wie die Chancen stehen, eine für SVO und Gemeinde zufriedenstellende Vereinbarung zur künftigen Nutzung zu finden. Erst wenn sich die abzeichnet, sollen grobe Entwürfe für ein neues Dorfgemeinschaftshaus – als Anbau an die SVO-Gebäude oder als Solitär – erstellt werden. Danach soll eine Gewichtung der einzelnen Kriterien für Umbau oder Neubau vorgenommen werden, um den Ratsmitgliedern eine solidere Basis für ihre Entscheidung zu bieten.