Grünstadt Zu nah am Stadion gebaut

Herber Verlust: Seit vielen Jahren sind die Fans des SV Waldhof vor und nach den Ligaspielen in Christine Pradts Soccercenter ei
Herber Verlust: Seit vielen Jahren sind die Fans des SV Waldhof vor und nach den Ligaspielen in Christine Pradts Soccercenter eingekehrt. Wegen der polizeilichen Verfügung ist das aktuell nur noch bedingt möglich und Pradt fürchtet Verluste, die sich nur schwer beziffern lassen werden.

Ende November fand das letzte Heimspiel des SV Waldhof im Jahr 2018 statt, erst Ende Februar geht es für den Mannheimer Fußball-Regionalligisten in der Liga weiter. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass sich bis dahin ein Problem gelöst hat, mit dem Christine Pradt aktuell kämpft. Die Inhaberin des Fußballcenters Rhein-Neckar muss ihre Türen bei einigen Partien der Waldhöfer schließen, weil die Polizei sonst die Sicherheit gefährdet sieht.

„Das ist natürlich doof“, sagt Boris Fischer. Der Ilvesheimer geht seit vielen Jahrzehnten zu den Spielen des SVW und ging seit vielen Jahren vorher zum „Walter“. Walter Pradt stand zwischen 1973 und 1985 beim SV Waldhof im Tor, hatte danach verschiedene Funktionen im Verein inne und eröffnete schließlich das Fußballcenter in unmittelbarer Nähe zum Stadion. Nach dem Tod von Walter Pradt vor vier Jahren, führt Christine Pradt den Betrieb weiter. „Es ist eine Tradition, dass wir uns vor den Heimspielen dort treffen, danach zum Spiel gehen und anschließend noch einmal zurückkommen, um bei einem Bierchen über die 90 Minuten zu quatschen“, erzählt Fischer. In der aktuellen Saison wird das allerdings nicht immer möglich sein, weil die Polizei in Abstimmung mit der Stadt verfügt hat, dass Pradt bei Hochrisikospielen des SVW komplett schließen muss und bei Risikospielen für die Zeit von 14 bis 17 Uhr keine Waldhof-Fans bewirten darf. Beim abgebrochenen Aufstiegsspiel im Mai gegen den KFC Uerdingen hat es nach Angaben der Polizei eine Straftat eines Besuchers des Soccercenters in Richtung der Beamten gegeben, so dass Sicherheitsbedenken zu der Forderung der Schließung führten. „Ich halte diese Maßnahme für falsch, denn wir sind seit zehn Jahren regelmäßig beim Walter und man kann doch nicht das Soccercenter in Haft nehmen, wenn ein Einzelner etwas tut“, sagt Waldhof-Fan Fischer. „Ich war überrascht, als ich wenige Tage vor dem Saisonstart die Mitteilung erhalten habe, dass ich nicht mehr immer öffnen darf“, sagt Christine Pradt. Sie ärgert sich, dass sie eine lieb gewonnene Tradition vieler Fans nicht mehr ermöglichen kann – und muss gleichzeitig auf die einkalkulierten Einnahmen verzichten. In der abgelaufenen Hinrunde musste sie bei den Partien gegen Ulm und Offenbach komplett schließen, in der Rückserie ist die Partie gegen Saarbrücken ebenfalls als Hochrisikospiel eingestuft – und möglicherweise kommen weitere Partien kurzfristig hinzu. „Natürlich geht mir Geld verloren, aber es geht nicht nur darum. Viele Fans kommen seit Jahren bei mir vorbei, sie sind mir ans Herz gewachsen“, erklärt Pradt. Hinzu kommt, dass sich aktive Fußballer, die nichts mit den Partien des SVW am Hut haben, nicht fest darauf einstellen können, wann das Fußballcenter für sie geöffnet hat oder eben schließen muss. Die Stadt als Vermieterin der Halle hat Pradt angeboten, mögliche Einnahmeausfälle durch die Schließungen zu kompensieren, allerdings ist eine Summe schwer festzulegen. Offiziell hält sich die Verwaltung mit einer Aussage zu der Thematik zurück, eine Anfrage blieb unbeantwortet. „Diese Vereinbarung wurde zunächst für die Saison 2018/2019 getroffen“, sagt eine Polizeisprecherin und macht deutlich, dass zumindest im ersten Halbjahr 2019 nicht an dem Beschluss gerüttelt werden soll. Dabei hofft Pradt, schon bald zu einer neuen Lösung zu kommen. Spätestens in der nächsten Saison drohen größere Probleme, denn wenn die Waldhöfer, die aktuell Tabellenführer sind, aufsteigen, dürfte es in der neuen Spielzeit weit mehr als drei Hochrisikospiele für den SVW in der Dritten Liga geben – und damit weitere erzwungene Schließungen. „Im ersten Quartal 2019 wird es ein Gespräch mit den zuständigen städtischen Stellen und der Polizei geben. Mehr können wir momentan noch nicht dazu sagen“, berichtet die Polizeisprecherin. Für Boris Fischer und die Fans ist das eine schlechte Nachricht, denn sie müssen sich nach einer Alternative umschauen.

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