Grünstadt
Zoff um Grundschule: So reagiert der Rat
„Wir haben Glück gehabt“, sagt Mimmo Scarmato. Damit spielt der künftige Grünstadter Bürgermeister und Noch-Fraktionschef der CDU auf den Umstand an, dass der Rat seine Entscheidung erst jetzt fällt. Festschreiben soll das Gremium in seiner letzte regulären Sitzung des Jahres, wie künftig die Nachmittagsbetreuung an der Dekan-Ernst-Schule abläuft. Bislang können Kinder dort wahlweise bis 14.30 Uhr oder bis 16 Uhr vor Ort bleiben, unter Aufsicht ihre Hausaufgaben machen oder spielen.
Störend beim Unterricht
Allerdings gibt es an der Dekan-Ernst-Schule auch einen Ganztagszweig, in dem Jungen und Mädchen nachmittags zumindest phasenweise noch einmal intensiv unterrichtet werden. Und da wirkt der Parallel-Trubel bislang oft störend, beklagt Schulleiterin Marina Röhrenbeck. Also sollte das Betreuungsangebot für die Kinder aus dem Halbtagszweig deutlich verkürzt werden. Was der Rat so vor Wochen auch schon fast beschlossen hätte, denn kaum jemand schien mit dem Konzept ein Problem zu haben.
Diesen Schluss zogen die Kommunalpolitiker unter anderem, weil vorab der Schulträgerausschuss getagt hatte. Ihm gehören auch Lehrer- und Elternvertreter an, die Bedenken hätten anmelden können. Doch das taten sie nicht. SPD-Ratsherr Sascha Schwalb zieht daraus nun den Schluss, dass die Beteiligten vor Treffen dieses Gremiums besser einbezogen werden müssten. Denn mittlerweile hat sich gezeigt: Der zunächst vorgelegte Plan hätte manchen Familien massive Probleme beschert.
Vorschlag in letzter Minute
Auch wenn längst nicht alle die jeweils gebuchte Zeit bis voll ausschöpfen: Ein generelles Betreuungsende bereits um 14 Uhr wäre für einige Mütter oder Väter dann doch zu früh. Also gibt es nun ein weniger einschneidendes Kompromissmodell, das offenbar allgemein als annehmbar gilt: Die Kinder können auch länger bleiben. Aber damit mehr Ruhe im Schulhaus herrscht, ist das Schultor während der letzten Stunde zu. Eine Abhol-Möglichkeit gibt’s erst wieder zum Betreuungsende um 15 Uhr.
Erarbeitet werden konnte diese Variante in den vergangenen Wochen aber nur, weil der Rat seine Entscheidung gleich mehrfach verschoben hatte – und das zunächst aus einem anderen Grund. Verändert werden nicht nur die Betreuungszeiten, auch die Gebühren dafür wird die Stadt spürbar anheben. Die Christdemokraten hatten in einer früheren Sitzung recht spontan einen Geschwister-Rabatt für jene Familien vorgeschlagen, die gleichzeitig mehrere ihrer Kinder in die Betreuung schicken.
Die FDP hatte daraufhin durchaus Wohlwollen signalisiert, aber zugleich gefordert, dass die finanziellen Folgen so einer Vergünstigung erst einmal in verschiedenen Varianten durchgerechnet werden. So kam es zu einer ersten Verzögerung. Und die führte dazu, dass Ratsmitglieder die Eltern-Widerstände gegen die Änderungen bei den Betreuungszeiten mitbekamen. CDU-Fraktionschef Scarmato sagt: Wenn das anders gelaufen wäre, „wäre es spätestens im Sommer zu Ärgernissen gekommen“.
„Mehr mit Eltern geredet“
Dass der Rat damit vor allem Glück gehabt habe, will FWG-Frontmann Johannes Adam aber nicht stehenlassen. Er nimmt für seine Truppe in Anspruch, dass sie schon sehr früh Vorbehalte angemeldet habe – „weil wir mehr mit den Eltern geredet haben“. Außerdem sagt er: „Wir bedanken uns bei den anderen Fraktionen, dass sie den Weg mit uns gegangen sind.“ Die Grünen-Fraktionschefin Susanne Faust will derweil wissen, ob neue Vorgaben des Ganztagsförderungsgesetzes aufgegriffen sind.
Sie gelten ebenso ab Sommer wie das nun beschlossene Betreuungsmodell. Doch Noch-Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) sagt: „Natürlich wissen wir, dass das kommt. Wie das umgesetzt wird, ist aber noch nicht klar.“ Und zuständig sei zunächst einmal ohnehin der Kreis.